Alarmübung der Feuerwehr Elz: „Brand in der Gaststätte Kunz“

Wie muss ich agieren, wenn es ernst wird? Was muss ich als Feuerwehrmann im Einsatz beachten? Wie gestaltet sich das Zusammenspiel mit den anderen Rettungskräften?
Damit diese Fragen nicht nur in der Theorie behandelt werden, sondern auch in der Praxis geübt werden können, veranstalten die Rettungskräfte unangekündigte Übungen mit echten Szenarien. Bereits zum 3. Mal durfte ich eine solche Übungen fotografisch begleiten.

Um 19.40 Uhr ging der Alarm für die Übung los – ein Brand in der Gaststätte Kunz, Weberstraße, mit mehreren eingeschlossenen Personen. Alarmiert wurde die Freiwillige Feuerwehr Elz und Malmeneich, der DRK Elz sowie die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg.
Ein Großaufgebot an 8 Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr und 3 Fahrzeugen des DRK rückte wenige Minuten später in die Weberstraße aus. Am Fenster der Obergeschosse standen um Hilfe rufende, brandverletzte Menschen, dichter Rauch quoll aus dem Gebäude. Dieses Bild, was sich den 45 Rettungskräften bot, wirkte extrem echt, obwohl es sich nur um eine den Einsatzkräften nicht bekanntgegebene Alarm-Einsatzübung handelte. Der Stellvertretende Gemeindebrandinspektor Guido Mader hatte gemeinsam mit Ulrich Kunz ein anspruchsvolles Szenario organisiert, das den Rettungskräften alles abverlangte. Die Verletztendarsteller, allesamt Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Elz, waren optisch sehr realistisch mit verschiedensten Verletzungsmustern „geschminkt“. (aus dem Bericht der Feuerwehr)

Als die Einsatzkräfte vor Ort kamen, bot sich ihnen folgendes Bild – aus dem Keller stieg Rauch auf und im Obergeschoss riefen Menschen aus dem Fenster verzweifelt nach Hilfe.

Mitglieder vom DLRG Elz stellten sich als Verletzte zur Verfügung.
Mitglieder vom DLRG Elz stellten sich als Verletzte zur Verfügung.

Einige Feuerwehrmänner gingen mit Atemschutz und Wasserschlauch in das Gebäude hinein. Auf der Treppe fanden sie einen Verletzten, welcher nach draußen gebracht wurde. Über eine Drehleiter retteten die Einsatzkräfte die Personen im Obergeschoss. Da diese ziemlich wirr und hysterisch redeten, wussten die Einsatzkräfte, dass sich noch Personen im Gebäude befinden mussten, aber sie wussten nicht wie viele und wo. Eine „Person“ (Puppe) wurde dann noch in der völlig verrauchten Kegelbahn gefunden und konnte geborgen werden.

Dramatik kam auf, als eine „Mutter mit Kleinkind“ an einem weiteren Fenster erschien und ihr Kind durch einen Wurf aus dem Fenster in Sicherheit bringen wollte. Sofort wurde das große Sprungpolster der Feuerwehr aufgeblasen und in Stellung gebracht, so dass das Kleinkind den Wurf aus dem Obergeschoss-Fenster unverletzt überstand. Zwischenzeitlich waren zudem Teams der Notfallseelsorge eingetroffen, die sich um die unverletzten Betroffenen kümmerten. Zum Schluss musste sogar noch eine „Leiche“ geborgen werden, so dass das Übungsszenario die gesamte Brandeinsatz-Palette der Feuerwehr abbildete.

Zeitweise waren bis zu vier Atemschutz-Trupps gleichzeitig im Gebäude unterwegs, 15 Atemluftflaschen wurden verbraucht, da manche Trupps sogar zweimal eingesetzt werden mussten, um den Einsatz überhaupt abarbeiten zu können. Zum Einsatz kam auch eine von der Gemeinde gerade erst neu angeschaffte Wärmebildkamera, die dem Einsatztrupp im verrauchten Gebäude die Orientierung und das Auffinden der Personen erheblich erleichterte.

Zusammenarbeit mehrerer Rettungsdienste üben

Das besondere an diesem Einsatz war die Hysterie der „Betroffenen“, die zuerst die Feuerwehrleute und dann die DRK-Einsatzkräfte händeln mussten. Daher war bei dieser Übung die Notfallseelsorge mit einbezogen zur Unterstützung der Einsatzkräfte. Immer wieder mussten die Personen beruhigt und zum ruhig liegen aufgefordert werden, damit sie versorgt werden konnten.

Notfallseelsorge und DRK kümmern sich gemeinsam um die Verletzten.
Notfallseelsorge und DRK kümmern sich gemeinsam um die Verletzten.

Durch solche Übungen können die Rettungskräfte realistisch den Ernstfall üben und die gemeinsame Arbeit erproben. Im Ernstfall können sie sich dann aufeinander verlassen, da die Zusammenarbeit im Vorfeld erprobt wurde.

Alles in allem eine sehr anspruchsvolle, aber durchaus realitätsnahe Einsatzübung, für die der als Einsatzleiter fungierende Gemeindebrandinspektor Hilmar von Schenck nicht nur den Organisatoren, sondern auch der Familie Kunz für die Zurverfügungstellung des großen Objekts dankte. Ein dickes Lob bekamen auch die sehr engagiert mitwirkenden Einsatzkräfte aller Hilfsorganisationen, die zum Teil bis an den Rand der körperlichen Leistungsfähigkeit gehen mussten. Die Zusammenarbeit der Elzer Hilfsorganisationen lief – wie gewohnt- absolut reibungslos. Kleinere Fehler, die bei der Übung zutage traten, wurden anschließend gemeinsam besprochen, so dass auch ein Lern-Effekt erreicht wurde. Das größte Manko ist derzeit die Kommunikation der unter Atemschutz eingesetzten Trupps über den Digitalfunk. Die Sprache kommt nur schwer verständlich an und erschwert dadurch die Abläufe. Wenn es um zeitkritische Rettungseinsätze geht, ergeben sich dadurch erhebliche Gefahrenmomente auch für die Einsatzkräfte. Hier soll alsbald Abhilfe geschaffen werden, da die Industrie mittlerweile auf diese von den Feuerwehren schon öfters kritisierte Schwachstelle reagiert hat und spezielle Einbauten für die Atemschutzmasken anbietet. Gemeindebrandinspektor Hilmar von Schenck sagte den Einsatzkräften zu, das Thema in Absprache mit der Gemeinde zeitnah in Angriff zu nehmen.

Die Fotos von der Übung könnt Ihr Euch in der Fotostrecke ansehen.

Ich habe nachträglich den Bericht des Gemeindebrandinspektors Hilmar von Schenck kursiv eingefügt.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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