Ehrenamtliches Engagement: Ariane Jung von den Musikfreunden Westerwald

Ariane Jung lernte ich im Rahmen des Jubiläumskonzertes der Musikfreunde Westerwald in Niederzeuzheim 2015 kennen. Dort spielt sie nicht nur Klarinette, sondern ist als Vorsitzende des Vereins auch für die gesamten organisatorischen Belange zuständig. Auf diese Aufgabe wurde sie von ihrem Vater vorbereitet. Wir hatten ein sehr nettes Gespräch miteinander, indem sie mir einiges zu ihren Aufgaben, zum Verein und von ihrem Vater erzählte.

Teamwork statt Einzelkämpfer

Ariane Jung (37) übernahm vor vier Jahren den Vorsitz über die Musifreunde Niederzeuzheim, weil sie von ihrem Vater sehr gut darauf vorbereitet wurde.Ariane Jung (37) übernahm mit 33 Jahren den Vorsitz bei den Musikfreunden Westerwald. Doch sie sieht sich nicht als Einzelkämpferin an der Spitze, sondern sie arbeiten alle im Team zusammen. Im Vorstand wie auch im gesamten Verein lebt sie nach dem Motto: „Wir brauchen keine Stars, sondern viele kleine Sternchen.“ Dennoch wünscht sie sich mehr Menschen aus ihrer Generation, die in den Vereinen Verantwortung übernehmen, damit diese am Leben gehalten werden und auch in den nächsten Generationen noch existieren.

Der Musikverein ist mit seiner Gründung in 1989 noch recht jung, 1990 erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister. 1990 kam Ariane Jung zum Orchester hinzu und spielt dort seitdem Klarinette. Von Anfang an prägte Arianes Vater, Manfred Jung, den Verein mit. Da war es naheliegend, dass Ariane mit 18 Jahren als Jugendwart in den Vorstand kam. „Mein Papa hat mich eingeführt und mir dann schleichend viele Dinge übergeben“, erinnert sich die Musikerin. „Durch das schleichende Reinwachsen wusste ich, worauf ich mich einlasse.“ Im Jubiläumsjahr übernahm sie den Vorsitz, weil ihr Vater zurückgetreten ist. Aus Niederzeuzheim stammend musste sie sich natürlich erstmal beweisen und den Leuten zeigen, dass sie es hinbekommt. (Hier findet Ihr Bilder vom Jubiläumskonzert)

Jugendarbeit wichtig für die Zukunft

Von Anfang an legten die Musikfreunde einen großen Wert auf die Jugendarbeit. Dies sprach sich schnell rum und der Zulauf war da. Auf diesen Erfolg ruhte sich der Verein ein wenig aus, so dass es 2001/2002 eine Lücke im Orchester gab und Manfred Jung das Klassenmusizieren ins Leben rief. Es wurden Instrumente angeschafft und an interessierte Schüler verliehen, um die Hürde einer teuren Anschaffung für die Familien zu nehmen. Inzwischen kann der Verein auf 30 Kinder zwischen neun und 16 Jahren blicken. „Wenn wir es schaffen, die Jugendlichen über das Abitur und die Ausbildung hinweg zu halten, dann ist dies ein großer Gewinn für den Verein“, so die Vorsitzende. Ariane Jung unterrichtet auch selbst, wobei sie diese Tätigkeit inzwischen stark reduzieren musste, da ihr neben dem Beruf als Personalbearbeiterin beim Bischöflichen Ordinariat sowie der Vorstandstätigkeit und den Auftritten keine Zeit mehr dafür bleibt.

Feste Vereinsgemeinschaft in Niederzeuzheim

Neben der Vorstandsarbeit und dem eigenen Muszieren unterrichtet Ariane Jung (re) die Schülerinnen Leonie Wörsdorfer (li) und Paula Borchers.Der junge, musiktreibende Verein ist fest im Gemeindeleben integriert und gestaltet viele Feierlichkeiten mit oder hilft, wenn andere Vereine Feierlichkeiten haben. Neben ihrem Vater sind es die vielen Ehrenamtler im Ort, die sie inspiriert und motiviert haben, Vereinsarbeit zu leben. „Es ist nicht nur ein Verein, sondern eine riesengroße Familie für uns alle“, so Jung. Dies zeigte sich auch im Frühjahr 2016, als ihr Vater recht plötzlich verstarb. „Ich habe erst gedacht, dass wir es den Musikern nicht zumuten können, zur Beerdigung zu spielen“, so Ariane Jung, doch die haben sich unabhängig davon zusammengetan, weil sie beim Tuba-Manni spielen wollten.“ Am Ende haben sie alle am Grab gestanden und „Böhmischer Wind“ gespielt. Dies habe ein enormes Gemeinschaftsgefühl erzeugt, erinnert sie sich. Auch heute noch gibt es Situationen, wo sie ihn gerne um Rat fragen möchte. Sie vermisst seine Diplomatie, denn dieses diplomatische Geschick würde ihr manchmal fehlen.

Väterliche Vorbild

Nach dem Vorbild ihres Vaters möchte auch sie jetzt die jungen Menschen motivieren, sich im Verein zu engagieren und dies nicht nur beim Feiern und präsentieren, sondern auch bei den Arbeiten rund um eine Veranstaltung. Sie blickt bereits jetzt auf eine Gruppe 15 bis 16 jähriger, die Verantwortung übernehmen und sich engagiert einbringen. „Ich denke noch nicht ans Aufhören, aber ich möchte es auch nicht ewig machen“, lacht Ariane Jung. Nach dem Vorbild ihres Vaters möchte sie jemanden von den jungen Musikern nach und nach an die Aufgaben heranführen und dann irgendwann den Vorsitz übergeben.

Die Verbindung zu ihrem Vater und was er ihr alles mitgegeben hat, war das gesamte Gespräch deutlich spürbar. Für mich war es sehr bewegend, als sie später zu mir meinte, dass sie sich wünschte, ich hätte das Interview mit ihrem Vater führen sollen. Ein tolles Engagement, welches sie in seinem Namen weiterführt.

 

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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