„Von Motten nicht verzehrt“ – Neue Ausstellung im Diözesanmuseum

Das Diözesanmuseum Limburg ist jederzeit einen Besuch wert, was ihr hier nachlesen könnt. Nun lockt eine neue Ausstellung auf den Domberg, die sich unter dem Motto „Von den Motten nicht verzehrt – Textile Schätze aus dem Limburger Dom“ um die Bekleidung und textile Beigaben aus vier Zeitepochen dreht. Bis zum 26. November können Besucher sich diese Schätze ansehen. Ich durfte bei der Eröffnung schon mal ein Blick darauf werfen und war begeistert von den Stücken.

Feine Stickereien, fast wie gemalt

In der Soonderausstellung des Diözesanmuseums in Limburg finden sich ganz feine Arbeiten.
Die einzelnen Fäden sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen.

Im großen Saal des Erdgeschosses blenden einen die Gewänder beim Betreten des Raumes. Goldene Stickereien auf tiefroten Stoffen ziehen das Auge an. Während die einen Gewänder in ihrer Schönheit recht schlicht sind, erzählen andere Gewänder ganze Geschichten. Sie alle bestechen durch eine große Farbenpracht. Manche Stickereien sind so fein, dass einzelne Fäden nicht zu erkennen sind und die Muster wie gemalt erscheinen. Mit einer Lupe konnten die Besucher in detektivischer Manier sich die feinen Stickereien bis ins kleinste Detail anschauen. Manche wirken recht schlicht in ihrer Gesamtwirkung und andere Textilien erzählen ganze Geschichten. Hochwertige Materialien und leuchtende Farben zeigen sich in den Gewändern, aber auch in Stoffbahnen, Möbelbezügen oder Einhüllungen. Die ältesten Stücke in der Ausstellung sind textile Reliquien, welche über 3.000 Jahre alt sind. Die liturgischen Gewänder, auch Paramente bezeichnet, geben einen Einblick in die Kirchengeschichte Limburgs vom Mittelalter bis hinein ins 20. Jahrhundert.

Lebende Kunstwerke und keine toten Museumsobjekte

Dominik Müller, Kurator der Ausstellung, sieht in den Paramenten Gesamtkunstwerke und nicht nur „tote Museumsobjekte“. Manche Stücke werden noch heute jedes Jahr in der Lithurgie getragen und dabei offenbart sich das gesamte Kunstwerk. „Durch das Zusammenspiel mit anderen Elementen der Lithurgie, durch das Licht- und Schattenspiel in der Kirche und durch den Träger selbst erwachen sie zum Leben“, so der Kurator. Dabei geben die Stücke nicht nur Einblicke in den Zeitgeist ihrer Epoche, sondern auch wie sie behandelt wurden. Daher seien sie ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte, welche wirtschaftlich auf einen guten Tuchhandel zurückblicken konnte. Ein Exot in der Ausstellung ist ein Gewand aus chinesischer Seide, welches damit am weitesten gereist ist. Dies zeuge von internationalen Handelsbeziehungen und auch, dass Limburg ein wichtiger Knotenpunkt auf den damaligen Handelsrouten war.

Komplette Inszenierungen

Neben dem Schwerpunkt der Ausstellung im Erdgeschoss befinden sich weitere Stücke im ganzen Haus verteilt. Wie Motten ziehen sie sich durch die Räume. Eine kleine Motte dient als roter Faden innerhalb der Ausstellung. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist aus den 30er Jahren eine komplette Inszenierung des Ersten Limburger Bischofsthron mit seinen Brokatstoff aus Gold und Silber. Doch nicht nur der Bischofsthron kann in seiner Gesamtheit gezeigt werden. Da die einzelnen Stücke an verschiedenen Orten gelagert wurden, , werden in dieser Ausstellung teilweise ganze Ornate das erste Mal vollständig zusammengeführt gezeigt.

In diesem Jahr ist dies die zweite Sonderausstellung des Diözesanmuseums. Sie kann bis zum 26. November von Dienstag bis Samstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie Sonn- und Feiertags 11 bis 17 Uhr besucht werden.

 

 

 

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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