Barrierefreiheit in der WERKStadt

Habt Ihr Euch schon mal damit auseinandergesetzt, was Barrierefreiheit bedeutet? Denkt Ihr dabei nur an Menschen mit Behinderungen?
Dass Barrierefreiheit soviel mehr ist, durfte ich gestern bei einer Begehung der WERKStadt Limburg mit Frank F. König erfahren. Durch eine MS-Erkrankung sitzt er im Rollstuhl. Sich auf seine Augenhöhe zu begeben, hat mir einen völlig neuen Blickwinkel auf verschiedene Dinge gegeben, die ich vorher nie beachtet habe. Ich habe auch schon meine Erfahrung gemacht mit dem Thema Barrierefreiheit und Kinderwagen. Dies spielte jedoch keine Rolle mehr als die Kinder laufen konnten.

Barrierefreiheit nicht nur für Menschen mit Behinderung

Zu Beginn macht Frank F. König direkt deutlich, dass es bei Barrierefreiheit nicht um Speziallösungen für Menschen mit Behinderungen geht. Barrierefreiheit bedeutet einen umfassenden Zugang und uneingeschränkte Nutzungschancen aller gestalteten Lebensbereiche. Barrierefreiheit bedeutet die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle Bevölkerungsgruppen. Dies schließt neben Menschen mit Behinderungen genauso Familien mit Kinderwagen und ältere Menschen mit Beeinträchtigungen wie schlechtes Sehen oder gebeugte Haltung mit ein. Barrierefreiheit ist demnach die Grundvoraussetzung für ein gleichberechtigtes und Selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft von Menschen mit und ohne Behinderungen. Hinter dem Thema Barrierefreiheit steckt mehr als „keine Treppen und Stufen“.

Orientierung ist Barrierefreiheit und gibt Sicherheit

Ich bekam Ecken in dem Komplex gezeigt, die ich vorher nicht kannte. Der Rundgang begann unten in der Tiefgarage. Dort sprangen mir knallige Farben von Orange, Gelb und kräftigem Grün in die Augen. Durch diese starke Farbgebung der Parkplätze, der Bereiche um die Türen und am Kassenautomaten ist eine Orientierung in der riesigen Halle gegeben. In einem Rollstuhl sitzend sei ein weites Überblicken der Örtlichkeiten nicht möglich, so König, denn man könne nicht über die Autos hinwegschauen. Ich kann ihm da nur zustimmend. Im Stehen sehe ich die Autos bis in die 3. Reihe. In der Hocke sehe ich nur noch die Autos in der 1. Reihe. Daher ist die Farbgebung in Kombination mit Hinweisschildern sehr hilfreich.Alle Türen kann Frank F. König alleine öffnen. Sie sind leichtgängig und er kommt sehr gut ran. Klar, wäre es schön, wenn sich diese elektrisch über einen Schalter oder Sensor öffnen ließen, so König, aber diese Türen seien auch sehr gut.

Begehung und Aufnahme neuer Blickwinkel

In einer vierstündigen Begehung mit Verantwortlichen der WERKStadt machte Frank F. König auf verschiedene Dinge aufmerksam und einiges optimierten diese im Nachgang. Zu diesen Optimierungen zählen die Hinweisschilder. Inzwischen hängen viel mehr Hinweisschilder. Somit ist von jeder Stelle aus immer eine Orientierung gegeben. „Orientierung bedeutet Sicherheit“, so König. Weiterhin wurden alle Schilder bis zu 20 cm niedriger gesetzt, kontrastreich und blendungsfrei gestaltet. Die Verantwortlichen setzten die Bewegungsmelder für Licht um, da sie zu hoch hangen und nicht auf alle Personen reagierten. Die Fahrstühle sind breit genug gestaltet, so dass Frank F. König in der Lage ist, innerhalb des Fahrstuhles zu wenden. Er zeigt die Haltegriffe auf beiden Seiten des Aufzugs, so dass auch ältere, eingeschränkte Menschen die Möglichkeit haben, sich festzuhalten, egal, wo sie gerade stehen.

Frank F. König zählt die vielen Vorzüge auf. Alle Geschäfte und auch die Bankautomaten sind ebenerdig zugänglich. Manche Geschäfte sind zwar ein wenig eng gestaltet, doch dies liege häufig an deren Gestaltungskonzepten. Das räumliche Konzept am Bankautomat bietet eine sichere Distanz zum vorbeigehenden Publikumsverkehr. Dem gegenüber befindet sich auf einer erhöhten Plattform zum Restaurant La Flamme. Hier weisen zwei Hinweisschilder auf eine Rampe hin, für diejenigen, die keine Treppen laufen können. Das Restaurant besitzt ebenfalls eine Behindertentoilette, welche barrierefrei zu erreichen ist. Die Mitarbeiter am Foodcourt sind immer freundlich. „Sie sind auf uns eingestellt und behandeln uns immer sehr zuvorkommend“, erzählt Frank F. König.

Gut sichtbar ist der Hinweis auf eine Rampe als Zugang zum Restaurant.
Gut sichtbar ist der Hinweis auf eine Rampe als Zugang zum Restaurant.

Gute Fußbodenbeläge für Barrierefreiheit

In allen Eingangsbereichen der WERKStadt liegen Matten aus. Beim Reinkommen nehmen sie die Feuchtigkeit von den Reifen auf. Die dahinterliegenden Fliesen werden nicht nass und die Rutschgefahr wird damit verhindern. In der gesamten WERKStadt finden sich leichtgängige Fußbodenbeläge für bereifte Fahrzeuge wie Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator. Es gelang den Verantwortlichen, den Industriecharme zu erhalten und Barrierefreiheit umzusetzen. In den Kreuzungsbereichen zwischen den Geschäften weisen große Schilder von weitem darauf hin, wo die Toiletten sind.

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Frank F. König lobte die Wohlfühlatmosphäre, weil Sicherheit vermittelt wird, das Licht stimmt und jeder ruhig und entspannt einkaufen gehen kann.
Frank F. König ist es sehr wichtig, nicht nur zu meckern, sondern selbst aktiv zu werden. Nur so könnten Veränderungen erreicht werden. Mehr zum Thema Barrierefreiheit gibt es auf seiner Internetseite zu lesen.

Ich bin Frank F. König dankbar für diesen Blick, den er mir gewährte. Es ist wichtig, manchmal seinen bequemen Blickwinkel zu verlassen und auch mal über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Ein Gedanke zu „Barrierefreiheit in der WERKStadt

  • 20. Dezember 2016 um 16:27
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