Bastian Obermayer/ Frederik Obermaier: „Panama Papers – die Geschichte einer weltweiten Enthüllung“

Der Clou der Süddeutschen Zeitung, am 3.April die Daten der Panama Papers zu veröffentlichen, hat mich sehr beeindruckt. Die herausgefundenen Daten, die das Leak ermöglichte, enthalten viele brisante Informationen, die an sich schon sehr fesselnd sind. Doch noch mehr faszinierte mich die Geschichte dahinter – 400 Reporter aus 80 Ländern werteten die Daten aus und nichts davon drang an die Öffentlichkeit.  Es gelang den Journalisten, über ein Jahr lang die Informationen geheim zu halten und dann mit einem Paukenschlag zu veröffentlichen.
Daher war das Buch von Bastian Obermayer und Frederik Obermaier sehr aufschlussreich: „Panama Papers – Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung“.
Was sind die Panama Papers?
Als Panama Papers werden die vertraulichen Unterlagen des Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca mit Sitz in Panama bezeichnet, die in Folge eines 2,6 Terabyte Datenlecks an die Öffentlichkeit gelangten. Nach Einschätzung der beteiligten Medien belegen diese Daten Strategien der Steuervermeidung, Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von gesetzlichen Bestimmungen und Sanktionen sowie weitere Straftaten (Quelle Wikipedia).
Die beiden investigativen Journalisten der Süddeutschen Zeitung geben mit dem Buch Einblicke in die Anfänge, als sie vom Informanten angeschrieben wurden. Sie zeigen das Wachsen der Datenmengen und das die PC recht schnell an ihre Grenzen gelangen und sie immer größere anschaffen müssen. Durch die große Datenmenge und Zeugnisse eines weltweiten Netzes, wandten sich die beiden Journalisten recht früh an das ICIJ (International Consorium of Investigative Journalists), welches die Koordinierung der Datenauswertung und weiterer Recherchen übernahm. All diese Abläufe werden in dem Buch beschrieben. Parallel dazu gibt es erste Einblicke in die Ergebnisse, die die Daten ergeben.
Das Buch liest sich stellenweise wie ein Agententhriller, da die Journalisten auch Ängste entwickeln. Was wird passieren, wenn Drogenbosse, Diktatoren oder Waffenhändler mitbekommen, dass ihre Machenschaften aufgedeckt werden? Immer wieder mit dem Verweis, dass sie sich in Deutschland befänden, wo sie sicher seien. Was ebenfalls so faszinierend ist, ist die Aktualität. Es ist eben erst erschienen und ich kann den beiden Journalisten bei ihrer investigativen Arbeit über die Schultern schauen.
Der SZ ist ein großer Coup damit gelungen. Mit der Veröffentlichung über das Leak existierte im Hintergrund bereits gut ausgearbeitete Internetseiten und Grafiken, das Buch zu den Hintergründen erschien parallel mit den ersten Veröffentlichungen. Die Veröffentlichungen waren so geplant, dass am 3. April alle beteiligten Medien die Story brandaktuell bringen konnten. Andere Zeitungen, die nicht an der Geschichte beteiligt waren, konnten am Montag nicht damit aufwarten. Wer noch mehr zu den Panama Papers erfahren möchte, findet hier alle Daten und Fakten.
Für mich als Journalistin ein sehr spannendes Buch, welches mir Einblicke in die Arbeit des investigativen Journalismus gibt. Das Buch kann ich aber auch jedem empfehlen, der mehr zu den Hintergründen der Panama Papers erfahren möchte.
Das Buch erschien bei Kiepenheuer&Witsch
350 Seiten, 16,99 € für die broschierte Ausgabe bei Amazon (Partnerlink).

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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