Bechtheimer Thalhof – Der Archehof für Nutztiervielfalt

Letzte Woche besuchte ich den Bechtheimer Talhof in Hünstetten-Bechtheim. Hierbei handelt es sich um einen Archehof für seltene Nutztierrassen. Torsten von Arend gehört dieser Hof und er nahm sich die Zeit, mir alles zu zeigen. Die Straße entlang kommend sehe ich Schafe und Ziege auf einer größeren Grünlandfläche. Der Hof gefällt mir sofort.

Vom Steuerberater zum Schaf- und Ziegenzüchter

Seit 2010 existiert der Bechtheimer Talhof. Mit einem Zwinkern im Auge erzählt Torsten von Arend: „Ich habe mir ein Hobby gesucht und das ist ein wenig ausgeartet.“ Er suchte Schafe zur Fleischerzeugung, sie sollten praktisch sein und nicht viel Arbeit machen. Also informierte er sich im Internet und weiß heute „Da steht nur Quatsch drin.“ Er schaffte sich Kamerunschafe an. Statt pflegeleichter Tiere schaffte er sich damit die pflegeintensivsten Tiere an, die für diese Region eigentlich nicht gemacht sind. Inzwischen ist von Arend in der Lage, sich komplett selbst zu versorgen. Ich durfte einen Menschen kennenlernen, der mit ganzer Seele dabei ist.

Neugierige Thüringer Waldziege

Archehof seit 2015

Seit 2015 ist der Talhof ein Archehof. Das bedeutet, dass von Arend Rassen züchtet, die bedroht sind und für deren Arterhalt er mit der Züchtung sorgt. Vom Coburger Fuchsschaf gibt es deutschlandweit nur noch 2000 Muttertiere, 20 davon in Bechtheim. Diese Rasse steht auf der Roten Liste. Von der Thüringer Waldziege gibt es im Verband nur noch 600 Muttertiere, 90 davon in Hessen und 15 davon in Bechtheim. Bei der Züchtung achtet er darauf, dass die rassetypischen Merkmale erhalten bleiben, was jährlich durch den Verband geprüft wird. Das Gotlandschaf ist ein Schaf zur Wollgewinnung. Für dieses Schaf ist von Arend der südlichste Züchter und gehört zu den 20 Züchtern in ganz Deutschland. Daneben finden sich auf dem Archehof auch verschiedene Geflügelrassen, Esel, Rinder sowie Wollschweine.

Jung- und Muttertiere der Thüringer Waldziege
Jung- und Muttertiere

Arterhalt durch Nutzen

Nach zwei Jahren auf den grünen Wiesen werden die Tiere geschlachtet. „Dann haben wir eine sehr gute Fleischqualität.“ Nur durch die Nutzung der Haustierrassen für die Fleischerzeugung oder die Nutzung der Ziegenmilch für Frischkäseherstellung können die Arten überhaupt erhalten bleiben. Das Archehofprojekt gibt es seit 1995 in Deutschland und bemüht sich darum, Haustierrassen auf der Roten Liste zu erhalten. Die Tiere sind auf die Regionen angepasst und jede Rasse besitzt einen anderen Nutzen – die einen sind Wolllieferant, die nächsten gute Milchlieferanten und die anderen geben gutes Fleisch. Dabei kommen die alten Nutztierrassen nicht an die gezüchteten Hochleistungsrassen heran, die Fleisch und Milch für den Supermarkt produzieren.

Regional-artgerecht-hochwertig

Zum Abschluss der Führung nahm ich Ziegenbratwurst mit, Schmalz vom Wollschwein sowie Presskopf vom Wollschwein. Außer dem Presskopf haben wir alles schon gegessen und es schmeckt sehr gut. Auf dem Bechtheimer Talhof erhaltet Ihr regionales Fleisch aus artgerechter Haltung von hochwertiger Qualität. Es lohnt sich auf alle Fälle, dieses Fleisch zu kosten. Vor Ort gibt es von Torsten von Arend Informationen zur bäuerlichen Nutztierhaltung.

Informationen

Informationen rund um den Archehof findet Ihr auf der Internetseite.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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