Zuviel des Guten? – Ein Lanze für die Fastnacht

Wir befinden uns gerade mitten in der fünften Jahreszeit. Ausgelassen wird diese in allen Gemeinden mit Kappensitzungen, Seniorenfastnacht, Kinderbällen oder Kräppelkaffee gefeiert. Der Höhepunkt findet am Faschingswochenende statt. An diesem sowie Rosenmontag sowie Faschingsdienstag locken Umzüge die Narren auf die Straße. An Aschermittwoch ist alles rum.

An dieser närrischen Zeit scheiden sich die Geister. Die einen leben diese fünfte Jahreszeit mit vollem Körpereinsatz. sie haben die Narretei im Blut und können nicht ohne. Die anderen haben damit nichts am Hut und meiden alle Veranstaltungen. Die Erstgenannten freuen sich über eine ausführliche Berichterstattung zu ihrem Engagement. Den Zweitgenannten ist es immer zu viel.
Ich bin der Meinung, dass die Fastnacht die gleiche Berichterstattung verdient wie anderes ehrenamtliches Engagement. Warum, möchte ich in diesem Beitrag erklären. Doch lasst uns zuerst einen Blick auf die Historie der Fastnacht werfen.

Im Mittelalter Parodie auf die Obrigkeit

Den Ursprung hat die Fastnacht im Mittelalter in den Kirchen. Sie fand in der Fastenzeit vor Ostern statt. Die erste Erwähnung einer „fasnaht“ findet sich in dem Werk „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach aus dem Jahr 1206. Diese sogenannten Narrenfeste wurden bis ins 16. Jahrhundert in den Kirchen gefeiert. Die unteren Kleriker übernahmen für eine kurze Zeit den Rang sowie die Privilegien der höheren Geistlichkeit. In Narren- oder Eselsmessen parodierten sie die kirchlichen Rituale. Oftmals wurde ein Pseudopabst gekürt. Bereits am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, kürten die Menschen einen Kinderbischof, der dem Pseudopabst gleichgestellt war. Es fanden Prozessionen in den Städten statt.

Die Fastnacht wurde durch ihr ausgelassenes Treiben häufig von der Kirche häufig als teuflisch symbolisiert. Die Zeit sollte auf die Vergänglichkeit des Menschen hinweisen. Mit dem Aschermittwoch war Schluss. Der Mensch kehrte zu Gott zurück. War die Ausrichtung der Fastnacht zu Beginn den Klerikern vorbehalten, übernahmen es irgendwann im Laufe der Geschichte die Handwerkszünfte und das Bürgertum. Bei all den Wirren durch die verschiedenen Kriege, das Verschwinden der Umzüge von den Straßen sowie die Auseinandersetzung mit der Reformation, ist der Karneval bis heute Ausdruck der katholischen Mentalität.

Quelle: Wikipedia

Mein Blick auf die Fastnacht

Ich bin recht spät ein Freund der Fastnacht geworden – genauer gesagt, erst seit 2013 durch meinen Beruf als Lokaljournalist. Meine erste Saison bestritt ich auch noch so nebenbei als Job ohne groß hinter die Kulissen zu blicken. Ich war damals geneigt, den Menschen zuzustimmen, die die Berichterstattung zur Fastnacht überbordend fanden. Doch bereits im zweiten Jahr erhielt ich ganz andere Einblicke und ein ehemaliges Prinzenpaar nahm sich über vier Stunden Zeit, um mir einen recht tiefen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Dies ist nicht nur einfach Maske auf und los. Dies ist ein großes ehrenamtliches Engagement, um etwas auf die Beine zu stellen, intelligentes Analysieren von Situationen und das Weitertragen von Traditionen.

Berichterstattung der Fastnacht

Die letzten vier Jahre besuchte ich sehr viele Veranstaltungen von der Kappensitzung über die Frauenfastnacht, vom Kindermaskenball bis zum Seniorennachmittag. Neben den Bilder konnte ich im Artikel kurz jeden Akteur vorstellen und ein Kernthema herausarbeiten. Im Gespräch bekam ich immer wieder mit, dass den Akteuren vor allem ihre Nennung wichtig war. Man konnte es sich schnell mit ihnen verscherzen, vergaß man den Namen (ich entschuldige mich hier im Nachhinein bei allen, die ich jemals vergessen habe).

Da mich die Veranstaltungen sehr faszinierten, versuchte ich immer, sie vollständig mitzubekommen. Selten besuchte ich zwei Abendveranstaltungen an einem Tag. In den fünf Wochen war die Fastnacht das beherrschende Thema in der Zeitung und den Nicht-Narren war dieser Platz viel zu viel. Nun wurde die Berichterstattung stark verkürzt und alle Akteure zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Die einen mögen aufatmen, da die Fastnacht-Seiten um die Hälfte reduziert wurden. Die Akteure selbst sind enttäuscht. Und ich kann sie verstehen.

Warum verdient die Fastnacht eine Berichterstattung?

Viele Bilder mit tanzenden Funkenmariechen, bunten Showtanzgruppen, dem obligatorischen Männerballett, hier mal ein Prinz oder eine Prinzessin sowie Ausschnitte aus Sketchen und von Büttenrednern – so gestaltet sich die Berichterstattung. Ausgelassenheit und gute Laune strahlt dem Leser entgegen. Irgendwann lassen sich die einzelnen nicht mehr unterscheiden. Stimmen wie „Das ist doch alles das Gleiche?“, „Was interessiert mich das, ich war doch sowieso nicht dabei?“ oder „Was wollen mir die Bilder sagen?“ habe ich häufiger gehört.

Doch gehen wir mal einen Schritt zurück. Engagierst du dich in einem Verein? Bist du irgendwo ehrenamtlich tätig? Vielleicht in einem Chor, bei den Rettungsdiensten, in einer Theatergruppe, in der Zucht von Geflügel und Kleintieren oder in einem Sportverein? Wie fühlst du dich, wenn von einer Veranstaltung deines Vereins berichtet wird oder wenn du sogar auf dem Foto abgebildet bist? Genau, du freust dich, darüber zu lesen! Und jetzt verrate mir bitte, wo der Unterschied zu den ganzen Karnevalsvereinen besteht? Genau, es gibt keinen! Okay, es ist ein wenig geballt, da es sich auf die fünf Wochen im Jahr beschränkt, während sich die Veranstaltungen anderer Vereine über das ganze Jahr verteilen. Aber dennoch steckt hinter diesen Veranstaltungen genauso viel Arbeit wie bei jedem anderen Verein. Und ist die Saison vorbei, möchte niemand mehr über diese Vereine lesen, so dass diese häufig nur den einen Artikel zu ihrer Veranstaltung als Werbung haben.

Wie könnte eine Berichterstattung aussehen?

Die richtige Balance zu finden, ist nicht einfach. Doch ein zu starkes kürzen der Berichterstattung wird den Akteuren in keiner Weise gerecht. Ein kleiner Weg sind einzelne Geschichten aus dem Fastnachtsleben. Dies kann ein Besuch der Näherinnen der Kostüme sein. Oder ein Interview mit Personen, die als Motor von Veranstaltungen dienen. Die Tollitäten können einen Tag begleitet werden, um Einblicke in deren Wirken zu bekommen. Jedoch gehen dabei zu viele Aktive unter, was ich persönlich sehr schade finde. In den gemischten Texten sind die einzelnen Vereine nicht auf Anhieb zu erkennen. Vielleicht könnte zu Beginn einer Saison die Vereine/ Organisationen größer vorgestellt werden mit den Plänen für die kommenden fünf Wochen, so dass später die kürzere Berichterstattung akzeptabel ist? Was würden sich denn die aktiven Fastnachter wünschen? Schreibt mir gerne in den Kommentaren und ich nehme eure Meinung mit auf.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

7 Gedanken zu „Zuviel des Guten? – Ein Lanze für die Fastnacht

  • 7. Februar 2017 um 21:25
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    Liebe Heike du triffst wieder voll ins Schwarze! Nach meiner Meinung arbeitet ein Karnevalsverein wie wir das ganze Jahr wenn rund 100 aktive Tänzerinnen betreut werden. Turniere besuchen, Kostüme erstellen etc. Aber im eigentlichen Sinn arbeiten wir das ganze Jahr auf unsere Sitzung hin. Nach der Sitzung ist vor der Sitzung! Für uns ist das der Höhepunkt einer Session. Mit viel Einsatz arbeiten wir daran ein Programm zu erstellen und einem tollen Publikum zu präsentieren in der Hoffnung das die Besucher einer Sitzung für ein paar Stunden den Alltag vergessen und mit einem Lächeln nach Hause zu gehen. Hier sollte eine möglichst breite Berichterstattung stattfinden um den Höhepunkt auch für die Aktiven fest zu halten. Das Feedback des Publikums und das aus dem Bericht spornt jeden Aktiven an.

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    • 8. Februar 2017 um 7:15
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      Danke, mir war es wichtig, meine Gedanken zusammenzufassen. Jeder andere Verein bekommt seine Wertschätzung. Gegen neue Wege hat sicher niemand etwas, aber die totale Reduzierung finde ich falsch.

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  • 7. Februar 2017 um 21:49
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    Deine Gedanken treffen das große Spektrum der aktiven Narren ziemlich gut. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Akteur auch wirklich seinen Namen lesen möchte. Vielleicht ist das auch eher eine Art „Anerkennung“ und Zeugnis dessen, dass man „bemerkt“ wurde.
    Natürlich ist die 5. Jahreszeit für die Menschen, die dem nichts abgewöhnen können befremdlich. So geht es anderen Menschen aber auch beim Thema Kirchenchor, ehrenamtliches Engagement in der Kirche, Rettungsdienst, Geflügelzucht oder Aquaristik. Jeder Mensch entscheidet letztlich ja selbst, was genau er lesen möchte. Jeder Jeck ist anders. Daher sollte die Aufgeschlossenheit einfach da sein, den Menschen die wenigen Tage im Jahr einfach zu gönnen. Die aktuelle Berichterstattung ist in ihrer Aufmachung und Komprimierung einfach nicht meine Sache. Ja, Karneval nervt in der Zeit in der darüber berichtet wird, aber die Arbeit wird über das ganze Jahr geleistet. Im Fußball wird das ganze Jahr über Spiele berichtet und am Ende dann zur Meisterschaft gibt es nochmal Sonderberichte. Die 5. Jahreszeit ist unsere Meisterschaft. Nur, dass von den wöchentlichen Proben nicht berichtet wird.
    Mein Vorschlag wäre folgender : Warum bündelt die Lokalpresse die Berichte über die Kappensitzungen nicht einfach auf 3 oder 4 Wochenendbeilagen und erspart der „normalen“ Tageszeitung die Berichte ? Wer es nicht lesen will, muss den Sonderteil ja nicht ansehen.

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    • 8. Februar 2017 um 7:13
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      Das finde ich eine gute Idee. Durch so eine Bündelung können sich die Interessierten den Teil rausnehmen und der Rest kann drüber weg lesen.

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  • 7. Februar 2017 um 23:42
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    Ich selbst bin seit vielen Jahren aktive Karnevalistin und bin der Meinung, dass es eine Art der Wertschätzung ist in einem entsprechenden Bericht genannt zu werden. Es gibt über das Jahr verteilt sehr viele Berichte über kleinste Veranstaltungen und Vereine, die mich auch nur wenig interessieren. Jede Art eines ehrenamtlichen Engagements gehört aber die gleiche Beachtung und Wertschätzung und am Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles wieder vorbei.

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    • 8. Februar 2017 um 7:11
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      Dem stimme ich absolut zu. Ja es ist konzentriert, aber deswegen darf die Wertschätzung nicht geringer ausfallen.

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  • 8. Februar 2017 um 10:59
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    Hallo, auch ich möchte mich hier mal kurz zu Wort melden. Diese Entwicklung der Berichterstattung kann nicht gut sein – weder für die Zeitung noch für diejenigen, die sich ehrenamtlich das ganze Jahr über engagieren und nicht nur gerne ihre Zeit dafür opfern, sondern auch noch viel Geld dafür ausgeben. Das Ehrenamt wird einem doch sowieso schon schwer genug gemacht und man muss froh darüber sein, dass sich trotzdem immer noch welche finden, die das machen wollen. Wenn dieses Engagement dann auch noch in einer „Schmalspur-Version“ mit zwei oder drei anderen Veranstaltungen gemeinsam abgearbeitet wird, ist es auch kein Bericht mehr, der irgendetwas davon wiederspiegelt, was geleistet wurde. Es handelt sich doch hier lediglich um eine Mitteilung, dass diese Veranstaltungen stattgefunden haben – mehr nicht. SEHR SCHADE…..

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