Bildungspolitik hat absolute Priorität

Nach zehn Jahren gibt es in der CDU Limburg wieder eine Arbeitsgemeinschaft Christlich Demokratischer Lehrer (ACDL). Zum ersten Treffen war Staatsminister Manuel Lösel zu Besuch.

Dialog zwischen Basis und Politik

Die ACDL wurde wieder ins Leben gerufen, um den Dialog zwischen Schule und Politik auszubauen. Steffen Laßmann, Schulzweigleiter an Taunusschule Bad Camberg und sein Kollege Steffen Lippert, Studienrat an der Berufsschule Weilburg, vertreten den ACDL im Kreis Limburg-Weilburg. Auf verschiedenen Landesausschüssen trafen sie Joachim Veyhelmann, MdL. Im gemeinsamen Austausch stellten sie fest, dass ein Bindeglied zwischen Schule sowie Politik notwendig ist. Ohne Bindeglied dringen die Probleme an der Basis nich nach oben. Durch Fortbildungsreihen der ACDL können Lehrer mit Politikern über Probleme sprechen. Sie erhalten Anreize für Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort. Im ersten Treffen der ACDL gab Staatsminister Manuel Lösel Einblicke in die aktuelle Bildungspolitik in Hessen.

Vier Säulen der hessischen Bildungspolitik

„Bildung hat bei uns absolute Priorität“, äußerte sich der Staatsminister. Vier Hauptthemen spielen eine große Rolle in der hessischen Bildungspolitik – die Ganztagsschule, Sprachausbildung für Kinder mit Sprachdefiziten und Flüchtlinge, die sozialinduzierte Lehrerzuweisung sowie die Inklusion. Auf die einzelnen Säulen ging der Staatsminister im Folgenden näher ein.

Pakt für den Nachmittag

Die Ganztagsschule ist für die Eltern ein freiwilliges Angebot und kein Zwang. „Die Schüler sollen weiterhin ihren Hobbys und Aktivitäten nachgehen können. Sie müssen nicht in der Schule bleiben“, so Lösel. Dafür habe Hessen das Konzept „Pakt für den Nachmittag“ entwickelt. Dies lief 2015/2016 als Pilotprojekt an sechs Schulen.  Zehn weitere Schulen nehmen im neuen Schuljahr daran teil. Der Pakt sieht vor, dass die Schüler von 7.30 bis 17 Uhr an der Schule betreut werden können sowie drei Wochen in den Sommerferien. Die Gesellschaft hat sich stark gewandelt. Daher nimmt der Bedarf an Betreuung in den nächsten Jahren zu. „Es handelt sich um ein Mammutprojekt, mit dem wir gerade anfangen“, so der Staatsminister.

Deutsch als Zweitsprache

2015 bestand für Hessen die Herausforderung, die Flüchtlinge aufzunehmen, ärztlich zu versorgen und zu ernähren. Jetzt folge die Herausforderung der Integration, so Lösel. Dies sei nur über die Sprache möglich. Dafür gibt es die Intensivklassen mit Fokus auf den Spracherwerb. Für rund 26.000 Menschen müssten Sprachkurse angeboten werden. Bis 2017 werden Hessen dank Weiterbildungen 4000 Lehrer zur Verfügung stehen. „Ich kann mit Recht sagen, wir waren dabei, wir haben geholfen und wir haben es gut gemacht“, so Lösel. Ein Vorteil seien hierbei die Vorlaufkurse, die seit dem Jahr 2000 Bestandteil der Bildungspolitik sind. Kein Kind soll aufgrund sprachlicher Defizite sitzenbleiben. Seit 16 Jahren wird daher in Hessen in sogenannte Vorlaufkurse investiert. Jedes Jahr gibt es rund 100.000 Kinder, welche aufgrund sprachlicher Defizite einen Vorlaufkurs besuchen. Vorher blieben 35 Prozent aufgrund sprachlicher Defizite in der  1.Klasse sitzen. Dies gibt es nicht mehr.

Neue Schulleiterqualifizierung

Das neue Schulgesetz sieht vor, dass Personen vor der Übernahme eines Amtes die Möglichkeit besitzen, in diesem Aufgabenbereich zu hospitieren. sie können schauen, ob sie den anstehenden Anforderungen gewachsen sind. Bisher wachsen die Schulleiter mit ihren Aufgaben. Für Lehrer, die sich dies nicht zutrauen, entstehen hohen Barrieren, um diesen Weg einzuschlagen. Oftmals bewerben sie sich auf leitende Positionen erst gar nicht. Können Sie sich vorher das Aufgabenfeld ansehen, werden die Ängste für eine Bewerbung genommen, ist sich Lösel sicher.

Schulinspektion

Seit 10 Jahren gibt es in Hessen die Schulinspektion. Diese soll nun weiterentwickelt werden, um den einzelnen Schulen mehr Verantwortung zu geben. Die Schulleiter kennen ihre Schule am besten. „Wir möchten den Schulen die Möglichkeit geben, sich selbst einzuschätzen“, so Lösel. Die Schulen sollen sagen, wo sie Probleme haben. Mit Fachleute sowie Personen aus anderen Schulen können im Team diese Probleme angegangen werden. Fällt Außenstehenden jedoch etwas gravierendes auf, wird es auch weiterhin Schulinspektionen geben.

Lehrplan Sexualkunde

Ihm sei bewusst, dass das Thema Sexualkunde in seiner aktuellen Auslegung auf dem Lehrplan für einige Diskussion sorgt, so der Staatsminister. Der alte Lehrplan stammte aus 2007 und bedurfte einer dringenden Aktualisierung. Die Gesellschaft veränderte sich, aber auch die rechtlichen Rahmen. Neben der klassischen Familie gibt es inzwischen auch Patchwork Familien sowie gleichgeschlechtliche Partnerschaften. „Sollen wir das etwa ignorieren?“, fragte Lösel in die Runde und beantwortete seine Frage direkt selbst mit einem Nein. Die Diskussionen drehen sich darum, ob Beziehungen außerhalb der klassischen Familie toleriert oder akzeptiert werden sollen. Er ist ganz klar für akzeptieren, denn Toleranz sagt, es sei komisch und nicht so ganz normal. Dies möchte er nicht vermittelt wissen. Sein Appell geht ganz klar an die Lehrer: „Bevor Sie den Lehrplan diskutieren, lesen Sie ihn erst mal durch.“

Mehr Geld in Bildung investiert als je zuvor

Das Land Hessen investiert mehr Geld in Bildung als je zuvor. Für jede Schule gibt es eine Lehrerzuweisung von 104%, d.h. 38.000 Lehrerstunden gibt es für die Abdeckung des Grundunterrichtes. Insgesamt werden Mittel für 51.000 Lehrerstunden zur Verfügung gestellt. Dies sei eine bessere Versorgung als in den anderen Bundesländern. Das veranlasst Hessen auch dazu, die Lehrerzahlen nicht zurückzudrehen, auch wenn es weniger Schüler gibt. Nur so kann gute Bildung garantiert werden.
Ein interessanter Austausch zum Thema Bildungspolitik fand an dem Abend statt. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Format weiterentwickelt. Gelingt es der ACDL, wieder eine Verbindung zwischen der Basis und der Politik herzustellen?

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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