Cathrin Weingarth: „Was Neues wagen“

In der Sommer-Serie „Tagsüber arbeiten, abends studieren“ berichten Menschen von ihrer Erfahrung mit dieser Doppelbelastung. Cathrin Weingarth bildete sich weiter, weil sie ihre Zukunft im Blick hatte.

nnp_cathrinweingarth

Cathrin Weingarth hat eine kaufmännische Ausbildung nach ihrem Abitur absolviert und half danach immer in der Familienschreinerei aus. Auch mit ihren drei Kindern arbeitete die 53-Jährige weiterhin im Familienbetrieb mit. Doch irgendwann kam die Frage nach der Zukunft auf und sie machte sich Gedanken über ihre Rente. Als die Kinder groß waren, nahm Cathrin Weingarth an einem Berufsorientierungskurs vom Kreisfrauenbüro teil. In diesem entstand bei ihr die Idee für was Neues und sie fand überhaupt den Mut, etwas Neues zu wagen. Nach diesem Kurs arbeitete sie als Schulbegleiterin. Sie kümmerte sich als Inklusionskraft um Kinder, die Probleme mit den Abläufen in der Schule hatten. Diese Erfahrungen sowie ehrenamtliche Tätigkeiten im sozialen Bereich wie Mitarbeit im Handwerksjuniorenverein, der den Nachwuchs fördert, führten dazu, dass sie sich einer sozialen Richtung zuwandte. Dr. Theo Schäfer an der Adolf-Reichwein-Schule bekräftigte sie in diesem Wunsch und ermutigte sie zu einem Studium. „Ein Studium ist nicht typisch für meine Altersstufe“, erläutert sie ihre damaligen Bedenken.

Duales Fernstudium

Vor wenigen Tagen beendete Cathrin Weingarth ihr duales Fernstudium an der Hochschule Koblenz mit Abgabe ihrer Bachelorarbeit. Es war schon eine gewaltige Herausforderung für sie. Sie hat Sozialpädagogik in sieben Semestern studiert. Neben der praktischen Arbeit in Schulen und Kindergärten musste sie dreimal jeweils eine Woche Blockunterricht an der Hochschule besuchen. Dazwischen gab es virtuelle Konferenzen, für welche Aufgaben vorbereitet werden mussten und Fallbeispiele gelöst wurden. Täglich saß sie am Rechner, um zu lernen oder sich mit Mitstudenten auszutauschen. Einzelne Blöcke wurden mit Hausarbeiten und Klausuren abgeschlossen. Es sei eine sehr anstrengende Zeit für sie gewesen, die ihr jedoch auch sehr viel Spaß gemacht habe. Neben dem Studium und der praktischen Arbeit hatte sie noch immer Familie und Haushalt zu bewältigen, so Weingarth. In dieser Zeit habe sie zudem ihren Ausbilderschein bei der IHK gemacht.

Motivation durch Lerngruppen

Ihr habe in der Zeit nicht nur die Unterstützung der Familie geholfen, sondern auch die Lerngruppen. „In der Lerngruppe haben wir uns immer wieder gegenseitig motiviert“, so die angehende Sozialpädagogin. Die größte Umstellung für sie war das Reinkommen ins Lernen. Kamen viele Hausarbeiten zusammen, war der Zuspruch in der Lerngruppe besonders hilfreich und die Studentin ist mit diesen Herausforderungen gewachsen. Ihre Hobbies kamen in der Zeit ein wenig zu kurz. Sie treibe gerne Sport und möchte dies wieder verstärkt machen, jetzt wo alles geschafft sei. „Ich möchte wieder mehr für meine Entspannung tun und kreative Hobbies wie Malen angehen“, erzählt sie. Durch das Studium haben sich völlig neue Wege für sie eröffnet. Inzwischen hat sie eine Festanstellung im öffentlichen Dienst bei der Stadt Weilburg. Diese Arbeit gefällt ihr sehr gut und sie ist froh, diese Herausforderung mit der Doppelbelastung angenommen zu haben. „Rückblickend hätte ich diesen Schritt schon früher machen sollen“, so Weingarth und dies ist auch ihre Empfehlung an andere, welche sich Gedanken über einen solchen Weg machen.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.