Cornelia Welker-Günther: Lernen in Vollzeit

In der Sommer-Serie „Tagsüber arbeiten, abends studieren“ berichten Menschen über ihre Erfahrungen mit Fort-und Weiterbildungen parallel zum Beruf. Auch Cornelia Welker-Günther gehört zu ihnen. Bei ihr wird tagsüber gelernt und abends gearbeitet.

Via Skype ins Klassenzimmer

Jeden Tag von 8 Uhr bis 16.45 Uhr ist Cornelia Welker-Günther (47) nicht zu erreichen. Dann sitzt sie vor ihrem Laptop, die Kopfhörer auf dem Kopf und folgt via Skype dem Unterricht. Am ComCare College Wiesbaden absolviert sie seit Februar eine Ausbildung zur Kauffrau im Büromanagement, welches mit einer IHK-Prüfung abgeschlossen wird. Cornelia Welker-Günthers Berufsweg zählt nicht zu den geradlinigen. Sie lernte Verkäuferin  und saß nach der Ausbildung an der Kasse. Danach wechselte sie zu einem Elektromarkt. Als ihre Tochter geboren wurde, war sie zu Hause und arbeitete nebenbei in einem Copyshop. Dort kam sie in Kontakt zu einem Sachverständigenbüro, welches Unterstützung bei der Erstellung von Gutachten für bebaute und unbebaute Grundstücke benötigte. Also meldete sie 1997 ein Gewerbe an und schrieb diese Gutachten. „Die Vorgaben für die Gutachten habe ich mir alle selbst beigebracht“, erzählt sie, „mit den Jahren habe ich die Zusammenhänge mehr und mehr verstanden.“

„Nicht vermittelbar“

Doch die Aufträge wurden in den letzten Jahren immer weniger und sie habe sich arbeitssuchend gemeldet. „Da wurde mir gesagt, ich sei nicht vermittelbar“, berichtet Cornelia Welker-Günther. Sie habe zwar von allem Ahnung, aber habe es nie gelernt und besäße kein Zeugnis über ihre Fähigkeiten. Sie machte sich dann kundig, welche Möglichkeiten bestehen und fand die achtmonatige Ausbildung zur Kauffrau im Büromanagement, welche ihr vom Arbeitsamt bezahlt wird. Bis Mitte Oktober muss sie die Schulbank noch drücken. Zu Beginn wollte sie noch vor Ort sein und besuchte jeden Tag von 8 Uhr bis 13 Uhr die Schule. „Mit der ganzen Fahrerei ging mir zu viel Zeit verloren, so dass ich nur noch von zu Hause lerne“, erzählt sie. Dadurch könne sie viel effizienter lernen und verbringe keine vier Stunden mit Hin- und Rückfahrt. Hat sie ihr schulisches Tagespensum geschafft, setzt sie sich an ihre zu schreibenden Gutachten und arbeitet noch einige Stunden. Die größte Umstellung war für sie, sich wieder an die Schule zu gewöhnen, zuzuhören und den Unterricht mitzugestalten. „Nach drei Wochen hatte ich das Gefühl, das halte ich nicht durch“, erzählt sie von ihrer persönlichen Herausforderung, „ich fühlte mich am Ende. Ich hatte eine Trichter auf dem Kopf, durch den die ganze Information floss, aber es ging nichts mehr.“ Daher muss sie sich immer wieder von neuem motivieren.

Ehrenamt muss zurückstecken

Die Ausbildung ist ohne Ferien. Sie könne Urlaub anmelden, aber dann müsste sie das verpasste selbständig nachholen. Mehrere Module werden durchgearbeitet und die Schüler müssen sich aktiv am Unterricht beteiligen. Zum Abschluss von jedem Modul schreibt sie eine Klausur. „Seit Februar habe ich durchgeackert, auch mal am Wochenende“, so Welker-Günther und sie gehe davon aus, dass dies zur Abschlussprüfung hin noch zunimmt. Das Ehrenamt muss dabei zurückstecken. Cornelia Welker-Günther ist Vorsitzende vom Schützenverein Elz, 2. Kassierer beim Kulturkreis Elz sowie Präsidentin der Rotjacken. „Ich habe mit meinem Mann die gleichen Hobbies und konnte viele Aufgaben an ihn delegieren“, erzählt die Schülerin. Ohne diesen Fakt wäre eine Vereinbarkeit nicht möglich gewesen. Die Ausbildung sei kein Spaziergang, so die Elzerin, aber ihr Ziel sei eine Festanstellung und dafür lohne sich der Aufwand.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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