Charlotte Lucas: „Dein perfektes Jahr“

Das Buch „Dein perfektes Jahr“ von Charlotte Lucas hat mich eine Weile angelächelt. Ich bin immer wieder daran vorbei gelaufen, bis ich es mitnahm. Es ist ein leichter, dahin plätschernder Roman, der Freude beim Lesen macht, doch aber auch ein wenig nachdenklich zurücklässt.

Inhalt: Was ist der Sinn deines Lebens? Falls Jonathan Grief jemals die Antwort auf die Frage wusste, hat er sie schon längst vergessen. Was ist der Sinn deines Lebens? Für Hannah Marx ist die Sache klar. Das Gute sehen. Die Zeit voll auskosten. Das Hier und Jetzt genießen. Und vielleicht auch so spontane Dinge tun, wie barfuß über eine Blumenwiese laufen. Doch manchmal stellt das Schicksal alles infrage, woran du glaubst.

Besserwisser und Krümelsucher

Jonathan Grief besitzt einen Verlag, von seinem Großvater aufgebaut. Er braucht sich keine Gedanken um Geld zu machen. In ihm hat sich eine Weltansicht eingeschliffen, die er konsequent einhält. Dies bedeutet, jeden Morgen schon vor Sonnenaufgang an der Alster joggen zu gehen, sich an eine strikte Ernährung zu halten, ohne sich irgendwelchen Genüssen hinzugeben. Sein Tag ist damit ausgefüllt, die Zeitung auf Rechtschreib- und Grammatikfehler durchzuschauen und diese Fehler dann auch prompt an die Redaktion zu melden.

Auch so sucht er in allem das Haar in der Suppe – der fehlenden Mülltonnenentleerung über Neujahr folgt eine Beschwerde an die Stadt, ein Parker, der ein wenig über der Markierung steht, bekommt ein Schreiben mit Belehrung unter den Scheibenwischer. So verbringt Jonathan seine Tage doch recht eintönig, ärgert sich dazwischen immer wieder, dass seine Frau mit seinem besten Freund abgehauen ist. So verstreichen Tag um Tag, Jahr um Jahr. Fehler an sich oder seiner Lebensweise sieht er dabei natürlich nicht. Für alles hat er eine passende Erklärung parat.

Optimistin und Weltverbesserin

Hannah Marx ist das genaue Gegenteil von Jonathan. Sie strahlt voller Optimismus und alles wird irgendwie schon gut gehen. Hannah lebt nach dem Motto, dass man am Ende seines Lebens nicht die Dinge bereut, die man getan hat, sondern diese, die man nicht getan hat. Mit ihrer Freundin eröffnet sie gerade die „Rasselbande“, eine Einrichtung zur Betreuung von Kindern, wenn der Kindergarten schon längst zu hat. Sie ist mit ihrem Freund Simon schon lange zusammen und wartet täglich auf einen Heiratsantrag.

Dass er sich absolut in sich zurückzieht, nachdem er gekündigt wurde, möchte sie so nicht hinnehmen, sondern versucht ihn stetig zu motivieren, nicht aufzugeben. Auch als ihr Freund eine Lymphkrebs-Diagnose erhält, sich von ihr trennen möchte, da er glaubt, sein Leben ist bald vorbei, wirft es sie nicht aus der Bahn. Im Gegenteil geht sie davon aus, dass jetzt erst recht jeder Tag gelebt werden muss, als sei es der letzte.

Ein geheimnisvoller Filofax-Kalender

Jonathan lässt sich auch Neujahr nicht von seiner Routine abbringen und geht am frühen Morgen an der Alster joggen. Als seine Runde fertig ist, findet er am Fahrrad einen Beutel mit einem Filofax-Kalender. Es ist jedoch niemand zu sehen, der ihn da hingehängt haben könnte. Neugierig schaut er in den Kalender – dieser ist für das neue Jahr und jeder Tag ist bereits gefüllt und überschrieben mit „Dein perfektes Jahr“. Jonathan findet den Kalender zu Beginn mit seinen Anweisungen sehr platt. Aber so nach und nach gerät er in seinen Bann.

Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben – aber den Tagen mehr Leben

Mal sind Anweisungen darin, wo jemand wann hinzugehen hat. Dann wieder nur die Aufforderung, loszufahren und den Tag zu genießen. Zuerst versucht Jonathan noch, den Besitzer des Kalenders ausfindig zu machen. Doch bereits am vierten Tag lässt er sich auf ihn ein und merkt, wie sich in seinem Leben etwas ändert. Es wird für ihn ein Ritual, jeden Tag die Aufgaben aus dem Kalender zu erfüllen. Es ist erstaunlich, was dies mit ihm macht. Es scheint eine Kruste aufzubrechen, in der er sich jahrelang eingeigelt hatte. Am Ende kommt ein Mann zum Vorschein, in den Frau sich verlieben könnte.

Mein Fazit-  Dein perfektes Jahr

Das Buch „Dein perfektes Jahr“ besticht durch einen sehr lockeren Sprachstil. Ich wurde in die Geschichte hineingezogen und sie ließ mich nicht mehr los. Neugierig wollte ich wissen, was es mit dem geheimnisvollen Kalender auf sich hat und wie Jonathan mit Hannah, die so gar nichts gemeinsam haben,  zusammen passen und wo sich ihre Lebenswege treffen. Dabei stupsten die Einträge auch in mir etwas an. Wie sieht es mit dem eigenen Leben aus? Leben wir selbst auch nur dahin, gefangen in unseren Routinen oder leben wir so richtig? Wann bin ich das letzte Mal über eine Wiese barfuß gelaufen? Habe ich mich schon mal ins Auto gesetzt und bin einfach losgefahren? Sollte ich mir im Kalender für das nächste Jahr auch mal ein Nachmittag in einem Café notieren und diesen Termin dann auch festhalten? Kann es überhaupt das perfekte Jahr geben?

Das Buch las ich, als ich mich gerade mit der Blogparade zu Mein Bestes Jahr befasste. Beides ging ein wenig in die gleiche Richtung – Rückblicken, Ist-Zustand bewerten und die Zukunft planen. Daher kann ich euch nur empfehlen: Gebt Euren Tagen mehr Leben, um am Ende sagen zu können, dass ihr auch wirklich gelebt habt.


*Am Ende noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Die Buchempfehlungen enthalten einen Affiliate-Link des Anbieters Amazon. Wenn Ihr die Bücher über diesen Link kauft, bekomme ich eine kleine Provision, die ich in die Weiterentwicklung des Blogs investieren werde. Für Euch werden die Bücher dadurch nicht teurer.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.