„Demokratie leben“ – verschiedene Projekte in der Region

An dem Förderprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend nehmen verschiedene Kommunen aus der Region teil. Limburg hatte vor kurzem sein erstes Treffen. Eine „Partnerschaft für Demokratie“ gründeten die Gemeinden Waldbrunn, Dornburg, Elbtal und Mengerskirchen bereits im Mai.

Partnerschaft im Nordkreis

Durch den Zusammenschluss der vier Nordkreis-Gemeinden können mit den Angeboten über 23.000 Einwohner erreicht werden, darunter auch mehrere hundert Flüchtlinge. Die Federführung liegt beim Familien-, Jugend- und Seniorenbüro Mengerskirchen. Für die Koordination ist das Zukunftsforum Mengerskirchen zuständig. In der Partnerschaft engagieren sich Verantwortliche der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft. Das Bundesministerium stellt den Partnerschaften jährlich Gelder zur Verfügung, damit diese Maßnahmen und Projekte finanzieren können. Für 2017 wurde der Partnerschaft 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Mitte November fand u.a. ein Kinderkonzert mit zwei Jungs von den Wise Guys statt, welche den ganzen Nachmittag mit den Kinder und ihren Eltern sangen. Die inhaltliche Umsetzung von Veranstaltungen liegt nicht bei den Kommunen, sondern bei Vereinen. Für das Kinderkonzert stammte die Idee vom Förderverein der MPS St. Blasius in Frickhofen. Unterstützung erhalten die Vereine bei der Koordinierungs- und Fachstelle für Partnerschaft in Mengerskirchen. Bei all der Unterstützung ist es wichtig, dass das Engagement aus der Zivilbevölkerung kommt. Auch für 2018 sind weitere Projekte geplant.

Vor der Bühne versammelten sich die Kinder, während Nils Olfert am Keyboard spielte.
Impression vom Kinderkonzert in Dorndorf.

Auftaktveranstaltung in Limburg

Pressemitteilung der Stadt Limburg

„Limburger ist, wer Limburger sein will“ wandelte Bürgermeister Dr. Marius Hahn ein Zitat des hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn um, der aufgrund seiner Erfahrung im Zusammenhang mit der Integration von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gesagt hatte: „Hesse ist, wer Hesse sein will.“ Die Herkunft spielt also keine Rolle. Die Herkunft der heutigen Limburger Bürgerinnen und Bürger ist vielfältig und bunt, Menschen aus rund 120 Nationen sind auf diesem kleinen Fleckchen Erde versammelt. Das Zusammenleben gestalten, die Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu wahren oder gar zu verteidigen, sich aktiv in die Zivilgesellschaft einbringen, das alles sind Ziele des Bundesprogramms „Demokratie leben“. Die Stadt Limburg ist mit dabei, gehört zu den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Kommunen und startete mit einer Demokratiekonferenz. Startort war das Kolpinghaus, in dem sich rund 70 Vertreter von Einrichtungen und Institutionen eingefunden hatten, die sich aktiv einbringen und „Demokratie leben“ wollen.

Wie so etwas geht, was sich da machen und auf die Beine stellen lässt, das verdeutlichte Rochsane Mentes von der Koordinierungs- und Fachstelle BUNTerLEBEN der Mittleren Wetterau. BUNTerLeben gibt es seit dem Jahr 2011 und ist ins Leben gerufen worden aufgrund von Vorfällen rund um einen Rechtsextremen, der als „der Schlitzer“ bekannt wurde gegen den sich eine Bürgerinitiative zusammenschloss. Nach ihrer Einschätzung kann eine „Partnerschaft für Demokratie“ nur dann erfolgreich sein, wenn sie zur Chefsache erklärt wird. Die Vertreterin von BUNTerLEBEN sieht in der Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eine dauerhafte Herausforderung, die nur im Zusammenwirken von allen staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft bewältigt werden kann. Dieser Aufgabe wollen sich in Limburg zahlreiche Institutionen und Einrichtungen stellen, die nach dem offiziellen Teil noch einige Impulse vermittelt bekamen.

Veränderungen in der Gesellschaft

Bürgermeister Hahn wies auf Veränderungen in der Gesellschaft hin, die die Demokratie auf eine harte Probe stellten – auch in Limburg. Die anfänglich euphorische „Willkommenskultur“ gegenüber Flüchtlingen sei einem nüchternen Blick gewichen. Und darüber hinaus gebe es eine Auseinandersetzung um Integration und Aufnahme von Flüchtlingen, die das politische und gesellschaftliche Klima spürbar verändert hätten. Die Stadtverwaltung hat nach seinen Angaben in den vergangenen Jahren einige Anstrengungen unternommen, um deutliche Zeichen für Toleranz und gegen Gewalt sowie menschenverachtende Einstellungen zu setzen. Mit der Beteiligung am Bundesprogramm „Demokratie leben“ werde nun ein Weg eingeschlagen, der darauf ziele, auch die Bürgerinnen und Bürger in einer „Partnerschaft für Demokratie“ mit einzubeziehen. Damit soll das demokratische Miteinander gestärkt werden.

Das Programm „Demokratie leben“ in Limburg wird organisiert vom Amt für Soziale Betreuung in Zusammenarbeit mit Tobias Kurth, der die Koordinierungs- und Fachstelle leitet, die sowohl für Antragstellerinnen und Antragsteller, als auch Bürgerinnen und Bürger als Ansprechpartner zur Verfügung stehtEs gibt schon einige Projekte, die bewilligt und angelaufen sind. Dazu gehörten die Lahn Artists mit ihrer Jahresausstellung und der Einbindung von Geflüchteten in die künstlerische Arbeit, der SV Poseidon mit seinem Anti-Mobbing-Training, die Gewaltprävention von männlichen geflüchteten durch Hephata oder ein Theaterprojekt an der Reichwein-Schule.

Vereine und Institutionen können weiterhin Projektideen einreichen (Ansprechpartner ist Tobias Kurth, Adresse: Kulturenwerkstatt, Tobias Kurth, Bahnhofsplatz 2a, 65549 Limburg, Tel.: 06431-9441565, Mail: info@pfd-lm.de, www.demokratie-leben.de), über deren Genehmigung dann im ersten Quartal des kommenden Jahres entschieden wird. Gesucht werden engagierte Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, die Interesse haben, an einem regelmäßig tagenden Runden Tisch neue Projekte zu erarbeiten. Das läuft unter dem Stichwort „Vielfalt verbindet“.

Angst, Freude, Heimweh alles Gefühle, die begleiten wenn es darum geht, eine neue Heimat zu finden – und auch wenn angesagt ist, eine neue Heimat zur Verfügung zu stellen. Bildhinweis: Dominique Jakobi
Angst, Freude, Heimweh alles Gefühle, die begleiten wenn es darum geht, eine neue Heimat zu finden – und auch wenn angesagt ist, eine neue Heimat zur Verfügung zu stellen. Bildhinweis: Dominique Jakobi

Bundesprogramm „Demokratie leben“

Das Programm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend unterstützt das zivile Engagement für ein vielfältiges, demokratisches und gewaltfreies Miteinander. Als Zielgruppe definiert das Bundesministerium Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern, aber auch Multiplikatoren. Das Programm gibt es seit 2015 und soll bis 2019 laufen. Alleine für 2017 stellte das Programm 104,5 Millionen Euro für verschiedene Projekte zur Verfügung. Die Projekte sollten in folgenden Bereichen stattfinden – Demokratiestärkung im ländlichen Raum, Radikalisierungsprävention, Engagement und Vielfalt in der Arbeits- und Unternehmenswelt, Demokratieförderung im Bildungsbereich, Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft, Stärkung des Engagements im Netz gegen Hass im Netz oder Prävention und Deradikalisierung im Strafvollzug und der Bewährungshilfe.


Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

2 Gedanken zu „„Demokratie leben“ – verschiedene Projekte in der Region

  • 7. Dezember 2017 um 14:50
    Permalink

    Heike, Danke für deinen Bericht – die Veranstaltung ist völlig an mir vorbeigelaufen. Leider, muss ich sagen, Demokratie leben kann nie falsch sein.

    Liebe grüße Frank

    Antwort
    • 8. Dezember 2017 um 6:00
      Permalink

      Hallo Frank,

      ich finde es schade, dass solche Veranstaltungen überhaupt notwendig sind und es nicht selbstverständlich ist, tolerant miteinander umzugehen.

      LG Heike

      Antwort

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