Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt – wo die Bücher schlafen

170 Kilometer Bücherregale, jährlich werden drei Kilometer davon gefüllt und das Ganze auf rund 47.000 qm – die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt öffnete ihre Türen für einen ganz besonderen Rundgang – zu einem Social Media Walk. Dazu lud der Social Media Club Frankfurt (kurz smcffm) ein.

Social Media Walk – was ist das?

Beim Social Media Walk war keiner ohne Handy oder Kamera unterwegs.
Immer ein Handy oder eine Kamera in der Hand.

Bei einem Social Media Walk kommen Gleichgesinnte zusammen, um die Welt mit ihren Augen zu sehen und durch die Kamera oder das Smartphone festzuhalten. Ihre Sichtweise kommunizieren sie dann parallel zu dem Rundgang in den sozialen Netzwerken. Im ersten Moment wirkt dies befremdlich, denn alle stehen rum, schauen auf ihren Display und wirken gar nicht bei der Sache. Dabei sind sie alle hochkonzentriert, nehmen Informationen auf und geben diese fast direkt weiter. Dies ist auch der Slogan des Social Media Clubs Frankfurt: „If you get it, share it“. Seit 2010 bringt er die Menschen zusammen und so waren wir eine ganz bunte Gruppe von Kommunikatoren, Bloggern, Fotografen, Journalisten oder auch Künstlern. Bereits in der Vergangenheit verfolgte ich solche Walks, die u.a. im Jüdischen Museum oder auch im Senckenbergmuseum waren, über die sozialen Medien. Dieses Mal war ich live vor Ort mit dabei. Und es wird hoffentlich nicht mein letzter Walk sein.

Geschichte der Deutschen Nationalbibliothek

1912 wurde die Deutsche Bücherei in Leipzig gegründet und erhielt ab 1913 den Sammelauftrag. Nach dem 2. Weltkrieg mit der Teilung von Deutschland konnte die Bücherei in Leipzig nicht mehr als Zentrale dienen, so dass 1946 in Frankfurt die Deutsche Bibliothek gegründet wurde. Auch während der Zeit des kalten Krieges fand ein regelmäßiger Austausch zwischen West- und Ostdeutschland statt. Nach der Wende wurden beide Standorte erhalten wegen dem Bestandsschutz, dem Nutzerservice , der Lagerkapazität , der Arbeitsteilung sowie der gewachsenen Expertise.
Die Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt befand sich bis vor 20 Jahren in der Zeppelinallee, doch bereits in den 70er Jahren mussten aufgrund fehlender Kapazitäten Teile ausgelagert werden, so dass 1992 mit einem Neubau begonnen wurde. 1997 konnte dieser Neubau am heutigen Standort eingeweiht werden. Dieser besteht aus einem ober- und unterirdischen Bereich, wirkt aber insgesamt nicht sehr wuchtig, da viel Glas und heller Ahorn verwendet wurde. Das gesamte Gebäude erscheint sehr leicht und filigran.

47.000 qm für bis zu 1 Millionen Bücher

Jeden Tag nimmt die Nationalbibliothek rund 2.000 neue Bücher und 5.000 digitale Publikationen auf. Dabei geht ein Exemplar immer nach Frankfurt und eines nach Leipzig. Archiviert wird alles, was in Deutschland publiziert wird, was auf deutscher Sprache weltweit publiziert wird oder was in der Welt aus dem Deutschen übersetzt wird. Weiterhin werden alle Publikationen über Deutschland archiviert. Wenn es bei der Zahl an Publikationen bleibt, dann besitzt die Bibliothek Kapazitäten bis 2035. Danach muss angebaut werden. Was für mich zuerst verwunderlich war, war das Durcheinander der Bücher. Doch die Erklärung ist sehr logisch. Wenn die Bücher nach Abteilungen sortiert werden würden, wie Kinder-, Sachbücher, Reiseführer oder Roman, dann müsste immer wieder gerückt werden. Es sei ja nie bekannt, wie viele Bücher aus einem Genre kommen. Durch das Reinstellen in die Regale nach Ankunft werden diese kontinuierlich befüllt.

Deutsches Exilarchiv von 1933 bis 1945

Die Deutsche Nationalbibliothek besitzt ein Exilarchiv speziell für die Jahre 1933bis  1945. Neben Schriften finden sich dort auch Koffer, Kunst oder Gegenstände deutscher Emigranten. Diese Zeugnisse dienen nicht nur Forschungszwecken, sondern werden durch Publikationen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu empfehlen ist hierbei die digitale Ausstellung „Künste im Exil“, die das Werk 1000 Künstler zeigt, die im Weltkrieg ins Exil gingen. Beeinflusst die Emigration und das Exil die Kunst? Kann die Erfahrung sogar das künstlerische Schaffen anregen? Bei der Aufarbeitung der Geschichten der Emigranten spielt weniger die Prominenz eine Rolle, sondern die Exilwege. Teilweise sind ganze Wege bekannt und die Zeugnisse erzählen eine eigene Geschichte.
Für mich persönlich war es interessant, welche Informationen aus einer kleinen Fahrkarte heraus gelesen werden können. Oder dass eine Frau ihre Erfahrungen als Patchwork auf einer Tasche verarbeitete. Alleine dieser kleine Einblick hat den Besuch gelohnt und es wird nicht mein letzter Besuch dort sein. Für das Frühjahr 2018 ist eine Ausstellung mit 2015 originalen Exponaten geplant.

Wunderbarer Abschluss auf der Dachterrasse

Die Gespräche kamen nicht zu kurz und ich konnte einige Menschen kennen lernen, die ich bisher nur online kannte. Nach der zweistündigen Führung durch die Räume und langen Flure im Untergeschoss ging es zum krönenden Abschluss auf die Dachterrasse, wo wir einen tollen Blick auf die Frankfurter Skyline hatten, aber auch auf den hell erleuchteten Lesesaal. Dies war ein gelungener Abschluss für einen informativen, kommunikativen, intensiven – rundum gelungenen Abend. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Deutsche Bibliothek mal anzuschauen und die Möglichkeit von Führungen wahrzunehmen.

Von der Dachterrasse gab es einen tollen Blick auf den erleuchteten Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek.
Von der Dachterrasse gab es einen tollen Blick auf den erleuchteten Lesesaal.

Informationen

Adresse

Adickesallee 1
60322 Frankfurt

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 9 – 22 Uhr
Samstag 10 – 18 Uhr

Die Deutsche Nationalbibliothek besitzt ein Parkhaus, in dem für 1 Euro die Stunde (Barzahlung) geparkt werden kann. Ansonsten ist die Nationalbibliothek auch gut mit dem Auto zu erreichen.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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