Fairtrade-Gemeinde: Elz hat sich FAIRändert

Am 27. Oktober wird Elz als „Fairtrade- Gemeinde“ ausgezeichnet. Hinter dieser Auszeichnung liegen zwei Jahre Engagement, um das Bewusstsein in der Gemeinde zu verändern und sich den Titel zu verdienen.

Katholische Kirchengemeinde Vorreiter

Der Vorreiter für fair gehandelte Produkte in Elz war die katholische Kirchengemeinde. Seit vielen Jahren bietet sie nach dem Gottesdienst Eine-Welt-Waren zum Verkauf an. Da die Kirchengemeinde alleine nicht mehr in der Lage ist, alle Bürger zu erreichen, kam der Anstoß, dieses Engagement auf die Zivilgemeinde zu übertragen. Im Juli 2015 stellte die CDU Elz einen Antrag in der Gemeindevertretersitzung, dass sich die Gemeinde an der „Fairtrade-Kampagne“ für gerechten Handel beteiligt. Elz wollte damit auch dem Vorbild Limburgs nacheifern, die den Titel „Fairtrade Town“ bereits seit Oktober 2013 trägt. Bis das ganze anlief, verging nochmal ein ganzes Jahr.

Im Juni 2016 gründete sich die Steuerungsgruppe mit Vertretern der Elzer Geschäfte, Institutionen, Vereine und Bürger, die mit ihrem Engagement den Gedanken von Fairtrade in die Zivilgemeinde tragen wollten. Mit großem Engagement leiteten Herbert Müller und Mareike Zimmer-Muth die Steuerungsgruppe. Vom Rathaus aus übernahm Alexandra Blättel die Koordination. „Wir haben für die Kampagne überall guten Zuspruch erhalten“, so Alexandra Blättel. Es galt, die Geschäfte, Vereine und Bürger anzusprechen, um das Bewusstsein für fairgehandelte Produkte zu schärfen und diese am Mitmachen zu bewegen. Am Ende fanden sich 26 Mitstreiter, die sich aktiv beteiligten. Die Elzer Geschäfte erklärten sich bereit, mindestens zwei fair gehandelte Produkte in ihrem Sortiment anzubieten. Die Vereine übernahmen bei ihren Veranstaltungen einen Bildungsauftrag und schenkten nicht nur fair gehandelten Kaffee aus, sondern kamen mit den Menschen ins Gespräch und machten auf die Kampagne aufmerksam.

Langer Weg bis zur Fairtrade-Gemeinde

Einziger Kritikpunkt in dem ganzen Prozess äußerte Alexandra Blättel an der langen Bearbeitungszeit bei TransFair. Im Dezember 2016 reichte sie alle Unterlagen ein und es dauert dann normalerweise acht bis 10 Wochen, bis sich jemand meldet. Nach drei Monaten habe sie dort angerufen und ihr wurde gesagt, es fehle eine Schule als Bildungsinstitution. „Ich kann aber eine Schule nicht zum Mitmachen zwingen“, so Blättel. Ihr wurde dann gesagt, dass es möglich sei, die Schule durch einen Verein mit Jugendarbeit zu ersetzen, der Bildungsarbeit bei den Kindern leistet. Es gelang mit dem Jugendortkreuz sowie mit dem Förderverein der Oranienschule Projekte zum Thema Fairtrade anzubieten, die TransFair akzeptierte und nächste Woche wird Elz als „Fairtrade-Gemeinde“ ausgezeichnet.

Stetig weiter arbeiten

Mit dieser Auszeichnung ist jedoch noch lange nicht Schluss. „Wir müssen auch weiterhin zeigen, dass wir dabei sind“, so Blättel. In zwei Jahren wird die Gemeinde nämlich überprüft, damit sie diesen Titel weiterhin behalten darf. Alexandra Blättel blieb ebenfalls an der Erlenbachschule dran, so dass sich diese zukünftig an der Kampagne mit beteiligen wird. „Wir müssen uns immer wieder auf den Prüfstand stellen, ob wir mit unseren Aktionen die Bürger erreichen.“ Zudem sollen weitere Mitstreiter gefunden werden. „Ich wünsche mir, dass das Thema fairer Handel noch mehr in das Bewusstsein der Menschen rückt und sich irgendwann ein Automatismus einstellt“, so Blättel. Bei einigen Vereinen würde dies schon sehr gut klappen, die dann bei ihren Veranstaltungen komplett auf faire Produkte umgestiegen sind und sie nicht mehr darauf hingewiesen werden müssen. lh

Programm Auszeichnungsfeier am 27. Oktober im St. Josefshaus, Elz

Ab 19.30 Uhr findet die Auszeichnungsfeier für Elz als „Fairtrade-Gemeinde“ statt. Die Steuerungsgruppe stellt ihr Engagement für den fairen Handel in der Gemeinde vor. Manfred Holz von TransFair e.V. hält seine Laudatio und überreicht die Auszeichnungsurkunde. Danach gibt es einen Ausblick auf zukünftige Projekte. Musikalisch umrahmt der Frauenchor Elz unter Leitung von Waltraud Jung die Feier. Jeder ist recht herzlich eingeladen, fair gehandelte Produkte zu probieren und zu erwerben.

Auf dem Weg zur Fairtrade-Gemeinde

Die Aktion Fairtrade-Town wird durch TransFair e.V. durchgeführt. Diese Organisation möchte den fairen Handel deutschlandweit fördern. Dort bewerben sich die Städte und Gemeinden, wenn sie als Fairtrade-Town oder -Gemeinde ausgezeichnet werden wollen. Deutschlandweit gibt es inzwischen über 500 ausgezeichnete Städte und Gemeinden.
Um Fairtrade-Gemeinde zu werden, müssen fünf Kriterien erfüllt werden.

  1. Es muss ein Beschluss der Gemeindevertretung vorliegen, den fairen Handel zu unterstützen. Bei öffentlichen Sitzungen sowie im Büro des Bürgermeisters wird fair gehandelter Kaffee sowie ein weiteres faires Produkt angeboten.
  2. Es bildet sich eine lokale Steuerungsgruppe, die die Aktivitäten koordiniert.
  3. In den Geschäften, Einzelhandel und den Cafés sowie Restaurants vor Ort werden mindestens zwei fair gehandelte Produkte im Verkauf angeboten.
  4. In den Vereinen, Schulen und Kindergärten werden Produkte aus fairem Handel verwendet und weitere Kampagnen für die Zivilgemeinschaft angeboten.
  5. Die örtlichen Medien berichten über den Weg zur Fairtrade-Town.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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