Flexibilität -Fluch und Segen in der Selbständigkeit

In meinem Job werde ich häufig gefragt, wie flexibel ich sei. Doch was bedeutet dies eigentlich? Und wie äußert sich diese Flexibilität im beruflichen Alltag? Als ich mich gedanklich damit auseinandersetzte, kamen mir ganz verschiedene Auswirkungen in den Sinn. Einmal die schnelle Anpassung an veränderte Bedingungen beruflicher sowie privater Natur, welche stressig sein kann. Aber auch die Möglichkeit, mir meine Arbeitstage bewusst einzuteilen, was eine positive Deutung von Flexibilität ist. Bei all diesen Gedanken machte ich mir bewusst, dass ich durch eine gute Planung meine Flexibilität steigern kann.

Was bedeutet Flexibilität?

Flexibel hat seinen Ursprung im lateinischen, flectere, was biegen oder beugen bedeutet. Mir kommt direkt das Bild eines Grashalmes in den Sinn, der sich im Wind wiegt ohne wie ein Stock zu brechen. Ändert der Wind schnell seine Richtung, geht der Grashalm mit ihm mit. Laut Duden handelt sich um die Eigenschaft, (1) dass etwas sich leicht bewegen lässt oder (2) dass sich jemand leicht an verschiedene Aufgaben und Situationen anpasst. Laut Wikipedia handelt es sich bei Flexibilität um die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umstände, egal ob im sozialen, psychologischen oder beruflichen Sinne. Der flexible Arbeitnehmer soll jederzeit in der Lage sein, sich auf die Umwelt einzustellen. Auf ändernde Begebenheiten soll reagiert werden anstatt an ihnen zu Scheitern. Jeder soll in der Lage sein, Veränderungen als Bestandteil des Lebens zu leisten. Es zählt zu den verlangten Grundkompetenzen.

Flexibilität als Journalist

Fragt mich der Redakteur am Telefon, wie flexibel ich sei, dann meint er damit, ob ich direkt oder im Tagesverlauf kurzfristig einen Termin wahrnehmen kann. Er bekommt von mir ein „Ja“ oder „Nein“ und schickt mich zum entsprechenden Termin. In kurzer Zeit muss ich mir verschiedene Fragen beantworten, um ihm eine Antwort zu geben:

  • Habe ich das Auto zur Verfügung?
  • Wie lange bin ich weg?
  • Was ist mit den Kindern?
  • Muss ich den Text noch am gleichen Tag liefern?
  • Kollidiert dieser Termin mit anderen Terminen?

Je nach Situation geht da auch schon mal der Puls hoch, weil es eng ist, den Tagesablauf umzuplanen. Recht selten ist es mir gar nicht möglich, doch in der Mehrheit kann ich es einrichten, den Termin wahrzunehmen. Diese Art der Flexibilität ist für mich am meisten mit Stress verbunden. Ich muss nicht nur mich selbst umorientieren, sondern ein ganzer Rattenschwanz hängt noch hinten dran. Mir ist bewusst, dass solche Situationen im journalistischen Alltag vorhanden sind. Es gehört dazu, mich kurzfristig auf den Weg zu einem Termin zu machen.

Kind krank – und nun?

Ein hohes Maß an Flexibilität muss ich leisten, wenn die Kinder krank sind. Meine Hauptarbeitszeit leiste ich, wenn die Kinder in Schule und Kindergarten sind. Wird eines plötzlich krank, muss ich mich recht schnell umorganisieren. Habe ich feste Termine, benötige ich zumindest für die Kleine noch eine Betreuung. Ist dies nicht möglich, muss ich Termine absagen. Schreibe ich sonst den ganzen Tag über, lege ich diese Tätigkeiten in die Zwischenräume, wenn die Kinder schlafen oder auch mal ein Buch lesen. Einiges erledige ich dann auch in den Abendstunden. In diese Kategorie fallen für mich auch recht kurzfristige Termine der Kinder oder auch anderweitige kurzfristige Termine. Ich muss schnell umdisponieren und überlegen, was für mich beruflich in solchen Situationen möglich ist.

Flexibilität als Plus der Selbständigkeit

Flexibilität bedeutet nicht nur das schnelle Reagieren auf kurzfristige Änderungen. Für mich stellt es genauso ein Plus der Selbständigkeit dar. Ich habe die Möglichkeit, mir für die regelmäßigen Termine der Kinder Zeit einzuplanen. Damit ermögliche ich ihnen ihre Hobbys. Ich kann dank der Flexibilität Beruf und Familie sehr gut miteinander vereinbaren. Doch es gibt nicht nur positive Auswirkungen auf den privaten Bereich. Auch beruflich hilft mir diese Eigenschaft ungemein. In meinem Schreiben bin ich nicht auf einzelne Themen festgelegt – weder im journalistischen Bereich, noch im texterischen Bereich. Ich habe Lieblingsthemen, über die ich schreibe, aber lasse mich dadurch nicht eingrenzen. Ich kann mich gut und zügig auf neue Themen einstellen und diese dann auch in meinen Texten umsetzen. Es bedeutet für mich eine freie Beweglichkeit, ein hohes Maß an Mobilität sowie ein freies, unbegrenztes Denken.

Tipps, um flexibles Arbeiten zu planen

Flexibilität planen? Widerspricht sich das nicht? Nein, ganz und gar nicht! Denn nur durch eine richtige Planung bin ich in der Lage, auf plötzliche Veränderungen flexibel zu reagieren.

  1. Plane jede Woche und notiere alle bekannten Termine sowie Aufgaben mit Uhrzeiten und geplanter Dauer
  2. Lasse vor und nach jedem Termin Platz für unerwartete Dinge (ich plane selten zwei Termine direkt hintereinander, wenn es sich vermeiden lässt)
  3. Visualisiere die Aufgaben durch aufschreiben
  4. Teile die Aufgaben nach Wichtigkeit ein wie die Berücksichtigung von Abgabefristen

Die wenigen Punkte helfen mir sehr gut dabei, meine Woche zu planen und auf Änderungen zu reagieren. Mit der wöchentlichen Planung kann ich alle Aufgaben erledigen, auch wenn etwas dazwischen kommt, weil ich genügend Zeit einplane.

Schreibe mir gerne, was Flexibilität für Dich bedeutet. Ist es für Dich eher Fluch oder doch mehr Segen?

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

2 Gedanken zu „Flexibilität -Fluch und Segen in der Selbständigkeit

  • 19. Januar 2017 um 10:53
    Permalink

    Hallo Heike,

    ich bin normalerweise jemand, der relativ ausführlich antwortet. Aber ganz ehrlich? Dein Artikel ist so gut – dem ist nichts hinzuzufügen :-). Toll!

    Liebe Grüße
    Susanne

    Antwort
    • 20. Januar 2017 um 10:18
      Permalink

      Vielen Dank Susanne für Dein Feedback. Ja die Dinge haben alle ihre Licht- und Schattenseiten.

      LG Heike

      Antwort

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