Freifunker Limburg „Freies WLAN für alle“

Vor wenigen Tagen traf ich mich mit Personen der Freifunker Community Limburg – Christian Horn, Fabian Cernota und Christian Ehringfeld – um mehr über die Freifunker Initiative zu erfahren sowie mit ihnen über gesetzliche Aspekte zu sprechen. Vor allem das Thema Störerhaftung spielte eine Rolle. Am Mittwoch, nur wenige Tage nach unserem Treffen, einigte sich der Bundestag darauf, dass die Störerhaftung wegfällt. Die Freifunker hoffen, dass dadurch ihre Bewegung Aufschwung erhält.

Freifunk Limburg gründete sich im Herbst 2015. Die Idee kam auf, um die lokalen Flüchtlingsunterkünfte mit freiem WLAN zu versorgen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, mit ihren Familien zu kommunizieren. Dieser solidarische Gedanke habe sich schnell ausgeweitet, denn es sei eine Chance, allen Menschen auf öffentlichen Plätzen freies WLAN zur Verfügung zu stellen, so die Freifunker. In Weilmünster waren die Freifunker am Frühlingsmarkt in der Lage, offenes WLAN im Bereich des Marktes anzubieten (hier zum nachlesen). Bisher standen die Gemeinden wie auch Privatpersonen dem Netzwerk kritisch gegenüber wegen der sogenannten Störerhaftung.

Störerhaftung verringerte Akzeptanz der Freifunker

Diese gibt es nur in Deutschland und besagt, dass derjenige haftbar für verbotene Inhalte oder illegale Downloads gemacht werden kann, über dessen Zugang jemand ins Internet geht und nicht der Endnutzer. Die Freifunker erklärten, dass der Zugang rechtlich sicher war. Privatleute aber auch Geschäftsleute kaufen einen Router für 25 Euro, welcher einer Verbindung zum Provider Freifunk-Rheinland e.V. aufbaut und dann könnten sich die Menschen ins Freifunk-Netzwerk einloggen. Der Provider Freifunk-Rheinland könne nicht haftbar gemacht werden, da Provider generell von der Störerhaftung befreit seien, entkräfteten die Freifunker, doch letzte Zweifel blieben vorhanden. Neue Möglichkeiten ergeben sich dadurch, dass die Bundesregierung die Störerhaftung nun abschaffen möchte. Christian Horn hofft, dass dies die Angst der privaten Betreiber nimmt und eine  gemeinsame WLAN Nutzung, wie in den Nachbarländern, möglich wird, gerade auch in öffentlichen Bereichen. Die drei Aktiven werben daher mehr denn je für die Freifunker. Das Netz ist anonym und für die Endgerätenutzer sei kein ständiger Login notwendig. Mit dem Wegfall der Störerhaftung ist kein aufwändiger Netzverbund mehr notwendig. Es reicht das Anbringen eines mit der Freifunksoftware betankten Routers. Dafür bedarf es keinerlei technischer Kenntnisse und das wechselnde Einloggen entfällt. Dies ist bequem für den Nutzer, sicher und günstig für den Bereitsteller des Anschlusses. Der Endverbraucher kann das Freifunknetz verlassen und das Handy loggt sich automatisch ein, wenn wieder ein Freifunker-Hotspot anwesend ist. Die Freifunker als Betreiber erheben keine Nutzerdaten und erstellen auch kein Nutzerprofil, so Christian Ehringfeld. Dies seien klare Vorteile gegenüber geplanten WLAN Hotspots wie momentan in Limburg umgesetzt werden. Jeder kann bei den Freifunkern mitmachen, so Fabian Cernota. Neben dem finanziellen Einsatz für den Router kommen keine weiteren Kosten auf diejenigen zu, die das WLAN zur Verfügung stellen. „Wir sind keine Dienstleister“, so Cernota, daher dauere es auch, Überzeugungsarbeit zu leisten. Ihre Gruppe von zehn Freifunkern, die in ihrer Freizeit mit den Menschen sprechen, müsste eben auch schauen, wann sie dafür werben könnten. Aber jeder kann mitmachen und die beiden Freifunker unterstreichen dabei den solidarischen Gedanken. Je mehr Menschen sich beteiligen, umso größer kann das Netz gespannt werden, in welches sich die Bürger für freies WLAN einloggen können.

SPD begrüßt die Entscheidung

Tobias Eckert, Sprecher der SPD Landtagsfraktion für Digitalisierung, begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung sehr. „Wer nun sein WLAN öffnet hat nicht mehr für das Surfverhalten anderer zu haften“, so der Politiker, „Nun gelingt der Schritt raus aus der WLAN-Wüste Deutschland.“ Bereits im letzten Jahr startete die SPD-Landtagsfraktion parlamentarische Initiative gestartet. Mit der Abschaffung der Störerhaftung gebe es einen rechtlichen Rahmen zum Ausbau öffentlicher WLAN Hotspots in Hessen. Tobias Eckert bedankt sich ebenfalls bei allen Initiativen, welche sich in den vergangenen Monaten und Jahren aktiv für die die Abschaffung der Störerhaftung eingesetzt haben.

Bisher noch wenige Freifunker-Knotenpunkte

Die Freifunker sind deutschlandweit in rund 280 Communities organisiert und haben um die 30.000 Router, welche das Freifunkernetz bilden. Die größte Gruppe sitzt im Ruhrgebiet  und wird auch staatlich gefördert. Hier in der Region sind es noch wenige Knoten – zu finden in Weilmünster, in Oberweyer und auch Niedererbach. Andere Orte wie Elz und Hadamar haben angefragt, um sich über die Möglichkeiten zu informieren.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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