Bernd Scholz „Ich stehe für den Weg der Mitte“

Bernd Scholz lernte ich bereits 2013 kennen. Damals hielt er einen Vortrag zum Thema Glück. Dies war sein erster Auftritt, um mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Inzwischen hat er eine Praxis für Ganzheitliche Lebenserfahrung mit den Schwerpunkten Paarberatung, Trauerbegleitung, Hypnosecoaching sowie Meditation. Als Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit war dies in meinen Augen ein sehr ungewöhnlicher Weg, weshalb ich mich freue, dass Bernd Scholz mit mir darüber sprach.

Kurz zur Person

Bernd Scholz hat mit seiner Frau, die Lehrerin ist, zwei Kinder (6 + 4). Von Anfang an war diese Rollenverteilung in seiner zweiten Ehe geplant. So ging Bernd Scholz nach seiner Frau in Elternzeit und kümmert sich noch bis Ende 2017 um Familie und Haushalt. Er hat eine Ausbildung als Diplom-Pflegedienstleiter und arbeitete 25 Jahre im Pflegeberuf, 15 Jahre davon im Management. Gebürtig aus Norddeutschland, wohnt Bernd Scholz seit 1984 in Mittelhessen. Ich habe Bernd immer als sehr ruhigen Menschen empfunden, der total in sich ruht. Dabei wirkt er sehr aufmerksam und im Gespräch hat er mir unbewusst viele Dinge mit an die Hand gegeben.

Kommunikation nach außen genetisch bedingt

Woher kommen Deine Themen, über die Du sprichst?

Bernd Scholz: Jeder geht seinen Lebensweg. Zum Ende meiner ersten Ehe, welche sehr lang war und nicht optimal endete, kam der Moment, wo ich mir gesagt habe, dass passiert mir nicht noch einmal. Mir wurde klar, dass ich in der Selbstverantwortung stehe. Das Glück und das Leid, welches mir im Leben begegnet, hat mit mir selbst zu tun. Ich habe meine Selbstverantwortung angenommen und die Opferrolle verlassen. Meine Entwicklung ist entscheidend, wie gut es mir geht.

Es ist ein Unterschied, die Entscheidung für mich selbst zu treffen oder damit nach draußen zu gehen, um andere Menschen zu dieser Einsicht zu motivieren. Wie war dies bei Dir?

Bernd Scholz: Das ist genetisch bei mir (lacht). Das habe ich schon immer, immer in mir. Mit 14 Jahren habe ich die erste Kindermannschaft in Handball trainiert, später Kinder im Zeltlager betreut. Es war schon immer in mir drin, ein Lehrergen. Das was ich mache, wollte ich schon immer mit anderen teilen. Ist für mich aber auch der Weg, in dem sich das Gelernte festigt. Es geht jedoch nicht nur um das theoretische teilen, sondern dies muss praktisch gelebt werden.

Wo suchst Du Dir die Literatur für Deine philosophischen Vorträge zusammen?

Bernd Scholz: Ich gehe im Internet auf die Suche und habe ein Gespür dafür, welches Buch zu mir und meiner Art passt. Manchmal liege ich falsch, aber im Großen und Ganzen finde ich Bücher, die mich in ihren Bann ziehen. Ich gehe aber auch zu Veranstaltungen und habe einen großen Freundeskreis, aus dem ich Inspirationen erhalte.

Ganzheitliche Lebenserfahrung – Blick auf Körper, Geist und Seele

Du strahlst eine sehr große Ruhe aus. Hat sich dies erst entwickelt, seit Du Dich mit den Themen auseinandersetzt?

Bernd Scholz: Es gab eine Zeit, da konnten wir die Welt aus den Angeln heben. Doch im Kern war ich schon immer ruhiger und nachdenklicher. Inzwischen bin ich achtsamer geworden – auf mich selbst und um mich herum. Der Dalai Lama sagt: „Der Buddhismus sei keine Religion, sondern eine Wissenschaft des Geistes.“ – Das ist es, was mich fasziniert. Diese 2500 Jahre alte Weisheit zieht mich in ihren Bann. Die Wissenschaft hat inzwischen auch Interesse daran z.B. im Bereich der Meditation.

Hat sich das mit der Meditation auch erst in den letzten Jahren entwickelt?

Bernd Scholz: Ja das mache ich erst die letzten 5 Jahre. Gehört mit zu den Aus- und Weiterbildungen, die ich in den letzten Jahren absolviert habe und die meinen Weg bis jetzt geprägt haben.

War es Dir in der Elternzeit langweilig, dass Du diesen Weg eingeschlagen hast?

Bernd Scholz: Mir war von vorneherein klar, dass mich nur Kinder und Haushalt erfüllen werden, wobei ich die Treffen im Krabbelkreis sehr genossen habe. Die Gemeinschaft hat mir gut getan. Als der Kleine in den Kindergarten ging, begann für mich der andere Weg in die Selbständigkeit rein.

War der Weg für Dich von Anfang an klar?

Bernd Scholz: Es war klar, dass ich etwas tue, was mir auch selbst gut tut. Auf dem Lehrerweg wollte ich meine Erfahrungen unter die Menschen bringen. Ich bereue es auch nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Es ist eine Entwicklung von mir selbst, in der Partnerschaft, in der Familie und auch in der Umgebung.

Die philosophischen Vorträge hattest Du vor Deiner Selbständigkeit gehalten. Waren sie die Zündung für Deine Selbständigkeit?

Bernd Scholz: Ich habe mit diesen Vorträgen Fahrt aufgenommen. Ich wußte schon, wohin es geht und kam mit den Vorträgen auf Betriebstemperatur. Irgendwann war der Moment da, als ich einen Gang weiter eingelegt habe.

Fruchtbare Weiterbildungen für den Weg zur ganzheitlichen Lebenserfahrung

Welche Weiterbildungen hast Du absolviert?

Bernd Scholz: Den spirituellen Lebensberater und den psychologischen Lebensberater – ich habe mir die intuitive und wissenschaftliche Seite angeschaut. Weiterbildung zum Trauerbegleiter und Paartherapeuten. Nach außen trete ich jedoch als Paarberater auf. Ich bin nicht in der Therapie oder Diagnostik tätig, sondern im Gesundheitspräventivsektor. Abgerundet habe ich dies mit einer Hypnoseausbildung. Mit den Weiterbildungen bin ich in eine ganz andere Welt eingetaucht und diese Tage waren immer sehr fruchtbar für mich.
Paarberatung und Trauerbegleitung sind Themen, die uns alle angehen und die uns ständig begleiten. Viele richten sich dahin, essen zu viel, steigern sich massiv in die Arbeit hinein, nur um ein kurzes kleines Glück zu finden. Der Ganzheitliche Weg, der Weg der Mitte ist ein anderer. Daher bin ich bemüht, den Menschen Hinweise auf einen anderen Weg aufzuzeigen, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

War Deine Ausbildung und Arbeit bis hierher eine gute Grundlage für Deine jetzige Tätigkeit?

Bernd Scholz: Es waren immer beratende Tätigkeiten, so dass diese eine gute Grundlage gaben.

Du hast eine enge Beziehung zum Hospiz in Hadamar und Palliativ Care. Wie kam es dazu?

Bernd Scholz: Für den Tod habe ich mich schon immer interessiert. Bereits in der Ausbildung suchte ich die Auseinandersetzung mit den Tod und habe im Ehrenamt Sterbebegleitung gemacht. Das Thema war für mich schon immer wichtig. Ich fühle mich dem wirklich verbunden. Es war für ich immer eine totale Bereicherung, sterbende Menschen zu begleiten. Ich habe immer viel für mich mitgenommen, auch wenn ich viel gegeben habe. Leben und Tod sind eins.

Ganzheitliche Lebenserfahrung bedeutet intensiver Leben

Lebst Du insgesamt intensiver?

Bernd Scholz: Ja! Es geht immer um das Hier und Jetzt. Da ist die deutsche Sprache auch sehr interessant z.B. Selbst-Be-Wusst-Sein. Das hat nichts damit zu tun, selbstbewusst aufzutreten, sondern es geht darum, sich seiner selbst bewusst zu sein. Der sichere Auftritt ist dann nur eine logische Folge daraus. Das spielt auch in der Partnerschaft eine große Rolle, den Partner annehmen. Und dann Kommunikation zwischen den Menschen auch viel besser funktionieren. Menschen, die zu mir kommen, haben Probleme mit der Kommunikation. Bei denen funktioniert die Kommunikation nicht mehr. Ich versuche in meiner Arbeit, die Kommunikation wieder anzustoßen.

Wie stößt Du Kommunikation an?

Bernd Scholz: Dies mache ich mit kleinen Übungen. Rege die Menschen an, ihre Wünsche und Bedürfnisse dem Partner gegenüber zu äußern.
Jeder geht seinen Lebensweg selbst. Aber man braucht einen Schwerpunkt, denn wenn die Kinder aus dem Haus sind, geht die Partnerschaft weiter. Dies sollte sich jeder bewusst sein. Und dazu gehört auch, gemeinsame Zeit zu verbringen.

Kleine Übungen bringen bereits etwas

Welches Feedback bekommst Du von den Menschen? Hast Du das Gefühl, Du füllst eine Lücke?

Bernd Scholz: Zu mir kommen Menschen, die eine Lücke in ihrem Leben fühlen und daher zu mir finden. Es sind häufig Menschen, die schon mal Kontakt mit mir hatten und mich kennen. Es freut mich, dass die dann Interesse an den Themen haben, die mir liegen. Ich möchte Freude haben, im Guten wirken und eine Art Krieger des Lichtes sein – im guten Sinne zu wirken. Dieser Gedanke fließt auch in meine Spendenaktionen ein. Ich habe schon gesammelt für Kinder in Nepal, für das Hospiz sowie die Palliativstation. Ich bin froh, pro Jahr 1000 Euro an Spenden sammeln zu können.

Was würdest Du jemanden an die Hand geben, um sich seiner selbst bewusst zu werden? Vielleicht einen Tipp, den man im täglichen Leben einbauen kann?

Bernd Scholz: Ich meditiere täglich. In Übungen Tai-Chi und Qigong kann man Kontakt zum Ganzen aufnehmen. Doch es geht viel einfacher: BEOBACHTE DEINEN EIGENEN ATEM. Wenn Du deinen eigenen Atem kommen und gehen spürst, hast du den Moment, wo du zu dir selbst kommst und alles außen um dich herum abschaltest. Das ist der Moment, wo du die Tür nach innen aufschließt. Du nimmst deinen Körper wahr, merkst, wo es dir gut geht, wo Schmerzen sind. Du wirst dir deiner Gedanken bewusst, Ärger verfliegt. Dann meditierst du. Und die Meditation zeigt dir, wie das Leben ist.

Bist Du gläubig?

Bernd Scholz: Das ist schwer zu beantworten. Ich glaube nicht an einen Gott, aber an eine höhere Gesetzmäßigkeit. Das gesamte Sein erfolgt nach gewisse Gesetzen. Entweder wir nehmen sie an oder arbeiten dagegen. Wenn wir sie annehmen, werden wir glücklich sein und wenn nicht, werden wir leiden. Ich bin im Christentum groß geworden, fühle mich heute als freier Buddhist, ohne sich einer Gemeinschaft unterzuordnen. Ich bin frei und mache mir meine eigenen Gedanken.

Arbeit mit den Menschen als Bereicherung

Das war jetzt die Seite, was Dich umtreibt. Was bedeutet für Dich die Arbeit mit den Menschen?

Bernd Scholz: Von Lehrerseite ist es das gemeinsame Teilen –„Klopfe an, so wird Dir aufgetan – suche, so wirst Du finden – bitte, so wird dir gegeben.“- Wenn jemand kommt und für Hilfe bereit ist, dann bin ich da. Ich muss mich mit dem Menschen auseinandersetzen, für den der rechte Moment gekommen ist. Der Mensch möchte den Rat, die Unterstützung. Er geht mit mir eine professionelle Partnerschaft ein. Dabei achte ich auch auf mich, ob ich mich in dieser Partnerschaft wohlfühle und ob wir weiterkommen. Wenn ich spüre, ich bin der Falsche, vermittle ich das auch meinem Gegenüber.

Was hast Du Dir für die Zukunft vorgenommen?

Bernd Scholz: Ich möchte noch mehr im Hier und Jetzt sein. Jedes Glück wird vergehen, Leid ist nicht zu vermeiden. Alter, Krankheit und Tod sind nicht zu vermeiden, Eltern sterben, die Kinder gehen aus dem Haus. Es ist wichtig, das Leben so zu nehmen wie es ist. Ich kann das eine nicht festhalten, das andere nicht ablehnen. Aber ich kann den Moment genießen.

Mehr zu den Angeboten von Bernd Scholz in seiner Praxis für ganzheitlichen Lebenserfahrung erfährst Du auf seiner Internetseite.

 

 

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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