Juniorinnen der KG Hadamar holen sich hessischen Meistertitel

In den letzten Jahren besuchte ich die Hessenmeisterschaften im Gardetanzsport der Rheinischen-Karnevals-Korporation (RKK), welche bereits zum 17. Mal die KG Hadamar ausrichtet. Durch diese Meisterschaften habe ich gelernt, dass Gardetanz nicht nur ein Element der Fastnacht ist, sondern eine schweißtreibende Sportart. In den letzten Jahren habe ich viele interessante Gespräche geführt, verschiedene Seiten dieses Sports entdecken dürfen und bin auch immer wieder fasziniert, was die Tänzer da auf der Bühne leisten.

Mit Rock`n`Roll zum Meistertitel

Die roten Haare zum Punk aufgestellt, das zerfetzte Rockeroutfit auf dem Leib, standen rund 30 Tänzerinnen der KG Hadamar bei der Disziplin Junior-Schautanz auf der Bühne der Stadthalle Hadamar und brachten den Saal zum Kochen. „I love Rock`n`Roll“ erscholl aus den Lautsprechern und einen rockigen Tanz lieferten die Tänzerinnen ab. Damit erzielten sie die Höchstwertung in ihrer Disziplin und wurden Hessischer Meister. Sie haben sich für die Deutsche Meisterschaft im Dezember qualifiziert.
Vor der Bühne saßen Silvia Lindenschmidt und ihre Tochter Sophie. Beide hielten die Daumen gedrückt und waren genauso aufgeregt, wie die Mädchen auf der Bühne. Sie trainieren die Tänzerinnen und begleiten sie bei den Auftritten. Bereits im Vorfeld der Meisterschaften mussten die Mädchen zwei Qualifikationsturniere besuchen. Im letzten Jahr konnten die Juniorinnen „nur“ den Vize-Hessenmeister mit nach Hause bringen und so war die Freude groß, dass sie diesmal die höchste Wertung erhielten.

Mehrere Aufgaben im Turnier

Erst als Trainerin im Einsatz musste Sophie Lindenschmidt später selbst als Solomariechen auf die Bühne.

Doch für die beiden Trainerinnen war der Tag damit nicht zu Ende. Silvia Lindenschmidt saß den ganzen Tag bei den Wertungsrichtern und überprüfte die Wertungen, ob die einzelnen Punkte richtig zusammengerechnet wurden. Auf Sophie wartete noch der eigene Auftritt als Solomariechen. Seit sie vier Jahre ist, tanzt sie und mit sieben Jahren begann sie als Solomariechen. Seit einiger Zeit unterstützt sie ihre Mutter beim Training. „Es ist schön, auf der Bühne zu stehen und die Leute zu begeistern mit seinem Tanz“, erzählt sie. Sie findet auch den Zusammenhalt in der Gruppe sehr schön. War sie am Anfang noch sehr angespannt vor einem Auftritt, geht dies inzwischen. Nur kurz vor ihrem Auftritt ist ihr ein wenig Anspannung anzumerken. Es ist zu spüren, dass sie sich auf ihren Tanz konzentriert. Wenn sie auf der Bühne steht, muss sie einiges beachten. „Ich muss so tanzen, dass es gut aussieht, die Figuren sauber getanzt werden und ich eine gute Ausstrahlung habe“, erklärt sie, worauf es ankommt. Doch nicht nur Sophie und ihre Mutter erfüllten mehrere Funktionen bei den Meisterschaften.

Hohes ehrenamtliches Engagement

Die KG Hadamar ist überhaupt nur durch das riesige ehrenamtliche Engagement in der Lage, jedes Jahr diese Meisterschaften durchzuführen. An dem Tag selbst sind manche Mitglieder über 14 Stunden im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Dies beginnt am Einlass über die Anmeldung, geht über die Besetzung der Theke bis hin zum Aufräumen, wenn alles rum ist. Dabei ist noch nicht die Zeit reingerechnet, die im Vorfeld investiert wird, um dieses Ereignis auf die Beine zu stellen. Im Mai werden die Vereine angeschrieben, die Wertungsrichter müssen organisiert werden und der Schirmherr wird gesucht. Sechs Wochen vor Veranstaltung werden die Startnummern ausgelost, damit niemand eine Bevorteilung erhält. „Die Faszination für den Gardetanz ist ungebrochen“, so Martina Fischer, Präsidentin der KG Hadamar. Sie seien sogar am überlegen, die Meisterschaften im nächsten Jahr wieder an zwei Tagen auszurichten, auch wenn das ein personeller Mehraufwand bedeuten würde. Insgesamt hatten sie 105 Anmeldungen und sind damit an ihre Grenzen für einen Tag angelangt. Auf der anderen Seite gab es aber auch noch nie so wenige Anmeldungen im Bereich der Kinder. „Ich hoffe nicht, dass das so bleibt“, so Fischer, „denn dies würde sich dann bis nach oben hin durchziehen.“

Die Mitglieder der KG Hadamar werden in ihrem hohen ehrenamtlichen Engagement durch die Eltern der Kinder unterstützt, die bei der Betreuung der Tänzerinnen helfen, aber auch Kuchen und Salate für die Bewirtung beisteuern.

Platzierungen

Bei den Hessischen Meisterschaften im Gardetanz waren Kinder und Jugendliche der Jahrgänge 2006 bis 2011, Junioren (2002 bis 2005) sowie Senioren (ab Jahrgang 2001) am Start. Die Teilnehmer treten an in den Disziplinen Garde, Solomariechen, Tanzpaar sowie im Showtanz.
Rund 70 Tänzerinnen der über 100 Tänzerinnen der KG Hadamar nahmen an der Hessenmeisterschaft teil und schlugen sich gut in ihren Disziplinen. Als Solomariechen belegte Isabell Schumacher Platz 7. Im Kinder-Schautanz belegte die KG Hadamar Platz 2. Im Junioren-Gardetanz belegten die Tänzerinnen ebenfalls Platz 2. Die Junioren Solomariechen belegten Platz 4 (Estella Mai), Platz 7 (Lea Gasteier) und haben sich beide für die Deutsche Meisterschaft im Dezember qualifiziert. Auf Platz 8 gelangte Emma Bohm und Chelsea Kaluza auf Platz 13.
Bei den Senioren qualifizierte sich Sophie Lindenschmidt mit Platz 6 für die Deutschen Meisterschaften, Jana Heiliger kam auf Platz 14 und Anna Krahe auf Platz 15.

Trainingszeiten

Trainiert werden die Tänzerinnen bei der KG Hadamar von Silvia und Sophie Lindenschmidt, Britt Kuhl-Wengenroth und Claudia Braun.
Die Minis (vier bis sechs Jahre) trainieren donnerstags von 16 bis 17 Uhr im Zeughaus. Die Kindergruppe (sechs bis acht Jahre) trainiert freitags von 14.30 bis 16.30 Uhr. Die Juniorengarde (10 bis 14 Jahre) trainiert dienstags von 17 bis 18.30 Uhr.

Mehr Infos findet ihr auf der Internetseite der KG Hadamar.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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