„Geschlechterkampf“ – Ausstellung im Städel Museum

Über die Sonderausstellung „Geschlechterkampf“ im Städel Museum habe ich in den sozialen Netzwerken gelesen und wurde neugierig. Am Freitag nahm ich mir einen freien Nachmittag, um mir die Ausstellung anzuschauen. Die über 150 Werke von Franz von Stuck, Edvard Munch, Gustav Klimt, Gustav Adolf Mossa und Frida Kahlo imponierten mir sehr.

Über die Ausstellung

Das Thema ist zeitlos – die spannungsgeladene Beziehung zwischen Mann und Frau. Insbesondere die Kunst beschäftigt sich mit dem Thema. In dieser großen Sonderausstellung beleuchtet das Museum die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und –beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts  bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Sehr kontrovers behandelten die Künstler das Thema. Dennoch sind viele Kunstwerke auch von Stereotypen  geprägt. Auf der Internetseite des Städel Museums heißt es dazu: „Manche führten dem Publikum in ihren Werken überzogene Charaktereigenschaften der Geschlechter vor Augen oder untermauerten stereotype Rollenbilder. Andere griffen gängige Klischees an und versuchten, diese durch Strategien wie Ironie, Überzeichnung, Maskerade und Hybridisierung aufzubrechen.“ In der Ausstellung finden sich Bilder aus dem Sammlungsbestand des Städel Museums sowie Leihgaben.

Die Priesterin Phytia wurde geschaffen von Marcello. Hinter diesem Künstlernamen verbarg sich eine Frau. Sie zeigt ein von Göttlichkeit erfülltes weibliches Wesen, weich in ihren Formen. „Klytemnästra“ stammt von John Collier. Seine rachsüchtige, wütende Königin zeichnet er sehr hart in ihren Zügen.

Im Vordergrund befindet sich die Priesterin Phytia in einer Linie mit der rachsüchtigen Mörderin Klytemnästra.
Im Vordergrund befindet sich die Priesterin Phytia in einer Linie mit der rachsüchtigen Mörderin Klytemnästra.

Geschlechterklischees

Die existierenden Geschlechterklischees sind über 200 Jahre alt. Die Männer gelten immer als machthungrig, gewaltbereit und egoistisch. Frauen hingegen als einfühlsam, kommunikativ und friedfertig. Dass der Geschlechterkampf bis heute andauert, zeigten Zitate und Sätze aus Zeitungsberichten vor der Ausstellung, die bis in die Jetzt-Zeit hineinreichen.

Gleichheit der Geschlechter – die große Illusion

Bei den meisten Werken stand die Frau im Mittelpunkt. Dabei waren die Bilder geprägt von der Furcht der männlichen Künstler vor dem weiblichen Geschlecht. Die Angst vor der weiblichen Dominanz ist geradezu greifbar. Mit der Emanzipation der Frau sehen die Männer in ihr die mordende Femme fatal, die Männer nur mit ihren Reizen verführen, um sie in den Abgrund zu stürzen. Der Faszination dieser weiblichen, gemalten Wesen konnte ich mich nicht entziehen.

Geschlechterkampf – die Frau als verführerisches Wesen

Im späten 19. Jahrhundert, beginnendem 20. Jahrhundert widmeten sich die Maler starker Frauenfiguren. Häufig holten sie sich ihre Inspiration dabei aus der Literatur. So entstanden von verschiedenen Künstlern Bilder über weibliche Sphinxe, die Geschichte von Salome oder die Sünderin Eva. Dabei werden die Frauen immer als schöne Verführerin gezeichnet, die hinter ihrer Maske ein rachsüchtiges Monster verbirgt. Sie betören die Männer, um sie dann umzubringen. Wenn Männer in den Gemälden auftauchen, dann werden sie immer verletzlich und unterwürfig gegenüber dem weiblichen Geschlecht gezeigt.

Gustav Adolf Mossa zeigte die Frauen als kindliche Verführerin, welche über Leichen geht.

Umbruch nach dem 1. Weltkrieg

Gab es bereits vor dem Weltkrieg Emanzipationsbewegungen der Frauen, verstärkte sich dies nach dem ersten Weltkrieg noch einmal. Die gebrochenen Männer kamen verletzt aus dem Krieg nach Hause und mussten erkennen, dass die Frauen ihren Platz eingenommen haben. Dennoch haben sie nichts von ihrer sexuellen Anziehungskraft verloren. In dieser Zeit boomten Bilder mit Motiven des Lustmordes oder Prostituierten. Der Umgang der Geschlechter in der Weimarer Republik wurde freier miteinander, aber auch verstörender. Ich muss sagen, dass ich den zweiten Teil der Ausstellung, die diesen Teil der Kunst zeigte, auch sehr zwiespältig empfand. Brutal und verstörend wirkten die Bilder auf mich. Auch nimmt das androgyne einen großen Raum zu dieser Zeit ein. Wobei die Surrealisten der Frau eine zentrale Rolle bei der Veränderung der Gesellschaft zuschrieben.

Jeanne Mammen betont in den 20er Jahren die neue weibliche Selbstbestimmung in ihren Bildern.

Begleitung der Ausstellung

Für die Ausstellung gibt es einen Audioguide, welcher tiefere Einblicke in die einzelnen Kunstwerke gibt. Dies ist als Dialog konzipiert mit den Sprechern Constanze Becker und Felix Rech (Schauspiel Frankfurt), welche auch immer wieder die männliche und weibliche Sichtweise diskutieren. Dieser Audioguide kann auch über die Städel App heruntergeladen werden.

In den sozialen Medien wird die Ausstellung mit den Hashtags #Geschlechterkampf und #staedel kommuniziert. Dabei hat sich das Städel auch eine tolle Aktion einfallen lassen. Unter dem Hashtag #LetsTalkAboutSexes kann sich jeder mit den Fragen –Wer hat bei Ihnen die Hosen an? Wann ist ein Mann ein Mann? Is it a woMan’s world? – auseinandersetzen. Mehr zu dieser Aktion erfahrt Ihr hier.

Bis zum 19. März 2017 habt Ihr die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen. Ich kann sie empfehlen.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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