Hubert Martin (90): „Ich singe auch heute noch gerne“

Am Wochenende ehrte der MGV Liederblüte seinen Ehrenvorsitzenden Hubert Martin (90) für seine 70-jährige Vereinszugehörigkeit. Auch wenn der Oberweyerer nicht mehr aktiv singt, hat er mit dem Singen nicht aufgehört.

20 junge Sänger haben Chor wiederbelebt

Nach dem Krieg 1947 kamen 20 junge Männer zusammen, um bei einer Hochzeit ein Ständchen zu singen. Dies kam so gut bei der Bevölkerung an, dass der MGV Liederblüte wieder neu belebt wurde. Hubert Martin war einer von ihnen und singt bis heute sehr gerne. „Wir hatten damals kein Fernsehen und kein Radio“, so der 90-Jährige, „wir waren froh, einmal die Woche abends raus zu kommen.“ Bereits 1950 nahmen die Sänger an einem Gesangswettbewerb teil und 1951 räumten sie alle Preise ab. „Früher bin ich mit dem Fahrrad zu allen Wettkämpfen gefahren“, erinnert sich Hubert Martin. Der weiteste Weg führte ihn nach Oestrich-Winkel. „Am nächsten Tag bin ich die Treppe nicht mehr runtergekommen“, lacht er.

Kaum eine Probe gefehlt

Insgesamt 64 Jahre sang er aktiv im Verein mit und in der Zeit habe er insgesamt keine 20 Stunden bei den Proben gefehlt. Doch er sang nicht nur, sondern kam als Stellvertreter für die Jugend in den Vorstand, war viele Jahre Stellvertreter und acht Jahre Vorsitzender der MGV Liederblüte. Inzwischen ist er Ehrenvorsitzender des Gesangsvereins. Als seine Beine nicht mehr so wollten, hörte der Oberweyerer mit dem aktiven Singen auf, da er „nicht zur Bühne getragen werden wollte.“ Dennoch begleitet ihn die Singerei in seinem Alltag und er singt noch immer sehr gerne.

Gastchöre in Oberweyer

Hubert Martin wurde für seine 70-jährige Vereinszugehörigkeit zum MGV Liederblüte geehrt.

So auch am Wochenende beim Grillfest des MGV Liederblüte, in dessen Rahmen er für seine 70-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt wurde. Anlass für das Grillfest war der Besuch eines Gastchores aus Riga, der im Rahmen des Harmonie Festivals in Deutschland war. Mit den Sängern unterhielt sich Hubert Martin auf Russisch. „Als 17-jähriger wurde ich bei Riga im Krieg verwundet und kam in Kriegsgefangenschaft“, so Martin, „damals lernte ich russisch.“ Er fand es ganz schön, sich mit dem Gastchor auf diese Weise zu verständigen. Seit 1981 boten die Mitglieder des Vereins mehrmals internationalen Chorgruppen eine Übernachtungsmöglichkeit an, damit die Chöre am Festival in Lindenholzhausen teilnehmen konnten. Zu Gast waren schon Chöre aus den Niederlanden, Prag, Litauen und jetzt eben Riga.

Obwohl es in den 90er Jahren ein wenig schleppend mit dem Chor lief, gab es seit 1947 keine Zeit, in der nicht in Oberweyer gesungen wurde. „Wir hatten immer sehr gute Dirigenten“, so Martin. An internationalen Wettbewerben habe der Chor zu seiner aktiven Zeit nie teilgenommen und auch der Frauen- sowie Kinderchor kam erst nach seiner Zeit. Er habe gerne die alten Volkslieder und Schlager gesungen. „Bis heute habe ich eine Abneigung gegen englische Lieder, da singe ich noch lieber Französisch“, lacht er. Auch die modernen Lieder sind nicht so seins. Seine Vorliebe für den Gesang konnte er an einen Sohn und einen Enkel weitergegeben, welche beide im Chor singen.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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