Ingo Oschmann – Comedian mit Herz

Gestern Abend erlebte ich einen vergnüglichen Abend bei Ingo Oschmann in der Kulturscheune  Langendernbach. Diesen Stand-Up-Comedian habe ich vorher noch nie gesehen, so dass ich keine Ahnung davon hatte, was mich erwartet und positiv überrascht wurde. Ingo Oschmann nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise in die 80er Jahre und weckte Erinnerungen, die alle miteinander teilen konnten und die selbst für mich noch greifbar waren. Bereits zum wiederholten Mal konnte die FWG Dornburg den Star-Komiker für ihren Kultursommer nach Langendernbach holen. So saßen in der Kulturscheune einige Wiederholungstäter und auch Besucher, die den Comedian noch nie gesehen hatten. Am Ende begeisterte er alle. In seiner Begrüßung gab er einen Ausblick auf die kommende gemeinsame Zeit: er wolle unterhalten, aus seinem Leben erzählen und die Herzen berühren mit seiner Stand-Up-Comedy. Und es ist ihm gelungen, denn am Ende des Abends bekam er Standing Ovations. Dieser kam aus dem Bedanken nicht mehr heraus und war schier überwältigt.

„Ich bin einer von Euch“

Der Bielefelder Ingo Oschmann ist kein Mensch mit Distanz zu seinem Publikum. Er suchte die Gespräche mit ihnen, mischte sich in der Pause unter das Volk und stand auch gerne hinterher für einen Schwatz zur Verfügung. Diese Nähe zum Publikum erzeugte ein Gefühl von „Ich bin einer von Euch.“ Selbst ein Kind der 80er Jahre nahm er die Zuhörer mit in die Küche seiner Mutter und belebte Erinnerungen wieder, die jeder benennen kann. Wer hat nicht auch von seinen Eltern gehört „So lange du deine Füße unter unserem Tisch hast“ oder „Ess dein Essen auf, sonst wird es morgen regnen“? Wer kenne es nicht, vor einem Teller zu sitzen, auf dem etwas lag, was man nicht mochte? Bei ihm war dieses Hassessen Grünkohl mit Pinkel. Es sind jedoch nicht nur diese Dinge, die wir alle kennen. Er warf einen genaueren Blick auf die Kinderzeit. Es sei schon ein großer Unterschied zwischen der Kindheit damals und heute, so der Entertainer und er sei lieber damals aufgewachsen. Gemeinsames Spielen habe damals noch soziale Kompetenzen geschaffen, heute säße jedes Kind für sich alleine vor dem Rechner. Früher waren die Kinder Zappelphilippe, heute seien sie ADHSler und würden mit Medikamenten ruhig gestellt. Damals habe man noch Vorbilder mit Werten gehabt wie Mc Gyver und Knight Rider, heute kämen die Kinder mit Bushido, was ja wohl eher nach einer Geschlechtskrankheit klingen würde. Okay, die Kleidung sei jetzt nicht so der Brüller gewesen. Dennoch zeigte er in Leoprint-Leggins und rosa Stulpen wie er damals a la 80er tanzte und sich verrenkte.

In Leoprint-Leggins und rosa Stulpen brachte Ingo Oschmann das Publikum zum brüllen.
In Leoprint-Leggins und rosa Stulpen brachte Ingo Oschmann das Publikum zum brüllen.

Früher noch für Dinge kämpfen

Heute würden wir alles im Internet finden, damals in den 80ern musste noch um die Dinge gekämpft werden. Jedes Fotomotiv wurde überlegt. Vorher musste man zum Laden einen Film kaufen gehen, diesen kompliziert einlegen. Nachdem der Film voll war, kam er zum entwickeln und sehnsüchtig wurde eine Woche und länger auf das Ergebnis gewartet. Ein Großteil der Anwesenden saß schon selbst vor dem Kassettenrekorder, um eine Kassette aufzunehmen, wartete, dass der Moderator mit Quatschen aufhörte und das Lied begann, betend, dass niemand in den Hit reingequatschte. Der Großteil der Anwesenden lauschte bereits der verkratzten Schallplatte, bei der jeder Sprung eine Erinnerung hervorruft. Da hatte Musik noch eine ganz andere Bedeutung. Musik wie auch Bilder gehören zu unserer Biografie, so Oschmann. Doch was hat dies für eine Wertigkeit, wenn diese ruckzuck zu haben sind und genauso schnell wieder im Papierkorb landen können.

Spitze Gesellschaftskritik amüsant verpackt

Nicht nur die Vergangenheit spielte eine Rolle in dem Programm des Comedian. So koche er lieber als in 3-Sterne-Restaurants essen zu gehen. Da verstünde man kein Wort, zahle Unmengen von Kohle und am Ende säße man nur vor einem Teller Grünkohl mit Pinkel.
Trotz sehr spitzer Gesellschaftskritik riss er die Anwesenden mit, überzeugte mit seiner sehr facettenreichen Mimik, hatte ein gutes Händchen für Improvisation und sorgte für einen vergnüglichen Abend. Dazwischen sorgte er mit kleinen Zaubereinlagen immer wieder für Lacher. Da ließe er eine schwere Bowlingkugel aus einem flachen Malblock fallen oder zauberte ein Tuch in eine Orange. Selbst Uri Geller nahm er auf die Arme und verbog unter reichlich schräger Komik einen Löffel.

Wenn alle auf das schräge Gesicht achten, bekommt keiner mit, wie der Löffel verbogen wird.
Wenn alle auf das schräge Gesicht achten, bekommt keiner mit, wie der Löffel verbogen wird.

Das Publikum lachte, und ergänzte Sätze.  Heute würden alle nach dem Perfekten streben. „Es muss nicht immer alles perfekt sein, auch das Unperfekte hat seinen Reiz“, so der Comedian. Immer wieder agierte er mit dem Publikum, verwandelte deren Vorgaben in neue Nummern und verzauberte die Anwesenden zwei Stunden lang. Zum Ende appelierte er an alle, Kulturangebote anzunehmen, welche ehrenamtlich auf die Beine gestellt werden. Denn würden diese nicht besucht werden, würden diese Angebote irgendwann verschwinden. Zum Ende verblüffte er alle Anwesenden noch mit einem magischen Quadrat, wo er innerhalb von 2 Minuten ein Quadrat aus 4×4 Zahlen aufstellte, welche egal in welcher Kombi addiert das gleiche Ergebnis ergaben, welches ihm vorher ein Zuschauer aus dem Publikum nannte.
Nach der Vorstellung nutzen die Zuhörer die Chance zu einem persönlichen Gespräch und bedankten sich bei Ingo Oschmann für den unterhaltsamen Abend. Sie würden auf alle Fälle wiederkommen, wenn er auftritt.

Es war ein toller, kurzweiliger Abend, den ich sehr genossen habe. Ich würde mich freuen, wenn dieser sympathische Typ mal wieder kommt.

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Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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