Instawalk im Bischofshaus: Bistum Limburg öffnet seine Pforten

Zum ersten Mal öffnete das Bischofhaus in Limburg seine Pforten für eine ganz besondere Gruppe an Menschen – nämlich den Instagramern. Das sind Nutzer des sozialen Netzwerkes Instagram, auf dem direkt Fotos mit dem Handy geschossen und hochgeladen werden. Diese Bilder werden mit sogenannten Hashtags # verschlagwortet, um Bilder zu gleichen Themen zu finden.

#Instakirche

Ich selbst tummle mich auch sehr gerne auf Instagram (mein Profil auf Instagram) und zudem war ich neugierig auf das Bischofshaus, so dass ich mich zum Instawalk anmeldete. Bei einem Instawalk treffen sich mehrere Gleichgesinnte zu einem Spaziergang/ Rundgang. Sie nehmen einen Ort gemeinsam unter die Lupe und veröffentlichen ihre Fotos auf Instagram. Von gleichen Dingen erhält der Betrachter verschiedene Perspektiven. Wir waren eine illustre Truppe, wobei das Interesse der verschiedenen Medien auch sehr groß war- welche Leute nehmen am Instawalk teil? Wonach schauen sie besonders? Wie ist ihr Eindruck vom Bischofshaus? Von den reinen Instagramern waren wir in der Minderzahl und ich hatte mir – ehrlich gesagt- die Teilnehmer auch ein wenig jünger vorgestellt. Doch nichtsdestotrotz möchte ich euch natürlich auch vom Instawalk berichten.
Unter #instakirche #instabischofshaus oder auch #bischofshaus finden sich einige Bilder wie hier von einem „Mittäter“.

Harmonie von alten und neuen Gebäudeteilen

Bischofshaus und Dom in unmittelbarer Nähe

Auf dem Domplatz stehend mit dem mächtigen, 780 Jahre alten Dom im Rücken, fällt der Blick direkt auf den Ort des Geschehens. Direkt auf der Ecke Domstraße und Domplatz steht die Alte Vikarie, ein Fachwerkhaus, erbaut um 1515. Hierbei handelt es sich um eines der ältesten freistehenden Fachwerkhäuser in Limburg. Da die Vikarie das letzte Mal in den 70er Jahren renoviert wurde, fanden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen statt, denn das Fachwerk war von innen verfault und musste ausgetauscht werden. In dem Gebäude befindet sich das Büro von Bischof Georg Bätzing. Direkt gegenüber auf der anderen Seite des Tores zum Bischofshaus befindet sich das Domküsterhaus. Dieses wurde im 19.Jahrhundert im Jugendstil erbaut. Dahinter schließt sich ein neuer Flachbau an, in dem sich heute das Sekretariat befindet. An der Domstraße entlang steht die Kapelle aus schwarzem Granit, die ein sehr spitzes Dach besitzt, um dem Himmel nah zu sein.

Moderne Architektur und durchdachtes Bauwerk

Im Innenhof stehe ich vor einem großen Bronzetor. Es lohnt sich auch ein Blick nach unten, denn im Pflaster sind einzelne Steine eingelassen, auf denen die zwölf bisherigen Bischöfe mit ihrer Amtszeit nachzulesen sind. Vom Bronzeportal geht es durch einen Innenhof, der durch Säulen viel länger erscheint, als er wirklich ist und in dessen Mitte ein Brunnen steht. Unsere Gruppe führte Tobias Steiger, Medienreferent vom Bistum Limburg, durch die Räumlichkeiten. Die Wohnung im oberen Stock besticht durch große Räume und die deckenhohen Fenster erlauben einen Blick nach draußen. Eine Terrasse geht um das Wohnzimmer herum und ein kleiner Garten schließt sich an. Der Raum wurde optimal ausgenutzt.

Ein wenig enttäuschend – das Bad

Über eine beleuchtete Wendeltreppe geht es nach unten in die Privaträume mit Schlafzimmer, Bad und Umkleideraum. Auch hier bestimmen deckenhohe Fenster die Räume, doch der Blick fällt immer auf die Mauer. In einem schmalen Bereich zwischen Mauer und Gebäude befindet sich der berüchtigte Koiteich. Das Bad war erstaunlich normal. Zwar mit allen Raffinessen ausgestattet, doch bei dem, was im Vorfeld immer wieder zu hören und zu lesen war, hatte ich mir irgendwie mehr erwartet. Insgesamt bestechen alle Räume durch eine hohe technische Ausstattung – indirektes Licht, Steuerung über Ipad in der Wand oder Rückenbrausen in der Dusche. Ebenfalls zeugen die verwendeten Materialien von einer hohen Qualität. So oft es möglich war, wurden beim Bau Naturmaterialien verwendet. Architektonisch handelt es sich um einen sehr durchdachten Bau.

Kapelle und Konradinerkeller

Die Kapelle ist innen komplett weiß und durch das Spitzdach scheint sie wirklich den Blick nach oben ins Unendliche zu lenken. Die modernen Fenster haben mich sehr angesprochen. Sie stammen von Johannes Schreiter. Er entwarf ebenfalls die Fenster im Dom von Augsburg, Mainz und Limburg. Die letzte Station war der Konradinerkeller, bei dem es sich zeitgleich auch um den größten Raum in dem Ensemble handelt. In dem Keller befinden sich ein Stück Domfelsen sowie Grundmauern eines alten Wachturmes. Diese Funde aus der Zeit der Konradiner gaben dem Keller seinen Namen. Die Konradiner waren ein Adelsgeschlecht aus dem 8. bis 11. Jahrhundert, zu dem auch Konrad Kurzbold gehörte, der Gründervater des Georgsstifts auf dem Domberg. Im Konradinerkeller stieß Bischof Georg Bätzing zu uns.

Ein Bischof zum Anfassen


Bischof Georg Bätzing ist sehr sympathisch und von Anfang an mitten unter uns. Einen Sinn für Humor hat er auch: „Was mache ich hier? Arbeiten!“ Auf die Frage, ob er jemals daran dachte, die Wohnung für sich zu nutzen, hatte er zwei Antworten. „Das Bischofshaus ist ein Haus mit einer jungen Geschichte, aber doch bereits langen Geschichte.  Ich musste mir überlegen, welches Zeichen ich setze.“ Er sei bereits dreimal in Limburg gewesen ohne die Wohnung gesehen zu haben. Bei seiner ersten Begehung der Wohnung wusste er sofort „da kann ich nicht drin wohnen.“ Architektonisch sei es toll, aber er sei einen anderen Wohnstil gewohnt. Jedoch war für ihn auch von Anfang an klar, dass das Haus genutzt werden soll. „Die Menschen erwarten, dass der Bischof hier ist und daher ist dies unser Arbeitsbereich. Wir beleben das Haus durch unsere Arbeit.“

Pläne für das Wohnhaus

Bei der Eröffnungsveranstaltung der neuen Ausstellung im Diözesanmuseum fand bereits eine Nutzung der oberen Wohnräume statt und der Bischof könne sich sehr gut vorstellen, dass diese als Ausstellungsfläche dem Museum mit zur Verfügung gestellt werden. Auch die Kapelle möchte er gerne noch stärker für die Menschen öffnen, da es sich um einen Gebetsraum handelt. „Es entwickelt sich jetzt alles.“ Er gibt jedoch auch zu: „Manchmal ist es wie im Zoo, aber dies wird sich hoffentlich legen, wenn die Neugierde irgendwann befriedigt ist.“   Auf die Frage des Medienreferenten Tobias Steiger, ob der Bischof wusste, was ein Instawalk sei, kam die direkte Antwort „Nee.“ Und als Antwort, welches Motiv er posten würde, antwortete Bätzing, dass er die Fenster zeigen würde, denn diese seien wunderschön.

Gelungener Instawalk im Bischofshaus

Das Bronzetor vor dem Bischofshaus

Der Bau des Bischofshauses und die damit verbundenen Summen sorgten für viele Schlagzeilen in der Vergangenheit, die auch dazu führten, dass viele Besucher das Bischofshaus sehen möchten. Durch diese Öffentlichkeitsarbeit möchte das Bistum versuchen, mit Transparenz und Offenheit das Gebäude in den Alltag der Diözese zu holen. Den gewählten Weg finde ich sehr gut, auch wenn jetzt nicht ganz so viele Instagrammer anwesend waren wie eventuell erhofft. Dennoch können quer über die sozialen Medien nochmal ganz andere Menschen angesprochen werden als mit den bekannten Medien Zeitung, Radio und TV. Und wer weiß, ob ich ohne diese Aktion das Bischofshaus mal von innen gesehen hätte. Daher ein großes Lob an das ganze Team für die Organisation. Vielleicht ist ein solcher Instawalk auch mal für den Limburger Dom möglich.

 

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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