Jahrmarkt der Sinne: Menschliche Begegnungen und den Blickwinkel öffnen

Am 19. Mai findet zum zweiten Mal der Jahrmarkt der Sinne im Bischofsgarten Limburg statt. Veranstaltet wird der Jahrmarkt vom Caritasverband für den Bezirk Limburg. Für die künstlerische Gestaltung ist Matthias Frey verantwortlich. Mit ihm sprach ich über sein künstlerisches Schaffen.

Matthias Frey (62) ist Komponist und Pianist. Während seines Schaffens war ihm immer wichtig, mit anderen Künstlern in Kontakt zu kommen und sich mit Musikern der Welt zu verbinden. Spielte er zu Beginn seines Wirkens noch Jazz-Rock, bezeichnet er seine Musik inzwischen als Weltmusik. Die Kontakte zu anderen Kulturen haben ihn geprägt und auch sein eigenes Klavierspiel verändert.

Autodidakt im Klavierspiel

Dabei stammt Matthias Frey nicht unbedingt aus einer musikalischen Familie. Als er neun Jahre war, schickten ihn seine Eltern zum Klavierunterricht, doch nach einem Jahr wollte er nicht mehr. Heute bezeichnet er es als Glück, dass seine Eltern zum Üben für zu Hause ein Klavier angeschafft hatten, welches in einem Werkraum stand. „Ohne Kontrolle und Zwang habe ich mich dann später alleine drangesetzt und von selbst gelernt“, erzählt er. Mit 17 Jahren ist er nochmal ans Konservatorium, um etwas über Harmonielehre und Musiktheorie zu lernen.
Es sind die kleinen glücklichen Fügungen, die Matthias Frey dahin führten, wo er heute ist. Mit 23 Jahren konnte er im Auftrag des Goethe-Instituts auf Welttournee gehen. In der 80er Jahren kam erstmals das ZDF auf ihn zu, weil seine besondere Musik zu einem Filmprojekt passen würde. So kam er zur Filmmusik. „Ich bin sozusagen ungehemmt und unbelastet in dieses Geschäft gekommen“, erinnert Frey sich. Und irgendwann vor 30 Jahren fand er im Apfelhof bei Bärbach sein neues Zuhause und die Möglichkeit, ein eigenes Tonstudio aufzubauen.

Kreativer Austausch mit anderen

Doch zurück zu seinen Kontakten – auf seiner Welttournee war ihm nicht nur daran gelegen, seine eigenen Konzerte zu spielen, sondern auch die Musiker vor Ort kennen zu lernen. „Wenn man sich anderen Kulturen öffnet, dann ist dies keine Einbahnstraße“, erzählt er. Und so entstanden mit anderen Künstlern ungewöhnliche Projekte, neue Ideen und ein immenser kreativer Austausch. Neben dem klassischen Klavierspiel nutzt Frey inzwischen das ganze Instrument mit seinen Tasten und Saiten, um eine Vielfalt an Klangfarben zu erzeugen. Und so schlägt er die Saiten an und entführt nach Afrika, reibt mit einem Feuerzeug über die Saiten und man befindet sich kurzerhand in China oder streicht mit Holzstäbchen. Das Klavier erwacht klanglich zu völlig neuem Leben.

Jahrmarkt der Sinne

In Katzenelnbogen veranstaltet er seit vielen Jahren das Weltklangfestival und daher kam der Kontakt zu Harry Fenzl vom Caritasverband. So entstand auch die Verbindung zum Jahrmarkt der Sinne. „Das ist eine schöne Zusammenarbeit, ein menschliches und harmonisches Zusammenwirken“, so Frey. Zu Beginn ging es darum, den Bischofsgarten in irgendeiner Art und Weise erlebbar zu machen. Nach und nach entstand die Idee des Sinnerlebnisses. Und Musik ist ein Teil davon.
Insgesamt werden 13 Musiker auftreten, mal in festen Formationen, mal völlig frei im Zusammenspiel. „Das Publikum sollte darauf vorbereitet sein, dass es Überraschungen gibt.“ Dabei ist es Frey selbst auch wichtig, immer wieder Instrumente zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. „Kuriose Besetzung“ nennt er dies. Durch solche Projekte entstünde eine Offenheit, die neue Dinge entstehen lässt. Daher nennt er das ganze auch einen „musikalischen Begegnungsaustausch.“

Das ist für ihn auch der Reiz an einem solchen Festival – die Menschen zusammenbringen und etwas Kreatives entstehen zu lassen. Doch sein Einsatz ist auch mit großen Herausforderungen verbunden, da die Künstler weltweit verbreitet sind und sie dann zusammenzubringen, ist mit logistischen und finanziellen Aufwand verbunden. Die Kommunikation findet auf Deutsch und Englisch statt, ein ganz klein wenig Spanisch kann Frey auch. „Aber wenn es ans Musikmachen geht, wird die Sprache nebensächlich“, so Frey.

Die Besucher vom Jahrmarkt der Sinne dürfen gespannt sein, was bei diesem kreativen Aufeinandertreffen der verschiedenen Musiker herauskommt.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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