Jean-Luc Bannalec – Fälle von Kommissar Dupin

Als 2012 der erste Fall von Kommissar Dupin erschien, war es recht schnell um mich geschehen. Seitdem erwarte ich jeden neuen Fall mit Sehnsucht.
Meine Affinität zu Frankreich hat Jean-Luc Bannalec noch verstärkt und in mir eine Sehnsucht nach der Bretagne ausgelöst, der ich bereits in diesem Jahr einmal nachgegangen bin und die mich auch nächstes Jahr im Urlaub wieder zieht.

Kommissar Dupin ist ein Pariser, der zwangsversetzt im Süden der Bretagne landet am Ende der Welt, wie die Bretonen selbst sagen. Diese sind ein Völkchen für sich und Dupin muss sich erst mit ihren Eigenheiten vertraut machen, welche er manchmal absonderlich findet, zu Beginn noch hinterfragt und es irgendwann nur noch hinnimmt. Im zur Seite steht ihm seine Sekretärin Nolwenn, welche sich patent um alles kümmert, stets weiß, was der Kommissar will, bevor er fragen kann und ihm manchmal hellseherisch erscheint. Gemeinsam ermitteln mit ihm die Inspektoren Riwal und Kadeg, mit ihren jeweiligen Eigenarten.
Neben den Fällen auf dem Festland verschlägt es den Kommissar oft auf die bretonischen Inseln – und das Hinkommen mit dem Boot ist ihm zutiefst verhasst, denn auf dem wilden Meer ist alles ein Spielball der Natur.

Unberechenbare, nicht zu bändigende Wellen
Unberechenbare, nicht zu bändigende Wellen

Von diesen unbändigen Wellen bekam ich einen Eindruck bei meinem diesjährigen Urlaub im Norden der Bretagne. Diese hat mir so gut gefallen, dass ich im nächsten Sommer auf den Spuren von Dupin wandeln möchte.

Facettenreicher Charakter des Kommissars

Der Kommissar als Städter ist ein sehr vielseitiger Charakter, den ich sofort ins Herz geschlossen habe. Ohne Kaffee geht gar nichts und am liebsten wird der erste in einem Schluck genommen, bevor er es mit der zweiten Tasse langsamer angehen lässt. Daher rühren Magenprobleme, die ihn zu den unmöglichsten Zeiten zwicken und zwacken. Tief in einer Ermittlung drin, vergisst er das Essen, vergisst seine Familie und Freunde, vergisst alles um sich herum. Seine Mitmenschen befinden sich mit ihm in einem Gespräch, doch wenn ihm ein Gedanke kommt, lässt er die Leute einfach stehen und marschiert davon. Es sind dabei die langen, einsamen Spaziergänge, in denen er die Enden der einzelnen Fäden des Falles entwirrt, entknotet und neu sortiert. Seine gedankliche Unterstützung ist dabei sein Clairefontane-Heft, in dem er sich alles notiert, scheint es  noch so unwichtig. Ein sehr facettenreicher Charakter, der mich persönlich immer wieder überrascht.

Bretonische Verhältnisse – ein Fall für Kommissar Dupin

Mit diesem Buch fing alles an. Im malerischen Künstlerdorf Pont Aven wird an einem heißen Julimorgen der Besitzer des berühmtesten Hotels am Platz brutal erstochen aufgefunden. Kommissar Dupin stößt in der bretonischen Sommeridylle auf ungeahnte Abgründe. Recht bald wird eine zweite Leiche gefunden. Während sich der Druck von Seiten der Öffentlichkeit her verschärft, schweigen die Dorfbewohner beharrlich.

Bretonische Brandung – Kommissar Dupins zweiter Fall

Zehn Seemeilen vor Concarneau: Die sagenumwobenen Glénan-Inseln wirken mit ihrem weißen Sand und kristallklarem Wasser wie ein karibisches Paradies – bis eines schönen Maitages drei Leichen angespült werden. Das hatte Kommissar Dupin gerade noch gefehlt: eine wackelige Bootsfahrt am frühen Morgen, ein nervtötender Präfekt, zu wenig Kaffee und keinerlei Anhaltspunkte. Wer sind die drei Toten am Strand? Wurden sie Opfer des nächtlichen Unwetters? Alles deutet auf einen Tot durch Ertrinken hin. Doch die Ermittlungen führen den Kommissar tief in die Geschichte der Inseln und ihrer eigensinnigen Bewohner und bringen eine dramatische Gewissheit ans Licht.

Bretonisches Gold – Kommissar Dupins dritter Fall

In den spektakulären Salzgärten auf der Guérande-Halbinsel geht gerade die Sonne unter. Der Veilchenduft des Fleur de Sel liegt in der Luft und erzeugen bisweilen Wahnvorstellungen. So zumindest kommt es Dupin vor, als plötzlich auf ihn geschossen wird. Dabei wollte er sich in den Salinen nur nach ein paar mysteriösen Fässern umsehen, auf die ihn die befreundete Journalistin Lilou Breval aufmerksam gemacht hat. Und plötzlich verschwindet sie. Bei dieser bisher persönlichsten Ermittlung stößt Dupin auf falsche Alibis, gewaltige Interessenkonflikte, dramatische Zerwürfnisse -und  immer wieder auf urbretonische Geschichte.

Bretonischer Stolz – Kommissar Dupins vierter Fall

Am malerischen Fluss Belon, wo die weltberühmten Austern gezüchtet werden, entdeckt eine eigensinnige alte Filmdiva kurz vor Ostern die Leiche eines Mannes. Kurze Zeit später erreicht Kommissar Dupin ein Anruf aus den sagenumwobenen Hügeln der Monts d`Arrée, wo ebenfalls ein Toter gefunden wurde. Niemand kennt seine Identität. Als sich herausstellt, dass die Spuren zu keltischen Brudervölkern, einer Sandraub-Mafia und rätselhaften Druiden-Kulten führen, ahnt der Kommissar: Dies wird sein aberwitzigster Fall.

Bretonische Flut – Kommissar Dupins fünfter Fall

Nie wieder wollte Kommissar Dupin auf dem Meer ermitteln. Doch in seinem neusten Fall verschlägt es ihn an einem strahlend schönen Junitag vor die äußerste Westküste der Bretagne. Innerhalb weniger Stunden werden drei Tote gefunden, welche auf den ersten Blick scheinbar nichts gemeinsam haben. Vor atemberaubender Kulisse- zwischen den Inseln Moléne, Ouessant und der Bucht von Douarnenez – ermittelt der Kommissar und seine Inspektoren in einem rätselhaften Fall, der ihnen alles abverlangt, auch das Überschreiten der eigenen Grenzen.

Obwohl im diesem aktuellen Fall die Figuren wieder wunderbar gezeichnet sind und ihr typisches Beibehalten haben, auch die Geschichte der Bretagne sowie die landschaftlichen Besonderheiten nicht zu kurz kommen, hat mir dieser aktuelle Fall so gar nicht gefallen. Er war sehr durcheinander und am Ende sehr verworren, so dass ich mich fragte, was mir der Autor damit sagen will. Da hat er einiges verschenkt, wobei der Ansatz richtig gut war.
Alle Bücher sind beim Kiepenheuer & Witsch Verlag erschienen. Jedes Cover ist in einem anderen Blauton gehalten und spiegelt die vielen Facetten des Atlantiks wieder, der die Bretagne umgibt. Beim Lesen nimmt der Auto den Leser mit in die Bretagne, so dass zumindest ich zeitweise das Gefühl hatte, vor Ort zu sein und die salzige Luft des Atlantiks riechen zu können.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.