Jüdischer Rundweg in Diez

Zum ersten Mal in der 50-jährigen Schulgeschichte begaben sich die Schüler, Lehrer und Gäste des Sophie-Hedwig-Gymnasiums auf einen Rundgang zu Orten des jüdischen Glaubens und Lebens in Diez. Diese Wanderung stellte den Auftakt zur Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Diez und die Integration in den Unterricht dar.

Spuren von Juden in Diez führen bis in das Mittelalter zurück. Die neuzeitliche Gemeinde entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert, die Zahl der jüdischen Einwohner nahm im 19. Jahrhundert kontinuierlich zu und machte 2,9% der Diezer Bevölkerung aus. Ende des 18. Jhd. befand sich der Sitz des Landesrabbiners von Nassau-Oranien in Diez, wurde später jedoch verlegt. In der jüdischen Gemeinde Diez gab es eine Synagoge, eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Die jüdischen Bewohner übten zahlreiche Berufe aus. Jahrhundertelang gab es ein friedliches Zusammenleben in der Bevölkerung bis hin zu einem gemeinsamen Nationalstolz im 19. Jahrhundert und während des ersten Weltkrieges.

Mehr Informationen dazu finden sich auf http://www.alemannia-judaica.de/diez_synagoge.htm

An dieses friedliche Miteinander, aber auch an die Zerstörung der jüdischen Stätten erinnerten die Lehrer und Schüler des Sophie-Hedwigs-Gymnasiums bei einem Rundgang durch Diez. Dabei gab es nicht nur die trockenen Informationen, sondern diese konnten untermalt werden durch Augenzeugenberichte, die in den Stadtarchiven gefunden worden sind.

Neben Jens Reutzel, Ethiklehrer und Initiator des Projektes beteiligten sich die Geschichtslehrer, Christa Pullmann von der christlich-jüdischen Zusammenarbeit Limburg, Dr. Meurer vom Museum im Grafenschloss und viele Interessierte sowie Schüler der 12. Klasse an dieser Wanderung.

Alle Beteiligten haben den Wunsch, dass Stolpersteine in Diez Zeugnis geben von den Menschen, die dort lebten und mehr Erinnerungstafeln darauf hinweisen, wo das jüdische Leben in Diez stattfand, die aber auch daran erinnern, welche Schande Diez 1935 in einem progromischen Akt auf sich geladen hat, als 41 Bewohner des Waisenhaus vertrieben worden sind.

Jens Reutzel könne sich sehr gut vorstellen, dass der Wanderweg fest ausgezeichnet wird und dadurch die Schüler direkt vor Ort etwas über Akzeptanz und Toleranz lernen.

Den ganzen Bericht zu dem Wanderweg gibt es morgen in der NNP.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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