Jungaale in die Lahn ausgesetzt

Um den Bestand an Aalen in der Lahn vor dem Aussterben zu bewahren, haben die Mitgliedsvereine der Interessengemeinschaft Lahn (IG Lahn) am Dienstag 285 Kilogramm Jungaale an verschiedenen Stellen in die Lahn ausgesetzt.

Von Marburg bis Lahnstein haben Winfried Klein , Vorsitzender der IG Lahn sowie die Gewässerwarte der einzelnen Abschnitte insgesamt 285 Kilogramm Jungaale ausgesetzt. Dafür investiert die IG Lahn 12.000 Euro. Diese Aktion ist notwendig zum Erhalt der Biodiversität und damit der Bestand der Aale nicht zum Erliegen kommt. Durch die Stauungen der Gewässer und die vielen Wasserkraftwerke auf den Wanderwegen der Aale ist heute der natürliche Kreislauf für die Aale leider nicht mehr gegeben.

Einmal Meer – Süßwasser und zurück

Die Aale schlüpfen in der Sargassosee (östlich von Florida) und schwimmt mit dem Golfstrom als Weidenblattlarve bis an die Küsten von Europa. Im Brackwasser durchlaufen diese blattähnlichen Larven eine Metamorphose zum Glasaal. Dann ist der Aal fünf bis sechs Zentimeter und durchsichtig wie Glas. Im Süßwassersystem verteilt er sich über ganz Europa und wächst heran. Kommen die Glasaale ins Laichalter, dann machen sie eine erneute Metamorphose durch zum sogenannten Blankaal. Die Augen werden größer und passen sich für das später Tiefsee-Sehen an und von der Färbung her wirkt er silbern. Er lässt sich im Strom treiben und möchte zurück ins Meer, um von dort wieder zum Laichen in die Sargassosee zu schwimmen.

Kaum noch Aalwanderung

Leider ist die Rückwanderung der Aale fast zum Erliegen gekommen. Wenn sich die Blankaale mit dem Strom treiben lassen, dann geraten sie häufig in die Turbinen der Wasserkraftwerke, wo sie geschreddert werden. 40 bis 80 Prozent der Bestände werden in diesen Anlagen getötet. Würden die Anlger nicht jedes Jahr Aale in die Lahn aussetzen, wäre dieser Fisch schon längst nicht mehr zu finden, ist sich Winfried Klein sicher. Es ist ein Stück weit mit viel Idealismus verbunden. Aber Klein sagt auch, dass dies gut für die Natur ist. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und unterstützen den Kreislauf“, so Klein.
Die Glasaale wurden an den Flussmündungen der Atlantikküste in Spanien, Frankreich oder auch in Deutschland an der Ems gefangen und dann in einer speziellen Aufzuchtanlage des Deutschen Fischereiverbandes in Halstenbek bei Hamburg zu zehn Zentimeter langen und bis etwa zehn Gramm schweren Jungaalen herangezogen. Mit dieser Größe sind die Jungaale bereits ein wenig robuster für das Leben in der Lahn. „Es muss was getan werden, sonst verlieren wir den Aal“, so Klein zum Abschluss.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

4 Gedanken zu „Jungaale in die Lahn ausgesetzt

  • 9. Mai 2018 um 19:11
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    Wie gelangt denn der Aal über das Lahnsteiner Wehr?

    Über die nicht vorhandene Fischtreppe oder durch die Schleuse die ja nur tagsüber zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet ist – also in einer Zeit zu der die Aale eher nicht wandern.

    Bleibt also nur der Weg durch die Turbine, denn da führt die Leitströmung die Fische hin…
    Und das überleben die Fische nicht.

    Solange die Fischtreppe mit einer Funktionierenden Auf- und Abstiegshilfe in Lahnstein immer wieder versprochen, aber nicht gebaut wird ist der Besatz mit Aalen nur rausgeschmissenes Geld.

    Sicherlich lassen sich damit schöne Schlagzeilen produzieren, aber immer mehr Mitglieder der Angelvereine lehnen den Besatz von Aalen ab und das aus gutem Grund!
    Erstens sind es ihre Mitgliedsbeiträge die dort verpulvert werden, zweitens ist ja die Lahn aufgrund der Stauhaltung und der Altlasten im Schlamm ja auch nicht der sauberste Fluss.
    Und der Aal lagert diese Umweltgifte in seinem Fett ein und die gelangen so in den Nahrungskreislauf.
    Wenn denn man Aal gefangen wird, denn die Fänge der Angler sind verschwindend gering und das trotz jahrelangem Besatz.

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    • 10. Mai 2018 um 8:37
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      Vielen Dank für ihren Beitrag. Ja ich denke mir, hinter diesem Besatz steckt auch sehr viel Idealismus, um den Aal weiterhin in der Lahn vorfinden zu können. Wenn ich das nächste Mal die Angler treffe, frage ich mal nach, wie allgemein die Zustimmung für diese Aktion aussieht.

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  • 11. Mai 2018 um 5:42
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    wenn man bedenkt das der aal 20 jahre in der lahn bleibt ,dann besteht hoffnung das bis dahin jedes wehr eine funktionierende fischtreppe hat !

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    • 11. Mai 2018 um 5:53
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      Eventuell findet ja auch irgendwann ein Einsehen bei den Wasserwerk-Betreibern statt, dass die Pausen im Betrieb einlegen, so dass die Aale wandern können.

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