Wackelnde Boden und pointierte Reden – Kappensitzung beim Rauchclub 1884 e.V.

Die Kappensitzung beim Rauchclub ist ein Highlight. Ein rasanter Mix aus Tänzen, Zwiegesprächen und brillanter Büttenreden. Die Zeit vergeht wie im Flug, aus dem Lachen kommen die Besucher kaum heraus und die Leidenschaft für die Fastnacht ist bei jedem zu spüren. 

Pünktlich um 19.31 Uhr ging es los und die erste von sechs Kappensitzungen startete beim Rauchclub 1884 e.V. Die nächsten fünf Stunden gab es einen kurzweiligen Mix, bei dem für jeden etwas dabei war. Die Tänze rissen mit, die Pointen kamen auf den Punkt und die Vor-Ort-Begebenheiten wurden in den Büttenreden mit dem nötigen Humor vorgetragen. Die Sitzungen beim Rauchclub zählen eindeutig zu den Klassikern in der Region. Amüsant führten Markus Kiesewetter, Peter Meurer und Nicola Bischof durch die Sitzung.

„Ist das nicht meine Aufgabe?“

Dass es sich bei Jürgen Fritsche als Chroniker nicht um ein One-Hit-Wunder handelte, stellte er mit Bravour unter Beweis. Für mich zählte er mit zu den Höhepunkten der Sitzung. Im letzten Jahr war er die größte Überraschung beim Rauchclub. Auch in diesem Jahr blickte er auf die Geschehnisse in den letzten zwölf Monaten zurück. Wortgewandt und bissig zeigte er die teilweise politischen Absurditäten auf vom Brexit über die Unabhängigkeit der Katalanen, vom G20-Gipfel bis zur Bundestagswahl. Völliges Unverständnis zeigte er dafür, dass sich Politiker gegenseitig beleidigen. „Ist das nicht meine Aufgabe?“, fragte er ins Publikum, „Was mache ich denn dann?“ Seine Büttenrede ist eine absolute satirische Hochglanzleistung und ich freue mich darauf, ihn auch in den nächsten Jahren auf der Rauchclub-Bühne zu sehen. Während er einen Blick auf das internationale und nationale Geschehen wirft, nahm sich die Protokollantin Alexandra Meurer als Müllfrau die Geschehnisse in Limburg vor.

„Ich will meine alte NNP wieder“

Sie beklagte die fehlende eigene Kultur in Limburg. „Wenn Limburg feiert zum Oktoberfest, dann kommen alle als Bayern daher“, so Meurer. Beim Neumarkt handelt es sich um eine unendliche Geschichte, im Rathaus sind zu viele Besserwisser, der Europaplatz bleibt bei jeder Erneuerung stets der Alte und für die Ampeln ist Limburg das größte Versuchslabor Deutschlands. „Wie viele Ampeln sind notwendig, dass fließender Verkehr nicht mehr funktioniert“, fragte sie in die Runde. Ein Schicksalstag für ihre Ehe war der 16. Juni mit dem neuen Design der NNP, als „ihr“ Blick in die Welt und der Sport auf den gleichen Seiten landete. Sie hätte gerne ihre alte NNP wieder.

Ohrwürmer und Generationskonflikte

Den süßesten Ohrwurm gaben die Rauchclub Minis, welche in den verschiedenen Kategorien ihre Ohrwürmer verliehen. Mit bekannten Liedern von Roland Kaiser, Nena, Modern Talking, Mary Poppins sowie Rodgau Monotones. Um Nachwuchs auf den närrischen Brettern braucht sich der Rauchclub nicht zu sorgen.
Ihr Debüt im Zwiegespräch „Generationskonflikt“ gaben Nils Kiesewetter und Layla-Noreen Lachnit. Sie zeigten sehr amüsant auf, wo es Verständnisprobleme mit den Eltern geben kann. Ist es das fehlende WLAN-Kabel, die Aufklärungsgespräche oder ein zu hohes Sicherheitsdenken – wenn Kinder und Eltern aufeinander stoßen, gibt es verschiedene Blickwinkel auf ein Thema. Dies kam sehr gut beim Publikum an.
Zwischen diesen Auftritten fegten die Musketiere über die Bühne und entführten in die Welt der Filme. Jeder Besucher kannte die Melodien aus James Bond, Dirty Dancing, Ghostbusters oder E.T. Auch als Gardetänzer gönnten sie den Bühnenbrettern keine Ruhe und brachten sie zum Beben.

Man müsste ein Elzer sein

Wird eigentlich gerne gegen die Elzer Blechköppe gestichelt, drehte Dr. Klaus Wolf den Spieß diesmal um. Er gewann feinsten Elzer Sand und verkaufte diesen. „Der Limburger Dom und die Häuser alle drumherum würden ohne den Elzer Sand zusammen fallen.“ Und am liebsten macht er einen weiten Bogen um Limburg herum. Da erklang am Ende auch die Melodie des Elzer Kirmesliedes.
Pfarrer Friedhelm Meudt, der immer ein gern gesehener Gast ist und durch seine witzigen Reden bekannt ist, kam als Primadonna auf die Bühne und bot auch gesangliche Elemente dar. Vom Dietkirchener Friedhof zur Solosängerin im Kirchenchor, von der Lubentiusdrossel zur Sängerin in der Met erlebte er einige amüsante Begebenheiten.
Die Urgesteine auf der Bühne – Hannelore Reusch und Karin Stolle gingen in ihrem Zwiegespräch in der Apotheke auf allerlei Wehwehchen ein. Boris Frohne und Thomas Adamzent spielten einfach sich selbst und nahmen die Besucher auf ihren letzten Urlaub mit. Wer die beiden kennt, merkte keine großen Unterschiede zu ihren normalen Unterhaltungen.

Brodelnde Stimmung und Heiterkeit

Von Anfang an herrschte eine gute Stimmung im Kolpinghaus und die Besucher schunkelten und sangen mit. Die Jungs von den Nice Guys aus Eschhofen strapazierten mit ihren Texten die Lachmuskeln. Und es war selbstverständlich, dass die Hände klatschten bei den verschiedenen Tänzen. Der Damen-Elferrat ließ ABBA aufleben und die Damen zeigten, dass sie sehr wohl „Dancing Queens“ waren. Nicht fehlen darf auch das Tanzmariechen Jessica Hies, die jedes Jahr begeistert. Rasant flogen die Beine bei den Waldgeistern und der Balalaika. Ebenfalls in ein fremdes Land zog es die Herren, die in feinen Saris und rotem Punkt auf der Stirn á la Bollywood ihren Bauchspeck wackeln ließen. Ein herrlicher Anblick. Und der Rauchclub wäre nicht der Rauchclub, wenn am Ende nicht nochmal alle zum Finale auf die Bühne kämen, um gemeinsam mit dem Publikum zu singen.

Es war eine tolle erste Sitzung, hinter der ein hohes Engagement steckt. Ich wünsche allen Besuchern noch eine tolle Sitzung!

Fotos zur Sitzung findet ihr hier in der Fotostrecke.

Ihr habt für dieses Jahr keine Karten mehr bekommen? Dann könnt ihr bereits auf der Internetseite vom Rauchclub nach den Terminen für 2019 schauen.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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