Landwirtschaft damals und heute: Gewaltige Veränderungen in allen Lebensbereichen

Am gestrigen Sonntag besuchte ich die Ausstellung „Landwirtschaft damals und heute“ des Verschönerungsvereins Oberweyer. Sehr anschaulich stellte die Ausstellung dar, welche Umbrüche es in den vergangenen 60 Jahren in Oberweyer gab.

Es ist gerade mal 60 Jahre her, da zählte das Dorf noch 19 Vollerwerbslandwirte und 36 Nebenerwerbslandwirte. Aus der Luft sahen die Felder wie kleine Flickenteppiche aus, da jeder nur kleine Landflächen besaß. An jedem Haus befand sich eine Scheune, in der die Tiere untergebracht waren. Der größte Teil der Flächen wurde von den Dorfbewohnern bewirtschaftet, um die Tiere zu versorgen.
Heute gibt es nur noch einen Vollerwerbslandwirt in Oberweyer und drei Scheunen werden als Scheunen genutzt. Die restlichen Scheunen wurden umgebaut oder abgerissen. Eine Luftaufnahme zeigt riesige Felder ohne Unterteilung.

Alte Gerätschaften zum Anfassen

Diese Fakten waren grafisch sehr schön aufgearbeitet. Ein Plan der Feuerwehr aus den 50er Jahren zeigte demnach die Scheunen und Stallungen. Dieser Plan wurde angefertigt, da die Feuerwehr ausmessen wollte, was sie an Schläuchen benötigen würde, um in einem Brandfall an jeder Stelle des Dorfes löschen zu können.
Neben den alten Fotos und Landkarten boten die Mitglieder im Dorfmuseum auch Aktionen zum Anfassen an. Imker Peter Stecker brachte ein Bienenvolk mit zum Ansehen und hatte eine alte Honigschleuder dabei, die die Besucher auch selbst betätigen konnten. Dabei stellte manch Besucher fest, dass dies gar nicht so einfach sei.

An einer alten Schleuder konnten Besucher Hand anlegen und Honig aus den Waben herausschleudern.
An einer alten Schleuder konnten Besucher Hand anlegen und Honig aus den Waben herausschleudern.

Auf der Straße vor dem Museum konnten die Besucher alte Geräte der Landwirtschaft bestaunen wie alte Milchkannen oder Heuwender. Die Traktorfreunde aus Niederhadamar waren mit ihren Fahrzeugen vor Ort und zeigten, wie mit Hilfe der Traktoren Sägemaschinen oder auch Feuerstellen betrieben wurden.

Die Traktorfreunde Niederhadamar betrieben mit ihren Traktoren alte Maschinen wie hier den Feuerplatz und machten alte Landwirtschaft anschaulich.
Die Traktorfreunde Niederhadamar betrieben mit ihren Traktoren alte Maschinen wie hier den Feuerplatz und machten alte Landwirtschaft anschaulich.

Lebhafte Erinnerungen

Winfried Martin, Vorsitzender vom Verschönerungsverein, erinnerte sich noch sehr gut daran, wie er mit zehn Jahren mit dem Fuhrwerk aufs Feld gefahren sei. Heute würde niemand mehr einen Zehnjährigen mit einem Kuhfuhrwerk losschicken. Zu jedem Bild wusste er etwas zu erzählen. Bei der Heuernte habe das ganze Dorf noch mitgeholfen. In den 60er Jahren kamen dann die ersten Mähdrescher mit einer Mähbreite von 1,80 Meter. Dies sei eine große Erleichterung gewesen, aber nichts zu den riesigen Mähdreschern heute.
Doch mit den Veränderungen der Landwirtschaft habe sich auch das dörfliche Leben gewaltig verändert. Früher habe man sich ständig gesehen, es war ein großes Miteinander und die Bewohner haben sich gegenseitig geholfen, erinnerte sich Martin. Heute sei dies alles nicht mehr notwendig, so Martin. Die Veränderungen ziehen sich durch alle Bereiche, angefangen bei der Kirche bis reine in die Gesellschaft. Während die Kinder großes Interesse an den Traktoren und Maschinen auf der Straße hatten, zog es die Erwachsenen ins Museum. Vor allem die älteren Besucher standen vor den Fotos und versuchten, die abgebildeten Personen zu erkennen und schwelgten selbst in Erinnerungen.

Das sonnige Wetter lockte viele Besucher an und die Straße vor dem Dorfmuseum war voll. In solch einer Ausstellung steckt immer sehr viel Engagement und Arbeit. Dies war die zweite Ausstellung, die ich vom Verschönerungsverein besucht habe und ich kann dies nur empfehlen.

 

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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