Lily King: „Vater des Regens“

In ihrem neuen Buch „Vater des Regens“ schreibt Lily Kind über eine zerstörerische Beziehung zwischen Vater und Tochter. Lily King ist eine faszinierende Autorin, von der ich in diesem Jahr bereits den internationalen Bestseller „Euphoria“ las. Vom Verlag C.H. Beck erhielt ich das Buch als Leseexemplar, worüber ich mich sehr freute.

Inhalt: Daley Amory erlebt als 11-jährige die Trennung ihrer Eltern. Ihr Vater ist zwar charismatisch, aber in der Weltanschauung der 80er Jahre steckengeblieben. Er ist zudem selbstzerstörerisch und ersetzt seine alte Familie schnell durch eine neue. Darunter leidet die 11-jährige in den folgenden Jahren. Dennoch gelingt es Daley, ein eigenes Leben und eine Liebesbeziehung aufzubauen. Auf eine gefährliche Weise bleibt sie jedoch auf ihren Vater fixiert sowie auf die Vorstellung, ihm helfen zu müssen. Nur mühsam kann sie sich aus diesen Verstrickungen befreien.

Lily King gelang ein subtiler und herzzerreißender Roman über die tragisch-unverrückbare Liebe einer Tochter zu ihrem manipulativen Vater. Der Roman zeigt, wie unentrinnbar Bindungen in der Familie sein können.

Schwierige Vater-Tochter-Beziehung über Jahrzehnte hinweg

Daleys Eltern trennen sich und sie geht mit ihrer Mutter. An den Wochenenden ist sie bei ihrem Vater. Der Leser steigt ein in ein schwieriges Beziehungsgeflecht, dem er sich nicht entziehen kann. Daley liebt ihren Vater, der immer ein Zwinkern für sie übrig hat und jederzeit für ein Späßchen zu haben ist. Sie hasst es, wenn er sie zum Tennis zwingt, was sie nicht kann und wenn er jähzornig ist. Kommt sie nach den Wochenenden von ihrem Vater zurück zur Mutter, ist sie innerlich zerrissen, aufmüpfig und in sich gekehrt. Die Mutter übersieht diese Anzeichen jedoch komplett. Dennoch gelingt es Daley, sich diesem Geflecht zu entziehen, geht zur Uni, macht ihren Abschluss und einen Professorenstelle wartet auf sie. Da kommt der Hilferuf ihres alkoholkranken Vaters dazwischen und sie möchte nur ein paar Tage zu ihm, bleibt dann aber, weil sie der Meinung ist, ihm helfen zu können.

Geschichte mit Sog auf den Leser

Sehr fein webt Lilly King mit ihren Worten dieses zerstörerische Geflecht der Beziehung. Mit den Taten des narzisstischen Vaters möchte man teilweise mit lachen, weil sie zu komisch sind. Um dann zwei Seiten weiter zu erkennen, dass dies nur eine neue Handlung auf dem Weg der Selbstzerstörung war. Ich konnte Daley nachfühlen, ihre Beweggründe verstehen und wollte ihr doch gleichzeitig zurufen, dass sie sich dies nicht antuen soll. Zwischendurch tat sich auch bei mir die Frage auf, was ich bereit wäre zu opfern. Am Ende muss der Vater erst über griffig werden, damit Daley sich ihm entziehen kann.
Das Ende kam für mich ein wenig zu kurz – es ist vorbei, aber das Buch hallt in mir nach und arbeitet in mir. Lily King hat in ihrem dritten Roman faszinierende Charaktere geschaffen, die sie mit großem sprachlichen Können zum Leben erweckt. Sie entwickelt einen Sog mit ihrem Roman, dem man sich nur schwer entziehen kann. Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Gebundene Ausgabe, 21,95 €, 399 Seiten
Erschienen im C.H.Beck Verlag

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Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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