Livereporterin auf Sommertour – Oberflächlicher Journalismus?

Eigentlich wollte ich nur einmal die Woche eine Zusammenfassung meiner Sommertour schreiben, doch die Erlebnisse der ersten zwei Tage in dieser Woche lassen mir keine andere Wahl. Ich habe heute etwas erlebt, wo ich jetzt noch den Kopf am schütteln bin. Mir wurde vorgeworfen, oberflächlichen Journalismus zu betreiben, weil ich die Meinung von Bürgern abgedruckt habe. Aber beginnen wir von vorne.

Der Gedanke der Sommertour

Seit letzter Woche bin ich auf Sommertour. Ich stelle mich auf einen öffentlichen Platz in den verschiedenen Gemeinden und die Bürger können zu mir kommen, um mit mir zu reden. Jeder kann zu mir kommen. Im Vorfeld der Tour wurde darauf aufmerksam gemacht und in jedem Artikel findet sich der Standort des Tages. Die Termine sind öffentlich und in den sozialen Medien sage ich auf den verschiedenen Kanälen, wo ich immer unterwegs bin. Auch nutze ich private Kontakte, um mein Kommen anzukündigen.
Ich weiß selten, wer den Weg zu mir findet. Ich weiß weder, ob es sich um den stadtbekannten Meckerer handelt, ob es irgendwelche Zwistigkeiten gibt oder einen Groll, weshalb die Menschen mit mir ins Gespräch kommen.
Das Konzept hinter der Sommertour besteht darin, dass wir nahe an den Leser herankommen. Direkt am nächsten Tag gibt es eine Zusammenfassung meiner Gespräche.

Nachhaken von Themen

Bei den verschiedenen Themen hake ich nochmal nach, suche den Kontakt zu den Personen, die mir Auskunft geben können. Da Ferienzeit ist, erreiche ich diese nicht immer direkt, da sie sich im Urlaub befinden. Volle Terminkalender sorgen für weitere Verschiebungen. Aber ich habe bereits schon Termine für Gespräche in den nächsten Tagen. Dies sind Dinge, die laufen im Hintergrund ab. Von denen bekommt der Leser erstmal nichts mit. Diese kommuniziere ich auch nicht öffentlich. Aber ich bin dran. Leider kann sich dies unabhängig vom ersten Artikel ein wenig hinziehen.

Oberflächlicher Journalismus

Auf Twitter habe ich den Artikel von meinem Halt in Hundsangen gepostet. Eine Reaktion darauf:

Schade, dass #Lokaljournalismus immer oberflächlicher wird.

Natürlich habe ich nachgefragt, was damit gemeint sei und ob denn Bürger ihre Meinung nicht äußern dürfen. Darauf wurde mir gesagt:

Doch klar. Aber einfach alles drucken, was gesagt wird, ist nicht okay.

Diese Nachrichten stammen von einem Kommunalpolitiker. Unabhängig davon hatte ich dem Ortsbürgermeister eine Email geschrieben, dass ich mich gerne mit ihm treffen wollte, um die angesprochen Themen mit ihm zu erörtern und nachzufragen, wie er dazu stehe. Das anschließende Telefonat war sehr unschön. Ich könne doch nicht einfach drucken, was mir irgendjemand erzähle. Das sei ganz schlechter Journalismus und mit mir möchte er nichts zu tun haben.

Inzwischen hat die Gemeinde Hundsangen ihre eigene Argumentation veröffentlicht – hier nachzulesen. Da ich mir nicht vorwerfen lassen möchte, nicht alle Seiten aufzuzeigen, verlinke ich dies auch gerne hier. Aber ich kann nur anmerken – ich glaube, die haben das Format Sommertour nicht verstanden. Und anstatt mit mir zu sprechen und mir dies darzulegen, versuchen sie mich auf den verschiedensten Ebenen zu diffamieren – dieser Text erschien am am 18.07. auch als Leserbrief in der NNP. Die Beurteilung dieses Verhaltens überlasse ich anderen.

Meinungsfreiheit

In Deutschland besteht Meinungsfreiheit (Artikel 5 des Grundgesetzes), die besagt, dass jeder das Recht auf freie Meinung in Wort, Schrift und Bild besitzt. Dies bedeutet, dass die Bürger, welche zu mir kommen, ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch ihre Kritik an einer Gemeinde äußern dürfen. Ich muss mir keine Erlaubnis bei der Gemeinde holen, ob ich geäußerte Kritik abdrucken darf.
Mir ist jedoch auch bewusst, dass meine journalistische Tätigkeit nicht nur darauf beruht, aufzuschreiben, was mir Bürger erzählen. Daher habe ich den Versuch gestartet, nachzufragen. In anderen Gemeinden funktioniert dies auch. Aber hier bin ich ziemlich abgekanzelt wurden, ich sei keine Journalistin. Ich könne doch nicht einfach drucken was mir die Bürger sagen. Da fühlt sich jemand auf den Schlips getreten. Ich habe wohl einen empfindlichen Nerv getroffen?!

Unschöne Begegnungen

Ich war mir durchaus bewusst, dass es unschöne Begegnungen geben könnte, aber eigentlich dachte ich da eher an die Kritik an unserem Blatt und nicht an sowas. Es war die Woche bereits der zweite Vorfall, denn auch nach meiner Station in Hadamar wurde ich ziemlich angegriffen. Da war meine Wortwahl wohl zu sanft und die Bürger hätten sich mehr Biss gewünscht. Ich hätte es ja nicht so geschrieben, wie sie es gesagt haben. Aber da ihre Kritik sehr viele Beleidigungen enthielten, habe ich mir den Kern ihrer Aussagen herausgegriffen und diesen geschildert.

Aber trotz dieser unschönen Begegnungen gebe ich nicht auf. Journalismus ist informativ, objektiv und wahrheitsgemäß. Dies alles findet sich in meinen Artikeln.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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