Lokalgespräch mit Marion Saltenberger-Jost: „Aus dem eigenen Erleben heraus anderen helfen“

Marion Saltenberger-Jost habe ich über die Songwriterin Hanne Kah kennengelernt. Ihr Sohn Patrick spielt mit in der Band und wenn Hanne Kah auftrat, traf ich auch Marion. Von ihrem ehrenamtlichen Engagement hatte ich keine Ahnung, bis ich über Facebook die Menschen aufrief, mit mir ins Gespräch zu kommen.

Ihr ehrenamtliches Engagement finde ich beeindruckend:

  • 10 Jahre anonymes Sorgentelefon (ASt)
  • 7 Jahre Sozialbüro bei der Caritas
  • 15 Jahre Verein „Gegen unseren Willen“
  • Frauenbeauftragte beim VdK Weyer

Wie kam es zu deinem ehrenamtlichen Engagement?

Marion SJ: Aus dem eigenen Erleben heraus, wo ich mit meinen Problemen immer alleine gewesen bin, entstand in mir der Wunsch, anderen zu helfen. Mir wurde vom Verein „Gegen unseren Willen“ geholfen. Ich unterstützte den Verein dann bei Aktionen und kam von dort aus zum Anonymen Sorgentelefon. Über das Ehrenamt kam ich vor sieben Jahren zur Caritas.

Hattest Du Schulungen, wie du mit den Menschen kommunizierst?

Marion SJ: Beim AST hatte ich über sechs Monate eine Ausbildung mit ganztägigen Seminaren sowie Wochenendseminaren. Auch bei der Caritas fanden im Vorfeld Seminare zur Vorbereitung auf die Arbeit statt.

Welche Probleme haben die Menschen, die beim AST anrufen?

Marion SJ: Alles Querbeet, finanzielle oder bürokratische Probleme, Gewalt oder auch einfach nur Einsamkeit.

Woher nimmst du die Kraft für die Gespräche?

Marion SJ: Das frage ich mich manchmal selbst. Ich laufe sehr gerne, auch für mich alleine. Dies gibt mir Kraft. Zu Beginn haben mich manche Dinge noch lange beschäftigt. Doch heute gehe ich aus dem Büro und lasse die Sachen im Büro zurück.

Gab es Momente, die du nicht handhaben konntest?

Marion SJ: Wenn mich etwas umhauen würde, dann muss ich Abstand gewinnen. Wir haben jedoch jeden Monat Supervisionen, in der wir solche Dinge ansprechen können. Es gibt Momente, wo ich auch einsehen muss, dass ich nicht helfen kann.

Was bedeutet dir die Arbeit insgesamt?

Marion SJ: Ich helfe gerne den Menschen weiter, die alleine nicht klarkommen.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Marion SJ: Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen Verständnis für sozial schwache Menschen haben. Es ärgert mich, wie abfällig sozial schwache oder kranke Menschen teilweise behandelt werden.

Was muss jemand mitbringen, wenn er sich am AST engagieren möchte?

Marion SJ: Nicht jeder ist für das AST geeignet. Manche merken auch erst während der Ausbildung, dass es für sie nicht passt. Man muss authentisch sein und sich in die Menschen hineinversetzen können. Man sollte Mitgefühl mitbringen, aber kein Mitleid. Und niemand sollte eigene Probleme mitbringen, die er noch nicht bewältigt hat.

Für die NNP führte ich ein Interview mit der Leiterin vom AST, Barbara Wiesner sowie mit Marion Saltenberger-Jost. Den Artikel könnt ihr hier nachlesen.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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