Lokalgespräch Sylke Lenerz „ Kunst bedeutet für mich Freiheit

In der Fleischgasse in der Altstadt von Limburg gibt es kleines, aber feines Geschäft. Bereits auf der Straße werden die Passanten neben verschiedenen Dekorationsartikeln von bunten Hühnern angelächelt oder von großen Figuren angesehen. Durch Zufall erfuhr ich, dass die Inhaberin Sylke Lenerz diese Figuren alle selbst herstellt und da war meine Neugierde geweckt. Sie lud mich zu sich nach Hause in ihre Werkstatt ein und gab mir Einblicke in ihre Arbeit.

Arbeiten von Sylke
Arbeiten von Sylke

Kurze Vita:

1984 – 88 Ausbildung zur Porzellangestalterin/ Bossierer in der Porzellan-Manufaktur Meißen
1989 – 90 KPM Berlin
1993 – 94 Couronne Porzellan-Manufaktur, Mogendorf, Herstellung von Architekturporzellan (Frauenkirche Dresden)
1994 – 2008 im Verkauf tätig
seit 2008 „Zauberhaft“ in Limburg

Wie fing Deine künstlerische Tätigkeit an?

Sylke Lenerz: Als ich mit meiner Tochter zu Hause war, begann ich mit meiner künstlerischen Tätigkeit. Zuerst blieb ich bei der Porzellanmalerei nach vorgegeben Motiven. Mein Mann fuhr dann immer nach Koblenz, um die Sachen brennen zu lassen. Doch irgendwann wollte ich nicht mehr. Ich wollte selbst etwas formen. Ich gestaltete Säulen nach Hundertwasser und bunte Hühner, mit denen ich auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs war. 2008 gab mir mein Mann dann den Impuls,  ich selbständig zu machen. Zu Beginn war der kleine Laden jedoch gar nicht für meine Kunst gedacht, sondern für den Verkauf von Deko- und Geschenkartikeln. Ich habe dann für ein freies Regal ein paar meiner Hühner mitgenommen und verkaufte recht viele in der ersten Woche. Also ging es damit weiter.

Warum hast Du Dich vom Porzellan abgewendet?

Sylke Lenerz: Die Arbeit mit Porzellan war Akkordarbeit. Diese tat mir nicht gut. Der Druck war zu hoch und ich bewegte mich in einem eng gestrickten Hamsterrad. Das wollte ich nicht mehr. Die Kombination aus meiner Werkstatt für 2 ½ Tage die Woche sowie dem Laden 2 ½ Tage tun mir gut.

Was bedeutet Kunst für Dich?

Sylke Lenerz: Kunst steht in meinem Leben ganz weit oben. Ich kann meinen Gedanken und Ideen freien Lauf lassen, ohne dass mich irgendjemand darin bremst. Mir werden keine Vorschriften gemacht. Ich kann tun und lassen, was ich will. Das ist das, was ich möchte.

Wodurch bekommst Du Deine Inspirationen?

Sylke Lenerz: Die Künstler Hundertwasser, Gaudi und Klimt inspirieren mich. Ihre Arbeit spricht mich unwahrscheinlich an. Deren Projekte flashen mich total. Manchmal sprudeln die Ideen auch einfach aus mir heraus und dann kann ich ohne Unterbrechung durcharbeiten, wenn ich nicht gebremst werde.

Diese Säulen sind von Hundertwasser geprägt.
Diese Säulen sind von Hundertwasser geprägt.

Du hast Dich inzwischen auf Ton als Material spezialisiert. Warum spricht Dich dieser Werkstoff so an?

Sylke Lenerz: Ich kann Ton formen, in jede Richtung gestalten und eine große Vielfalt damit ausleben. Den Ton kombiniere ich mit Holz, Metall und Glas, male ihn mit verschiedenen Farben an.

Welche Herausforderung gibt es bei der Arbeit mit Ton?

Sylke Lenerz: Bei größeren Objekten muss ich aufpassen, dass keine Lufteinschlüsse mit drin sind. Auch nur bei kleinsten Hohlräumen kann die ganze Figur beim Brennen sprichwörtlich in lauter Einzelteile explodieren. Ich habe viel ausprobiert und habe nun einen Ton gefunden, mit dem dies nicht so schnell passiert.

Fertigst Du Skizzen für Deine Arbeiten an?

Sylke Lenerz: Für manche Arbeiten fertige ich Skizzen an, manche Dinge habe ich im Kopf und setze sie direkt um. Ich mache Fotos von den Arbeiten, wenn ich sie ein weiteres Mal gestalten muss, dienen mir diese als Vorlage.

Für die Limburger Kaffeerösterei Fare Tredici hast Du zwei Kaffeepflückerinnen gestaltet? Woher hast Du Dir die Inspiration geholt?

Sylke Lenerz: Ich habe mich für diese Figuren von Fotos inspirieren lassen. Ich habe sie jetzt nicht so bunt gestaltet, wie sie in wirklich arbeiten, sondern an die Umgebung der Kaffeerösterei angepasst. Bei den Farben habe ich auch zu Gold gegriffen nach dem Motto: „Die Kaffeepflückerinnen sind Gold wert, denn ohne sie gibt es keinen Kaffee.“

Dies sind die zwei Kaffeepflückerinnen
Dies sind die zwei Kaffeepflückerinnen

Deine Keramikköpfe sitzen häufig auf Holzbalken. Kannst Du mir dazu etwas erzählen?

Sylke Lenerz: Die Balken sind alte Eichenbalken von Fachwerkhäusern hier aus der Region. Die verbleiben so, wie sie sind. Mein Mann säubert sie nur und pinselt sie mit Leinöl ein. Die Balken erzählen ihre eigene Geschichte und geben meinen Kunstwerken einen historischen Hintergrund.

Die Keramikköpfe sitzen auf Eichenholzbalken.
Die Keramikköpfe sitzen auf Eichenholzbalken.

Welche Ansprüche hast Du an Deine Kunstwerke?

Sylke Lenerz: Ich möchte Kunst fertigen, die man sieht und versteht. Die einzelnen Elemente sollen nachvollziehbar sein. Mit meiner Kunst möchte ich zudem die breite Masse ansprechen.

In ihrer Werkstatt liegen Gießformen herum, fertige Elemente, welche auf das Bemalen und Brennen warten sowie Skizzen. Metallgegenstände sammeln sich im Regal, für die Sylke bereits Ideen im Kopf hat. Sie gibt mir eine kleine Erklärung zu den einzelnen Arbeitsschritten. Die Figuren werden geformt oder gegossen, dann bemalt und dann kommen sie in den Ofen, wo sie bei 1200°C gebrannt werden.

Wie schnell müssen die einzelnen Arbeitsschritte ablaufen?

Sylke Lenerz: Es ist keine Hektik nötig. Ich kann die Elemente vor dem Brennen lagern, bis neue Ideen kommen. Nach dem Ausformen müssen sie nicht direkt gebrannt werden.

Im Hintergrund die Elemente warten alle auf die weitere Bearbeitung und das Brennen.
Im Hintergrund die Elemente warten alle auf die weitere Bearbeitung und das Brennen.

Sie zeigt mit einige Bilder, wie die Figuren vor dem Brennen bemalt aussehen. Die Farben wirken sehr blass.

Sylke Lenerz: Ich habe im Kopf, wie die Farben dann am Ende aussehen.

Die Arbeiten von Sylke sind sehr vielfältig und bei ihr im Laden „Zauberhaft“ oder auf ihrer Internetseite könnt Ihr Euch einen Eindruck davon verschaffen. Auch auf der Facebook-Seite könnt Ihr Euch umschauen.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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