Lokalgespräch mit Tanja Holzhäuser – Kegeln ist ein Hochleistungssport

Tanja Holzhäuser lernte ich bei den Kegel-Sport-Freunden Hadamar 1978 e.V. kennen. Für mich war kegeln bis dahin eine Art Freizeitbeschäftigung, doch der sportliche Ansporn dahinter war mir nicht bewusst. Daher fragte ich mal bei Tanja Holzhäuser nach, wie sich dieser Sport gestaltet und was ihr daran so gefällt.

Wie lange kegelst du schon?

Tanja Holzhäuser: Ich habe mit 12 angefangen und kegel nun seit 32 Jahren mit längerer Unterbrechung.

Wie bist du zu diesem Sport gekommen?

Tanja Holzhäuser:
Meine Mutter war 1978 Gründungsmitglied vom Verein. Zu den Wettkämpfen mussten wir immer mit. Ich bin damit aufgewachsen. Zwischendurch habe ich sieben Jahre pausiert- erst die Schwangerschaft und mit einem Säugling konnte ich nicht auf Wettkämpfe. Später war es beruflich eine Zeit lang nicht möglich.

Verlernt man in so einer langen Zeit das Kegeln?

Tanja Holzhäuser: Es gibt wenige Naturtalente, die kein Training brauchen. Aber eigentlich fängt man wieder bei null an. Es dauert eine Weile, bis man wieder reinkommt. Die ersten Wochen hatte ich Muskelkater. Doch den habe ich bereits nach drei Wochen Pause. Der Muskelkater in den Beinen tut richtig weh. Im Sommer hatte ich fünf Wochen nicht trainiert und hatte dann nach dem ersten Training fünf Tage Muskelkater.

Was fasziniert dich an diesem Sport?

Tanja Holzhäuser: Als allererstes kommt die Gemeinschaft. Und dann ist es ein Sport, in dem man viel erreichen kann.

Was waren deine persönlichen Erfolge?

Tanja Holzhäuser: Sportlich hatte ich noch keine. Aber es wäre schön, mal weiter zu kommen. Ich freue mich aber, wenn ich gesetzte Ziele erreiche. Dies sind dann auch Erfolge.

Gibt es eine altersmäßige Beschränkung?

Tanja Holzhäuser: In der Regel kann mit sechs Jahren begonnen werden. Nach oben gibt es keine Begrenzung, so lange der Körper mitspielt. Es gibt sogar Versehrtenwettkämpfe für die Kegler, die körperlich nicht mehr so können oder eingeschränkt sind.

Du machst im Verein die Jugendarbeit? Machst du die alleine? Vermittelst du nur dein Wissen oder hast du auch einen Trainerschein?

Tanja Holzhäuser: Ich mache die Jugendarbeit alleine. Wir haben insgesamt 19 Jugendliche, elf davon kommen regelmäßig. Wenn die weiterkommen, ist dies für ich persönlich auch ein Erfolg. Mein Sohn Moritz ist seit kurzem im Landeskader. Das freut mich sehr.
Ich habe keine Trainerausbildung, sondern gebe das weiter, was ich selbst gelernt habe. Neben dem Zeitaufwand muss der Verein utopische Preise für eine Trainerausbildung zahlen, welche dann alle vier Jahre noch wiederholt werden muss. Und da wir Erfolge haben, kann es nicht so schlecht sein, was ich mache.

Kann jeder sportlich kegeln?

Tanja Holzhäuser: Ja, wenn Wille und Kondition vorhanden sind. Es handelt sich um einen Hochleistungssport. Vor allem Kardiologen sagen, es ist eine gute Sportart – man tut körperlich was, aber der Puls geht nicht so hoch. Dennoch werden viele Kalorien verbrannt.

Hat es dir in der 7-jährigen Pause gefehlt?

Tanja Holzhäuser: Oh ja! Ohne Training brauchte ich keine Wettkämpfe mitmachen. Aber ich bin mitgefahren. Das hat geprickelt, teilweise tat es richtig weg.

Warum sollte man mit Kegeln beginnen?

Tanja Holzhäuser: Kegeln ist eine gute Konzentrationsübung. Zu 50 Prozent wird das Ergebnis von der Konzentration entschieden, aber es sind auch 10 Prozent Glück dabei. Es ist ein Sport für jedermann, wenn die Knochen mitmachen.
Dabei wissen 30 Prozent der Hobbykegler gar nicht, dass sie versteckte Naturtalente sind. Leider haftet dem Sport noch ein wenig ein verstaubtes Image an.

Nach welchen Regeln wird gekegelt?

Tanja Holzhäuser: Es wird einarmig gekegelt, ob mit links oder rechts ist egal. Meist werden drei Schritte mit einem Nachziehschritt auf einer bestimmten Länge gemacht. Große Spieler machen oft nur ein bis zwei Schritte, da sonst der Anlauf zu lang wird.
In der alten Schule sind die Sportler noch sehr langsam gelaufen, waren stark gebeugt und mit der Nase fast auf dem Boden. Dies hat in den letzten 15 Jahren aber abgenommen.

Hast du noch weitere Hobbys?

Tanja Holzhäuser: Bis vor wenigen Jahren habe ich noch Trompete gespielt, aber dann hatte ich keine Zeit mehr dafür. Ich musste Prioritäten setzen.

Welche Wünsche hast du in Bezug auf den Kegelsport?

Tanja Holzhäuser: Für mich persönlich wünsche ich mir, mich nach drei Jahren Training endlich mal für die Bezirksmeisterschaften zu qualifizieren. Auch würde ich im Tandem Mix gerne mal weiterkommen. In unserem Verein herrscht unter den Spielern seit zwei Jahren eine gute Harmonie. Wir hatten einen schweren Saisonstart durch gehandicapte Spieler, aber ich hoffe dennoch, dass wir den Klassenerhalt schaffen.
Insgesamt für den Sport wünsche ich mir, dass die Verbände mehr die kleinen Vereine in den Fokus nehmen und nicht nur die großen Vereine im Blick haben. Die kleinen Vereine werden vernachlässigt und die richtig guten Kegler wechseln dann in die großen Vereine.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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