Lokalschau des Geflügelzuchtvereins – Züchten ist eine Berufung

Am gestrigen Sonntag war ich bei der Lokalschau des Geflügelzuchtvereins Kerkerbachtal e.V. Schupbach. In ihrer Schau legten sie ein besonderes Augenmerk auf alte Rassen, welche auf der roten Liste stehen und vom Aussterben bedroht sind. Auf der roten Liste stehen nur Rassen, welche bereits vor 1930 gezüchtet wurden. Für die NNP sprach ich mit einigen Züchtern, welche sich einer solchen bedrohten Rasse angenommen haben. Doch nicht nur dies war interessant, so dass ich parallel zu dem Artikel auch meine anderen Eindrücke vermitteln möchte.

Nur kleine Lokalschau in diesem Jahr

Nur 18 Züchter des GZV Kerkerbachtal Schupbach präsentierten in diesem Jahr auf der Lokalschau ihre 180 Tiere aus 25 verschiedenen Rassen. Es gab in der Vergangenheit auch Schauen, bei denen weiter über 400 Tiere ausgestellt wurden. Die kleine Schau ist auf mehrere Gründe zurückzuführen. In diesem Jahr konnte kein Sonderverein gewonnen werden, der sich der Schau anschloss. Ein Sonderverein ist zumeist ein bundesweiter Verein, indem Züchter einer einzigen Rasse zusammengeschlossen sind.
Ein zweiter Grund ist das Durchschnittsalter der Züchter. Da diese immer älter werden, konnten einige aus gesundheitlichen Gründen an der Schau nicht teilnehmen. Im Frühjahr grasierte die Vogelgrippe in Hessen und für das Geflügel galt Stallpflicht. Viele Züchter mussten ihre Bestände stark dezimieren und einige mussten sogar ihre Zucht aufgeben. Zudem haben die Züchter damit zu kämpfen, Nachwuchs zu gewinnen.

Kein Hobby, sondern eine Berufung

Geflügel bedeutet Arbeit und der Umgang mit einem Lebewesen. Doch es sei ein sehr schöner Ausgleich zum stressigen Alltag und die Tiere geben viele schöne Glücksmomente zurück, so Vorsitzender Lothar Kämper. Daher sei es sein größter Wunsch, neue Mitglieder zu gewinnen, die diese Berufung für das Geflügel nachvollziehen können und den Verein weiterführen. Er würde sich freuen, wenn der noch recht junge Verein, der 1958 gegründet wurde, auch sein 100-jähriges Jubiläum irgendwann feiern wird. Durch neue Themen wie die bedrohten Rassen oder auch die Lebensmittelskandale wie zuletzt die Fipronil-belasteten Eier hoffe er, neue Interessenten zu gewinnen.
Doch es sei auch wichtig, die Arten zu erhalten und sich für ihre Vielfalt einzusetzen. „Das Krähen der Hähne auf den Dörfern darf nicht verstummen.“

Zucht ist Zeitaufwand, Zucht ist Liebe

Dass es sich bei der Geflügelzucht um mehr handelt als nur um ein Hobby, erfahre ich im Gespräch mit Gudrun Kämper. Sie züchtet Zwerg-Langschan Hühner birkenfarbig und während sie mir die Rassemerkmale erläutert, ist ihre ganze Leidenschaft zu spüren.

Gudrun Kämper ist mit Herzblut beim Züchten dabei.
Gudrun Kämper ist mit Herzblut beim Züchten dabei.

„Zucht ist Zeitaufwand“, so Kämper, „Zucht ist Liebe.“ Als Kind wuchs sie mit Tieren auf und sie hat schon immer gezüchtet. Die schwarz-weiß gefiederten Tiere haben ihr es sehr angetan. Sie erzählt, dass niemand einem vorschreiben kann, was man züchten soll. Dies muss jeder für sich selbst wissen, damit es auch klappt. „Züchten muss man wollen“, so Kämper und dies geht nur, wenn eine Liebe zu den Tieren besteht. „Für eine gute Zucht muss man die Tiere beobachten und sich mit der Rasse auseinandersetzen.“

Dabei betont sie, dass sie züchtet und nicht vermehrt. Sie habe zu Hause neun Tiere der Zwerg-Langschan. „Ich brauche nicht viele Tiere, um schöne Tiere zu erhalten.“ Trotz der Tierliebe, werden die Tiere vollständig „verwertet.“ Es fliege keines in die Tonne. Als Kind musste sie dies zwar auch lernen, dass sie ein Tier, welches sie gepflegt hat, auch essen kann. Aber inzwischen ist dies für sie auch eine Art Wertschätzung dem Tier gegenüber. Und ist es schon älter und das Fleisch nicht mehr so gut, dann könne noch immer eine Suppe daraus gemacht werden.

Für sie sind die Tiere ganz klar ein Kulturgut, für dessen Erhalt gekämpft werden muss. Dazu gehört auch, dass sich die Züchter untereinander vernetzen. Werkelt ein Züchter alleine vor sich hin, dann kann durch Inzucht eine Rasse nicht überleben. Daher ist immer wieder der Eintrag neuer Tiere von außen, also von einem anderen Züchter wichtig, um die Merkmale der Rasse herauszuarbeiten und zu festigen. Daher bedauert sie es sehr, dass in diesem Jahr kein Sonderverein gefunden werden konnte, der die Lokalschau mit begleitet. Aber sie ist sich sicher, dass der Geflügelzuchtverein im kommenden Jahr wieder einen Sonderverein präsentieren kann.

 Vereine als Säulen des Gemeinwesens

In meiner Tätigkeit sind es die Geflügelzüchter (und auch die Kleintierzüchter), die immer ein wenig belächelt werden. Doch wie drückte es Bürgermeister Michael Franz aus? „Vereine sind wichtige Säulen des Gemeinwesens, denn ohne Vereine und ihre Veranstaltungen wäre eine Gemeinde nicht existent.“ Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christoph Heep, bedankte sich für das ehrenamtliche Engagement ohne nachzurechnen, wie viele Stunden geleistet worden sind. Tobias Eckert (SPD, MdL) findet es lobenswert, dass der Geflügelzuchtverein um die Bewahrung der Vielfalt der Arten kümmert, während andere nur darüber reden. „Tue Gutes und rede drüber.“ Und Andreas Hofmeister (CDU, MdL) lobte das Engagement. Bei allen Herausforderungen gehöre schon einiges dazu, diesem Hobby nachzugehen.

Schirmherr Frank Michel, selbst Mitglied im Verein, kam über seinen Sohn zu diesem Hobby. In seinen Eröffnungsworten brachte er es auf den Punkt: „Ein Verein lebt von und mit seinen Mitgliedern. Diese engagieren sich und stellen etwas auf die Beine aufgrund gemeinsamer Interessen.“

Erfolgreiche Züchter bei der Lokalschau des GZV Kerkerbachtal
Andreas Hofmeister, Tobias Eckert und Michael Franz (v.r.) gratulieren den erfolgreichen Züchtern.

Unnützes Wissen?

Ich lerne bei solchen Terminen auch immer etwas Neues und möchte dies auch gerne weitergeben. Ich habe mir bisher nie Gedanken über die großen seitlichen Lappen bei Hühnern gemacht. Jetzt weiß ich, dass es sich dabei um die Ohrenlappen handelt. Und ihre Farbe sagt etwas über die Farbe der gelegten Eier aus. So deuten weiße Ohrenlappen auf weiße Eier hin und braune auf bräunliche Eier.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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