Martin Heidler: Erst für die Karriere, später für sich selbst

In der Sommer-Serie „Tagsüber arbeiten, abends studieren“ berichten Menschen von ihren Erfahrungen mit dieser Doppelbelastung. Auch Andreas Heidler absolviert gerade ein Studium neben seiner Arbeit und findet großen Spaß an der Lernerei.

Bei seinem berufsbegleitenden Bachelorstudium vor fünf Jahren stand für Andreas Heidler (45) noch klar die Karriere im Fokus, weshalb er sich auf diese Doppelbelastung einließ. Inzwischen sitzt er an seiner Masterarbeit und bei diesem Studiengang stand eine persönliche Motivation im Vordergrund, nämlich die Frage, ob er dieses Studium überhaupt schaffen kann. Seinen beruflichen Werdegang begann Andreas Heidler mit einer handwerklichen Ausbildung im Elektromaschinenbau an der Technikerschule in Weilburg. Danach machte er berufsbegleitend seinen technischen Betriebswirt an der IHK. Er fing dann bei Hochtief als Facility Manager an zu arbeiten.  Vor fünf Jahren wählte das Unternehmen firmenintern 14 Mitarbeiter aus, welche an der Technischen Hochschule Mittelhessen ihren Bachelor machen konnten. Die Firma bezahlte nicht nur dieses Studium, sondern die Mitarbeiter bekamen auch einen freien Tag als Studientag. „Dieser eine Tag hat viel ausgemacht“, erinnert sich Andreas Heidler, „durch den freien Tag wurde mir der Einstieg in das Studium erleichtert.“ Die Karriere stand bei dieser Entscheidung klar im Vordergrund. Mit einem Hochschulabschluss stünde man besser da und habe mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt, so Heidler.

„Ich wollte schauen, ob ich es schaffe“

Nachdem er den Bachelor in der Tasche hatte, entschloss er sich, direkt den Master anzuschließen. Diesen musste er jetzt jedoch alleine finanzieren und bekam auch keine weitere Unterstützung durch die Firma. Dies bedeutete für ihn, volle Arbeitszeit sowie ein großes Lernpensum abends und am Wochenende. „Ich wollte schauen, ob ich es schaffe“, erklärt Heidler seine Motivation für diesen Schritt. Für die nächsten Jahre bedeutete dies alle 14 Tage Vorlesungen am Samstag, selten auch Freitagabend. „Den Master habe ich für mich gemacht“, so der Student und ist auch mit seinen Noten zufrieden. Es habe ihm sehr viel Spaß gemacht. Während dieser Zeit wechselte er auch den Arbeitgeben und ist nun Betriebsingenieur bei der Vitos GmbH in Idstein. Zurzeit schreibt er seine Masterarbeit und er ist froh, dass er sich ein wenig freier entfalten und seine Zeit selbst einteilen kann. Er sei nie aus dem Lernen rausgekommen, so Heidler, weshalb dies nicht so schwierig war. Entweder er habe für seine Ausbildung gelernt oder in seiner Freizeit, wo er als Feuerwehrmann Lehrgänge besuchte. Der schwerste Weg seiner gesamten Laufbahn sei der gewesen, vom Gesellen in die Vollzeit-Ausbildung zum IHK-geprüften Techniker zu gehen. Die anderen Übergänge gestalteten sich dann nicht mehr so schwierig für ihn.

Ehrenamt hat gelitten

Sein Ehrenamt litt sehr unter der wenigen Zeit. Er ist aktiver Feuerwehrmann und ist Vorsitzender der Reservistenkameradschaft. Diese beiden Aktivitäten mussten zurückstecken, so Heidler. Aber er habe den Zeitmangel immer offen kommuniziert. Wenn der Master abgeschlossen sei, möchte er sich wieder verstärkt seinem Ehrenamt widmen.  Auch wenn er mal freie Zeit durch Semesterferien hatte, war immer eine gewisse Anspannung da. „Ein Grundrauschen begleitete mich immer, ich war nie völlig entspannt“, erinnert er sich. Hätte ihn jemand vor zehn Jahren gesagt, dass er diesen Weg gehen würde, hätte er ihn ausgelacht, da er es sich selbst nicht zutraute. Inzwischen ist Andreas Heidler froh, diesen Schritt gegangen zu sein und dankt auch seiner Frau für den Stups in diese Richtung. Er hofft, in diesem Jahr seine Arbeit abgeben zu können und bald seinen Abschluss als Master of Science in Betriebswirtschaft in den Händen zu halten.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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