Mathematik zum Anfassen – Mathematikum Gießen

Das Mathematikum in Gießen ist das erste Museum seiner Art in der Welt. Die Besucher entdecken nicht nur die Welt der Mathematik, indem sie Zusammenhänge sehen. Durch viele Mitmach-Aktionen erhalten sie ein völlig neues Gefühl für die Mathematik.

Mathematik zählt zu den Schulfächern, die geliebt oder gehasst werden. Doch dass Mathe mehr ist, als nur Zahlen und Formen, lässt sich sehr eindrucksvoll im Mathematikum in Gießen erleben. Durch das Mitmachen und eigene Entdecken an über 150 Experimentierstationen eröffnet sich einem die Welt der Mathematik auf völlig neue Weise.

15 Jahre Mathematikum

Seit 15 Jahren gibt es das Mathematikum. Aber die Idee von einer Mathematik zum Anfassen besteht schon etwas länger. Albrecht Beutelspacher entwickelte 1993 mit Studierenden an der Justus-Liebig-Universität geometrische Modelle. Mit diesen Modellen und der dahintersteckenden Mathematik ging es ab 1998 auf Wanderausstellung. Die Idee zum Museum entstand um 1996 und konkrete Pläne gab es ab 1999. 2001 erfolgte dann die Umsetzung, nachdem Ende 2000 die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst eine Millionen DM für den Bau des Museums übergab. Die Stadt Gießen kaufte das ehemalige Hauptzollamt und stellte dies für das Museum kostenfrei zur Verfügung. Am 19. November 2002 wurde das Museum durch den Bundespräsidenten Johannes Rau eröffnet. In den Folgejahren wurden die weiteren Obergeschosse eingeweiht.

Verschiedene Röhren erzeugen unterschiedliche Töne

Mathematik in der Natur

„Das Buch der Natur ist in mathematischer Sprache geschrieben und die Buchstaben sind Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren“ Galileo Galilei (1564-1642)

Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, dass auch die Natur aus Mathematik besteht? So bauen die Bienen gleichmäßige Waben aus regelmäßigen Sechsecken, welche fast rund erscheinen. Oder die Blüten und Blätter von Pflanzen sind häufig symmetrisch und können gespiegelt werden. Auch findet sich die Symmetrie in den Flügeln von Schmetterlingen oder in den Gesichtern der Tiere. Wachsen Bohnen alle gleich schnell oder besitzt jede Bohne ihr eigenes Tempo? Es gibt Dinge zu entdecken, über die wir uns sonst keine Gedanken machen. Beim näheren Betrachten wird einem bewusst, dass in der Natur nichts wild und zufällig ist. Vielmehr lassen sich strenge Gesetzmäßigkeiten erkennen. Und auf einmal erfassen wir die Natur mit ganz anderen Augen.

Mathematik in der Natur
Mathematik in der Natur

Wurzeln der Mathematik

Habt ihr eine Vorstellung davon, wie alt die Mathematik eigentlich ist? Die älteste Zahl konnte auf einem Wolfsknochen nachgewiesen werden, indem Kerben vorhanden sind, welche eindeutig als Zahlendarstellung anerkannt werden. Dieser Knochen stammt aus der Zeit der Jäger und Sammler und ist zwischen 25.000 und 30.000 Jahre alt. Es ist sehr interessant, wie die Menschen früher zählten. Die südamerikanische Bevölkerung vor 4.000 Jahren hatten ein System aus Knotenschnüren, welches bis zur Epoche der INkas (13. bis 16. Jahrhundert) genutzt wurde. Die Ägypter zur gleichen Zeit besaßen hingegen ein Hieroglyphen-System. Die Maya besaßen ein System aus Punkten und Strichen. Und mit den Fingern zählen macht jedes Kleinkind. Der Mathematiker Richard Dedekind (1831-1916) verwies darauf, dass die Zahlen eine freie Schöpfung des menschlichen Geistes seien, um die Verschiedenheit der Dinge deutlicher zu erfassen.

Mitmachen und Mathematik erfahren

Im Mathematikum stehen die Zahlen nicht im Vordergrund. Es geht darum, auf anderen Wegen eine Tür zur Mathematik zu öffnen und zu zeigen, wie spannend diese sein kann. Wie können geometrische Figuren miteinander kombiniert werden, um neue geometrische Figuren zu erhalten. Was passiert, wenn ich mehrere Spiegel miteinander kombiniere? Wie wirken sich verschiedene Formen auf die Geschwindigkeit aus? Wie verändert sich etwas durch eine veränderte Perspektive? Sehr viele Experimente warten auf die Besucher. Für jeden ist etwas dabei. Und dabei ist das Museum auf kein Alter festgelegt. Bereits die Kleinsten können im Mini-Mathematikum unterm Dach einen Zugang zu dieser faszinierenden Welt erhalten.

Sehr faszinierend ist der Bereich Geheimschrift, wo es kniffelig für die Besucher wird. Können Sie die Geheimsprache von Julius Cäsar entziffern? In einer Vitrine steht eine Enigma, eine Chiffriermaschine. Mit dieser Maschine verschlüsselte das deutsche Militär im zweiten Weltkrieg seine Nachrichten. Es gibt so viel zu entdecken. Mathematik ist überall und wie es ein Spruch so schön in einem Durchgang des Museums sagt: Mathematik hört nie auf.

Informationen zum Mathematikum Gießen

Adresse

Mathematikum Gießen
Liebigstraße 8
35390 Gießen
Telefon: 0641 9697970

Mathematikum Gießen
Mathematikum Gießen

Obwohl sich das Museum über mehrere Etagen erstreckt, ist ein barrierefreier Zugang zu allen Räumen möglich.

Öffnungszeiten

Das Mathematikum Gießen ist jeden Tag geöffnet.

Montag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 10 bis 19 Uhr

An Feiertagen ist das Mathematikum wie am Wochenende geöffnet.

Eintrittspreise

Erwachsene 9 Euro
Ermäßigt 6 Euro
Familienkarte 18 Euro
Guten-Abend-Karte (1,5h vor Schließung) 1/2 Preis

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Mathematikum Gießen findet ihr auf der Internetseite des Museums.

Anfahrt

Das Museum befindet sich 300 Meter vom Bahnhof Gießen entfernt, so dass mit dem Zug angereist werden kann. Nehmt ihr das Auto, könnt ihr ab dem Gießener Ring der Beschilderung Stadtmitte/ Mathematikum folgen.
Parkmöglichkeiten: Im Parkhaus An der alten Post.

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

2 Gedanken zu „Mathematik zum Anfassen – Mathematikum Gießen

  • 5. Januar 2018 um 8:58
    Permalink

    Hallo Heike,

    Wunderschön – komme ich da rein? ist dir etwas aufgefallen in diesem Zusammenhang?

    Liebe Grüße Frank

    Antwort
    • 5. Januar 2018 um 9:04
      Permalink

      Hallo Frank,
      zum Museum hoch geht eine Treppe, aber an der Seite eine Rampe. Im Museum selbst sind verschiedene Möglichkeiten für einen barrierefreien Zugang geschaffen.
      LG Heike

      Antwort

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