Mireille Zindel „Kreuzfahrt“

Im Hochsommer an der italienischen Küste, Dir ist es eigentlich viel zu warm und während Dein Mann mit den Kindern am Strand spielt, suchst Du Zuflucht in einer Strandbar, welche ein wenig Schatten spendet. Du möchtest für Dich alleine sein, die Ruhe genießen, ein Buch lesen. Während Du da sitzt, betritt er die Strandbar, fesselt Dich auf Anhieb mit seinen Augen und fängt Dich ein. Wie in einem eigenen Universum scheint ihr miteinander verbunden, bis unpassend und sehr plötzlich seine Frau ins Spiel kommt und den magischen Moment unterbricht.

Meret und Dres, Jan und Romy. Zwei Paare, bei denen sich Ernüchterung eingestellt hat – bis sich Meret und Jan ineinander verlieben. Ein scharfsinniges, raffiniertes Kaleidoskop über alle Facetten des Liebens, das durch seine sprachliche Finesse und sein unvergleichliches Einfühlungsvermögen besticht.

Ein Jahr später sitzt Du – Meret – wieder am italienischen Strand, gehst das Jahr der Affäre mit Jan durch und schreibst ihm einen Brief. In diesem hinterfragst Du Deine Gefühle, das Ausmaß der Affäre, die Auswirkungen auf Deine eigene Ehe sowie die Auswirkungen auf Jans Ehe. Mit diesem Brief nimmst Du mich die ganze Zeit mit, zeigst mir tiefe Einblicke in Deine Emotionen und nimmst mich gefangen, da ich wissen möchte, wie es mit Euch weitergeht.

 Als Jans gelangweilte Frau Romy dafür sorgt, dass sie immer mehr Zeit zu viert verbringen und, zurück in ihrer Heimatstadt, sogar Nachbarn werden, wird die gegenseitige Anziehung zwischen Meret und Jan zu einer Liebesgeschichte. Hat sich Romy das gewünscht, um Jan durch Merets Augen wieder begehren zu können? Hat Dres seine Frau unwiderruflich verloren? Was ist es, wonach die vier wirklich suchen?

Wenn die vier Personen aufeinander treffen, webt die Autorin eine Romanze einer Kreuzfahrt ein, welche von Meret erzählt wird. Bei dieser Kreuzfahrt verliebt sich eine Reisende in einen Offizier an Bord und dieser nutzt seine Chance, um ihr Liebe vorzugaukeln. Diese Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, denn immer wieder kommen die vier Hauptprotagonisten darauf zu sprechen.

Gefühls-Wirrwarr im Text widergespiegelt

Mir fiel der Umschlag auf und die Inhaltsangabe klang auch ganz interessant, so dass ich zu Mireille Zindels „Kreuzfahrt“ griff. Insgesamt handelt es sich um einen Ehebruchroman aus sehr subjektiver Sicht. Die Gefühlswelten der anderen drei Protagonisten neben Meret werden mal angerissen durch Mutmaßungen, aber werden nicht wirklich vertieft.
Ein wenig ratlos bin ich nach dem Lesen des Buches. Der Leser wird mitgenommen in die Geschichte eines Ehebruchs, welche die Hauptfigur Meret im Nachhinein als Brief erzählt. Wer einen klassischen Roman über Affären erwartet, ist bei diesem Buch falsch. Die beiden Figuren zerfressen sich nicht durch Selbstzweifel und Schuldgefühle, sondern genießen immer die gemeinsamen Momente. Doch der Briefstil und das Erzählen aus einer Sicht führt manchmal zu Missverständnissen, weil ich manche Stellen mehrmals lesen musste, da ich eine wörtliche Rede oder einen Dialog nicht direkt zu den Gesprächspartnern zuordnen konnte.
Das Ende lässt mich ein wenig ratlos zurück, da ich es nicht einordnen kann. Soviel sei gesagt: die Ehen der vier gehen nicht kaputt, sie existieren nach dem Jahr weiter. Wobei die Kehrtwende in der Geschichte recht heftig und unerwartet für mich war.

Wer mal etwas anderes lesen möchte mit ruhigen Tönen, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Ein Hauch Romantik, eine Lebensgeschichte, welche an diesen Punkt führte und eine tiefe Sicht in eine Ehebrecherin.

Mireille Zindel – Kreuzfahrt
Roman

Kein & Aber Verlag

Hardcover
Format: 11,6 x 18,5 cm , 288 Seiten
ISBN: 978-3-0369-5737-1

19,90 EUR

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.