Mittelaltermarkt Hadamar

Am Wochenende 26./27. Mai verwandelt sich das Gelände rund um das Hadamarer Schloss wieder in ein mittelalterliches Ambiente. Bereits zum 5. Mal findet der Mittelaltermarkt statt. Doch was macht die Faszination Mittelalter aus? Carolan Lieb von Lorraine Medievale, der den Markt konzipiert, sprach mit mir darüber.

Statt wie die letzten vier Jahre im September schlagen dieses Jahr die mittelalterlichen Gesellen bereits im Mai ihre Lager mitten in Hadamar auf. Gaukler, Handwerker und mittelalterliche Speisen und Getränke warten auf die Besucher.

Interview Carolan Lieb von Lorraine Medievale

1. Worin liegt für Sie die Faszination Mittelalter?

Carolan Lieb: Mich persönlich fasziniert der Mythos Ritter von klein auf. Die Geschichte im Allgemeinen, aber irgendwie bin ich beim Mittelalter hängen geblieben. Gerade die Anfangszeit, für mich mit dem Untergang des römischen Reiches verbunden und die Endzeit, mit der Entdeckung der Neuen Welt (Amerika) sind verbunden mit großen Einschnitten in der europäischen Geschichte. Wobei der Austausch der Kulturen, sei es durch die Osmanen in Südspanien aber auch durch die Kreuzzüge, viele positive Änderungen sowie Erkenntnis und Fortschritte für das Abendland brachte.  Das wären Medizin, Schrift, Musikinstrumente, Dichtkunst oder Astronomie, um nur einiges zu nennen.

2. Was glauben Sie, warum solche Märkte die Besucher faszinieren?

Carolan Lieb: Ich denke, für die Besucher ist es eine Art Flucht in eine vermeindlich heilere Welt, die noch so unkompliziert war. Vielleicht sehnt sich der Besucher nach den einfachen, aber strengen Strukturen des Mittelalters. Diese kann man leider nicht so ganz ausleben oder darbieten, wie es wohl im Mittelalter war. Dennoch denke ich, möchte man einfach nur mal ein paar Stunden von der Hektik und den Problemen des Alltages ausspannen und abschalten. Die Märkte einfach nur genießen. Was sicher auch auf den Größteil der Aussteller und Akteure zutrifft.

3. Seit wie vielen Jahren organisieren Sie solche Märkte und wie kamen Sie dazu?

Carolan Lieb: Anfang der 90er haben wir als Verein schon einige Märkte im Saarland, der Pfalz und in Lothringen organisiert. Seit 1999 veranstalte ich Märkte hauptberuflich. Aus einem Hobby wurde mein Beruf, da ich in meinem alten Beruf (als Baumpfleger und Landschaftsgärtner) kein Weiterkommen sah und dieser im Alter auch sehr gesundheitsraubend ist. Also wechselte ich in die Selbständigkeit, zunächst mit einem Geschäft für Mittelalterbedarf und Seminarhaus sowie mit wenigen Events. Diese erlebten aber einen Boom und so wurde dies zu meinem Haupterwerb. Hier kann ich mich und die Geschichte vielfältig präsentieren und ein Event immer wieder erneuern. Und die Freude der Besucher ist mein liebster Lohn.

4. Über all die Jahre – ist das Interesse gleichbleibend, zurückgehend oder sogar steigend?

Carolan Lieb: In den 90ern würde ich sagen, war ein großer Anstieg zu vermerken, da es auch eine andere Art war zu feiern. Für Alle. Immer wieder, auch heute noch, höre ich die Besucher sagen, das ist schöner als jedes Stadtfest oder Kirmes. Es ist anders. Oft redeten wir, es gibt einen Einbruch….aber durch Kinoerfolge wie Herr der Ringe oder Serien wie Games of Thrones erleben die Mittelaltermärkte immer wieder einen Aufschwung, trotz das diese aus dem Fantasy-Bereich kommt. Leider gibt es oftmals Vermischungen, von Veranstaltern auch gewollt, um diesen Schwung zu nutzen. Dann hat man Events, die mit Mittelalter nur noch wenig zu tun haben. Und das denke ich, merkt der Besucher auch, der mittlerweile schon sehr kritisch geworden ist. Ich glaube, es hat einen kleinen Umschwung gegeben. Seit zwei, drei Jahren sind einige Veranstalter und Events verschwunden, da sie evtl. auch die Qualität nicht mehr bieten. Ich denke, die Qualität wird sich über Jahre durchsetzen.

5. Ist es leicht, einen solchen Markt mit allen Beteiligten zu gestalten oder wird es schwieriger, Mitwirkende zu finden?

Carolan Lieb: Es gibt immer mehr, die versuchen auf den Zug aufzuspringen. Fast täglich erhalte ich neue Bewerbungen von Musikgruppen, Händlern und Gastronomen. Hier bekommt man manchmal Bewerbungen, die mit Mittelalter gar nichts zu tun haben, bis hin zum Pizza oder Suppenverkäufern, welche aus dem Transporter heraus verkaufen wollen. Ohne jegliche Kaschierung oder geschichtlichen Hintergrund. Auch gibt es viele Anbieter aus dem Ethno-Bereich, oder man versucht mit Döner, Kartoffelprodukten oder Softeis sein Geld zu machen. Ich halte solche Stände von meinen Märkten fern, denn sie haben nichts mit Mittelalter zu tun. Im Handwerklichen Bereich merkt man schon, das es schwierig wird einige darstellende Berufe zu präsentieren. Als ich Ende der 80er als Besucher mit dem Mittelalter in Kontakt kam, gab es noch des öfteren Küfer oder Wagner. Aber wer braucht heute noch einen Stellmacher. Diese Berufe sterben aus, und über die Jahre auch die Handwerker, die noch wussten, wie es geht. Zum Glück gibt es aber auch noch Handwerker, die zwar recht selten zu finden sind, eine größere Gage bekommen, aber die ich gerne mit einbinde, um dem Besucher etwas Besonderes zu bieten, wie z.B. Siegelgraveur, Buchmaler, der auch die Farben vor Ort anrührt, Lehmbauer, Bogenbauer oder Fahnenmaler. Ansonsten finde ich die Herausforderung, einen Markt immer wieder aufs Neue zu gestalten für mich als Erfüllung. Auch wenn dies nicht immer leicht ist.

Mittelaltermarkt vom Gewerbeverein Hadamar aktiv

 

Bianca Woidich, Vorsitzende vom Gewerbeverein Hadamar aktiv, freut sich schon sehr auf den Mittelaltermarkt. Zum ersten Markt gab es noch viele kritische Stimmen zu diesem Projekt. Wenn Eintritt genommen wird, würden die Besucher ausbleiben. „Aber der Zulauf bestätigt uns, dass es der richtige Weg war“, so Woidich. Dabei kommen die Besucher nicht nur aus Hadamar und den anliegenden Orten. Manche nehmen bis zu 100 Kilometer auf sich, um den kleinen, aber feinen Mittelaltermarkt in der Fürstenstadt zu besuchen. Woidich lobt zudem die gute Zusammenarbeit mit Lorraine Medievale, ohne die dieser Markt nicht möglich wäre.

Öffnungszeiten

Samstag, 26. Mai 12 bis 22 Uhr / Feuershow um 21 Uhr
Sonntag, 27. Mai  11 bis 19 Uhr/ verkaufsoffener Sonntag von 13- 18 Uhr

Eintritt

Erwachsene 6 Euro
Kinder (6-14) 4 Euro
Gewandete  4 Euro

Standort

Rund um den Hadamarer Schlossplatz

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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