Musikalischer Genuss auf höchstem Niveau

Einen musikalischen Genuss auf höchstem Niveau erlebten die Besucher des Konzertes des Landesjugendsinfonieorchesters, welches zum wiederholten Male in der Stadthalle Limburg gastierte. Ein anspruchsvolles Konzert präsentierten die jungen Musiker nach ihrer 14-tägigen Arbeitsphase. Auf die Besucher warteten Auszüge der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck sowie aus der Sinfonie Nr.8 G-dur op. 88, „Englische“ von Antonín Dvorák.

Die meisterhafte Leistung der 74 jungen Musiker wurde mit langanhaltendem Applaus quittiert, der kein Ende finden wollte. Ein wunderbares Konzert, mit einem hervorragenden Klangkörper, bot das Landesjugendsinfonieorchester unter Leitung des Dirigenten Rüdiger Bohn. In diesem Orchester sind die besten Jungmusiker des Landes vereint. Auf sehr hohem Niveau spielen die Jugendlichen, viele von ihnen sind Preisträger auf Landes- oder Bundesebene des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, manche schon Jungstudenten an deutschen Musikhochschulen.

Hochkarätig und mitreißend

Im ersten Teil gab es Auszüge aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Diese Oper hatte am 23.Dezember 1893 Uraufführung im Hoftheater Weimar. Sanft eröffneten die Bläser den Abend, bevor ebenso sanft die Streicher mit einsetzten. Zwischendurch wird es ein wenig flotter vom Rhythmus, doch insgesamt suggeriert dieser Teil noch, dass alles in Ordnung ist. Hänsel, gesungen von der Mezzosopransistin Sarah Mehnert, beklagt zwar seinen Hunger, doch dann treibt er seine Späßchen mit seiner Schwester Gretel, gesungen von Sopranistin Paula Bohnet. Viele bekannte Kinderlieder wie „Suse, liebe Suse“ oder „Brüderchen, komm tanz mit mir“ sind aneinandergewoben. Wunderbar getragen wurde der Gesang vom Instrumentalspiel des Orchesters, ohne dass sie sich gegenseitig etwas nahmen.

Mit geschlossenen Augen konnten die Zuhörer die Kinder auf ihrem Weg durch den Wald begleiten, nur der Kuckuck war zu hören – welcher von oben, der Empore, durch den ganzen Saal erklang. Im Vorspiel zum 2. Bild ertönen die Instrumente bedrohlicher, es besteht keine fröhliche Ausgelassenheit mehr. Die Kinder haben sich im Wald verirrt, sie finden den Weg nicht mehr zurück. Sie haben Angst. Mit einem kräftigen Paukenschlag manifestiert sich die bedrohliche Stimmung. Diese löst sich jedoch auf, als der Sandmann (Paula Bohnet) kommt und mit seinem „Ssss“ die beiden Kinder in den Schlaf singt. Sehr zurückhaltend spielen die Musiker bei diesem Part mit.

Volkstümlich und schwungvoll

Im klaren Gegensatz zur Oper „Hänsel und Gretel“ gestaltete sich der zweite Teil des Abends mit der Sinfonie Nr.8 G-Dur op.88 von Antonín Dvorák. Der böhmische Komponist fügte sehr oft schwungvolle Melodien und markante Rhythmen in seinen Stücken zusammen. In dieser Sinfonie kommt es immer wieder zu Wiederholungen, welche sich durchziehen und zu Aha-Momenten führen. Zu Beginn steht das Allegro con brio, welches sehr tragend fast choralartig begann, um dann in flotte Elemente überzugehen. Es gibt einen stetigen Wechsel in den Rhythmen, von langsam zu geschwind, zwischen sanft und aufbrausend.

Das Adagio war hingegen sehr ruhig und langsam. Diesen Teil dominierten die Querflöten mit den Oboen, die aufmunternde Melodien spielten, während im Wechsel die Klarinetten und das Fagott zögernd und verhaltend erklangen. Das Allegro grazioso-Molto vivace kam kraftvoll und dramatisch daher. Das Allegro, ma non troppo eröffnete ein Trompetensolo, Klarinette und Horn übernahmen. Die Streicher griffen das Element auf. Dieser Teil war sehr schwungvoll und aufbrausend.
Der letzte Ton war noch nicht verklungen, da brandete der Applaus auf. Die Zuhörer bekamen für ihren großen Applaus einen slawischen Tanz als Zugabe.

Ausdauernde Spielfreude

Bis auf die Pause zwischen der Oper und der Sinfonie gab es keine Unterbrechung für die Musiker. Dennoch war ihnen keine Müdigkeit anzumerken und sie spielten im zweiten Teil genauso hervorragend wie im ersten Teil. Nicht nur die jungen Instrumentalisten waren mit Freude dabei. Der Dirigent Rüdiger Bohn schien vorne zu tanzen und sein Orchester zu Höchstleistungen anzutreiben. Tänzelnd, mit feinsten Bewegungen dirigierte er die Musiker. Somit war das Konzert nicht nur ein Genuss für die Ohren, sondern auch für die Augen.

Das Landesjugendsinfonieorchester ist seit Jahren regelmäßig Gast der Limburger Kulturvereinigung. Jedes Mal bietet es den Zuhörern Genuss auf höchstem Niveau. 1976 gegründet, hat das LJSO sich stetig weiterentwickelt. Zwei- bis dreimal jährlich erarbeitet das Orchester in zehn bis 14-tägigen Arbeitsphasen während der Schulferien anspruchsvolle Konzertprogramme. Die Arbeit gliedert sich in Register- und Satzproben, die von erfahrenen Instrumental-Dozenten geleitet werden sowie Tutti-Proben unter Leitung der jeweiligen Dirigenten. Im Anschluss an diese Probephasen werden die Ergebnisse in mehreren Konzerten vorgetragen. Limburg bildete den Auftakt im neuen Jahr. In den Konzerten besticht das Orchester stets durch hohe Motivation und herausragende künstlerische Leistung.

Landesjugendsinfonieorchester war schon mehrmals Gast in Limburg.
Das Landesjugendsinfonieorchester war schon mehrmals Gast in Limburg.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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