Objektiver Journalismus?

In der Ausgabe der NNP vom 09. Juni erschien von mir ein Artikel mit einem Kommentar, indem ich mich mit dem Interpretationsgehabe eines Hadamarer Bürgers auseinandersetzte, der gerne Bürgermeister von Hadamar werden möchte. Dieser warf mir daraufhin vor, dass dies nichts mit objektivem Journalismus zu tun habe und dass ich dies wissen müsse.

Was darf ein Kommentar?

Der Leserbrief zu meinem Kommentar.
Der Leserbrief zu meinem Kommentar.

Ich muss ihm da Recht geben – mein Kommentar ist nicht objektiv. Aber das muss ein Kommentar nicht sein. Entgegen den anderen journalistischen Darstellungsformen darf ein Kommentar die Meinung eines Journalisten wiederspiegeln, soll es sogar. Wichtig ist dabei, dass der Autor desselbigen namentlich genannt wird, was geschehen ist. Jedem ist ersichtlich, dass ich da meine persönliche Meinung wiedergebe. Das Recht dies tun zu dürfen ist durch Artikel 5 unseres Grundgesetzes geschützt und nicht in Abrede zu stellen.
Der dazugehörige Artikel über den Schilderwirrwarr auf dem Untermarkt in Hadamar ist frei jeder Wertung. Die Situation wird aus Sicht eines Betroffenen beschrieben, es kommt die Stadt zu Wort und der Veranstalter des Bürgergesprächs. Ich nehme keine Wertung vor und berichte objektiv über den Sachverhalt. Ich lieferte objektiven Journalismus.

Keine persönliche Pressesprecherin

Im anschließenden Kommentar beziehe ich Stellung. Ich nehme Stellung, weil ich bei der Veranstaltung selbst vorgestellt wurde, als jemand von der Presse, der den Organisator bis zur Bürgermeisterwahl begleite. Ja, wir Journalisten begleiten Wahlen, wir stellen Kandidaten vor und hinterfragen ihr Handeln. Aber ich bin nicht der persönliche Pressesprecher einer einzelnen Person. Im Prinzip wurde mir bei dieser Vorstellung eine gewisse Subjektivität unterstellt – nämliche eine uneingeschränkte Zustimmung zu den Handlungen einer Person. Und dem ist nicht so.
Ich bin in der Stadtpolitik von Hadamar nicht so bewandert, um Stellung zu beziehen zur Einschätzung der Bürger der Verwaltung gegenüber. Ich habe die Anfrage, ob ich eine Person als Bürgermeisterkandidaten vorstellen kann, angenommen und mir die Sichtweise angehört und dieses im anschließenden Artikel wiedergegeben. Das gleiche würde ich bei jeder anderen Person machen, die  mich darauf anspricht ungeachtet meiner eigenen Meinungen zu deren Bemühungen.

Zahlen nicht aus dem Hut gezaubert

Die Zahlen, welche ich im Kommentar verwende, sind nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern offizielle Zahlen von der Wahl und Zahlen, die mir mit dem Hinweis zur EXLUSIVEN NUTZUNG weitergeleitet wurden, um sie zu verwenden. Das die Zahlen nicht repräsentativ sind, wand er erst ein, als ich ihm sagte, dass 55 Bürger nicht aussagekräftig sind. Im Vorfeld warb er mit den Ergebnissen für sich. Sich im Nachhinein rauszureden, dass diese Zahlen nicht repräsentativ seien (was mir bekannt ist), wenn man sich im Vorfeld so auf diese Zahlen stützte, hilft da auch nicht mehr. Mir wird vorgeworfen, dass ich diese Zahlen einer Onlineumfrage mit den Wahlergebnissen vergleichen würde. Doch dies ist so nicht richtig. Ich vergleiche, wie dieser Bürger die verschiedenen Ergebnisse interpretiert. Und dies ist ein kleiner aber feiner Unterschied.

Fazit

Bevor mich jemand belehren möchte, ob meine Arbeit richtig ist, sollte man sich vielleicht mit den journalistischen Darstellungsformen auseinandersetzen und zwischen den Zeilen lesen. Vor allem sollte jeder auch bedenken, was er wie in den öffentlichen Raum stellt.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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