PM Stadt Limburg – Stolpersteinverlegung

Zum sechsten Mal hat der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine in der Stadt Limburg verlegt, damit ist die Zahl dieser Gedenksteine auf 97 gestiegen. 97 kleine Steine, die an 97 menschliche Schicksale und Opfer der NS-Diktatur erinnern.

97 Stolpersteine erinnern in Limburg und den Stadtteilen an 97 Menschen, die Opfer des NS-Regimes wurden. Jeder Stolperstein steht für ein Schicksal, für einen Bürger oder eine Bürgerin der Stadt, die vom Regime verfolgt, gefoltert und auch ermordet wurde. Zwölf neue Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig während der sechsten Verlegung vor den Häusern eingelassen, in denen die Opfer ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten.

Jeder Stein steht für ein Schicksal

Die zwölf Stolpersteine, die Gunter Demnig neu verlegte, erinnern an acht Menschen, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens verfolgt und ermordet wurden. Zwei der Opfer waren geistig behindert und galten im NS-Staat als „lebensunwert“; zwei ließen sich von den Nationalsozialisten nicht vereinnahmen und vertraten weiter ihre Lebensgrundsätze und -auffassungen: einer als Kommunist, der andere als katholischer Priester. „Zehn von ihnen überlebten diese Zeit nicht, zwei mussten viele Jahre im Konzentrationslager verbringen und blieben bis an ihr Lebensende davon körperlich und seelisch gekennzeichnet“, machte Stadtrat Ulrich Muth zum Auftakt der Verlegung in der Altstadt deutlich. Er bezeichnete es als eine wichtige Aufgabe und Verpflichtung, das Gedenken an die Menschen wachzuhalten, die zu Opfern wurden. Das sei umso wichtiger, als die Hassparolen der rechten Verführer in Deutschland und ganz Europa immer deutlicher zu vernehmen seien.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, erinnerte Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Limburg an den Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. In Limburg gehörten die Stolpersteine schon zum Stadtbild hinzu, ihnen werde im alltäglichen Leben begegnet. Und damit seien die zuvor namenlosen Opfer auch wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde bedankte sich bei allen, die die Stolpersteinaktion und somit ein Erinnern ermöglichten. Erfreute zeigte sie sich darüber, dass Schülerinnen und Schüler der Leo-Sternberg-Schule und der Peter-Paul-Cahensly-Schule an der Verlegung teilnahmen.

Leo-Sternberg-Schule seit Beginn Pate der Aktion

Seit Beginn an ist die Leo-Sternberg-Schule als Pate der Aktion mit dabei. „Es erfüllt uns mit Stolz, dass die Stadt bei uns um eine Patenschaft angefragt hat“, erklärte Schulleiter Attilio Forte. Es sei für die Schule, die nach einem jüdischen Bürger Limburgs benannt ist, eine Selbstverständlichkeit, sich für die Stolpersteine und damit für das Erinnern und gegen das Vergessen zu engagieren. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8aR übernahmen während der Verlegung die Aufgabe, mit dem Verlesen von kurzen Biographien an die Opfer zu erinnern, mit denen durch die Stolpersteine gedacht wird. Die Klasse wird in den kommenden zwei Jahren die Aktion begleiten und hat in diesem Jahr schon Spenden gesammelt und die bereits in der Stadt verlegten Stolpersteine gereinigt.

An der Verlegung des Stolpersteins im Rohrweg nahmen auch Angehörige des Opfers teil. Dort lebte Erich Josef Schardt mit seinen Eltern in einem Haus, das heute nicht mehr existiert. Erich Josef Schardt war seit seiner Geburt behindert und wurde 1931 in die Heilanstalt Aulhausen aufgenommen. Später kam er in den Kalmenhof nach Idstein und dann in die Heil- und Pflegeanstalt Hadamar, wo er, nach einem Aufenthalt in Herborn, dann am 28. Februar 1941 im Zuge der ersten Phase der Tötung Kranker und Behinderter ermordet wurde. Seinen Angehörigen wurde mitgeteilt, er sei in der Anstalt Hartheim in Linz gestorben.

97 Stolpersteine erinnern in Limburg sowie in den Ortsteilen Eschhofen, Lindenholzhausen, Staffel und Dietkirchen an die Opfer des NS-Regimes. Nach dem jetzigen Stand werden es am Ende 115 Stolpersteine sein, die an 115 Opfer erinnern, so Limburgs Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker. Die Steine erinnern an jüdische Opfer, an politisch und religiös Verfolgte, an Opfer der Krankenmorde und an ein Opfer, das nach NS-Auffassung ein Verbrechen begann hat.

Ein Projekt der Bürger

Interview mit Dr. Christoph Waldecker

Mit der sechsten Verlegung erhöht sich die Zahl der Stolpersteine, die in Limburg und den Stadtteilen an Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnern, auf 97. Die Steine wurden über Spenden finanziert, einige Spenden sind noch notwendig, um die weiteren Stolpersteine noch verlegen und finanzieren zu können. Nach dem derzeitigen Stand, so Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker, der die Aktion betreut, wird es 115 Stolpersteine geben.

Bisher sind alle verlegten Stolpersteine mit Hilfe von Spenden finanziert worden, lässt sich das bis zum Schluss fortführen?

Dr. Waldecker: Ich bin da recht zuversichtlich, dass wir das schaffen. Diese Art der Finanzierung in Limburg unterstreicht im Besonderen, dass die Stolpersteine ein Projekt der Bürgerschaft sind. Bisher gingen immerhin fast 11.200 Euro an Spenden ein. Pro Stein werden 120 Euro benötigt.

Was ist wenn die Spenden nicht ausreichen?

Waldecker: Von der jüngsten Verlegung sind bisher vier Steine nicht finanziert. Nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung tritt die Stadt in die Finanzierung ein, sollten die Kosten über Spenden nicht mehr gedeckt werden können. Aber ich bin überaus zuversichtlich, dass es gelingt, nicht nur die vier Steine der jetzigen Verlegung über Spenden zu finanzieren, sondern auch die noch verbleibenden Steine.

120 Euro, das kann oder will nicht jede oder jeder spenden.

Waldecker: Das muss auch nicht sein, niemand muss die Kosten für einen ganzen Stein aufbringen. Jede Spende, egal in welcher Höhe, ist willkommen und fließt in das Projekt ein. Es gab bisher schon viele kleine Spenden, es gab auch schon Spenden, mit denen die Verlegung mehrerer Steine finanziert werden konnte.

Stellt die Stadt auch Spendenbelege aus?

Waldecker: Das ist möglich, die Stadt stellt Spendenbelege aus. Dazu müssen die Spender jedoch noch einmal Kontakt zu mir aufnehmen.

Spenden können auf das folgende städtische Konto bei der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg eingezahlt werden: IBAN: DE14 5709 2800 0000 7602 18, BIC: GENODE51DIE, Kennwort Stolpersteine. Wer eine Spendenbestätigung möchte, nimmt bitte unter Angabe der eigenen Adresse Kontakt mit Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker auf, Tel. (06431) 203-368, Email: christoph.waldecker@stadt.limburg.de.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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