Ralf Heimann: „Die tote Kuh kommt morgen rein – Ein Reporter muss aufs Land“

Ein Jahr in der Provinz. Lokalredakteur in der Ödnis Borkendorf. Ich hätte mir was Besseres vorstellen können. Ein gebrochenes Bein zum Beispiel. Oder eine Steuernachzahlung. Aber man wird ja nicht gefragt.

Da ich selbst im Lokalen journalistisch unterwegs bin, sprach mich dieses Buch vom Titel her direkt an – „Die tote Kuh kommt morgen rein – Ein Reporter muss aufs Land“ von Ralf Heimann. Von dem Kollegen habe ich schon einiges auf Twitter gelesen und vor allem sein Ausstieg aus dem Lokaljournalismus schlug 2014 ein paar Wellen – Operation Harakiri.

Inhalt

Wegen einer Schwangerschaftsvertretung muss der Redakteur von heute auf morgen in die Provinz. Für ein ganzes Jahr. In dieser Zeit macht er Bekanntschaft mit von sich überzeugten Lokalpolitikern, der Macht der Taubenzuchtvereine, alternden Stars und von sich überzeugten Personen. Er erfährt, wie schwierig es ist, mit den betrunkenen Schützenkönig ein Interview zu führen. Seine Neuerungen stoßen auf offene Ohren, aber durchdringen nicht den jahrelangen Mief der vor Ort ansässigen Redaktion.

Wiederkehrende Ereignisse im Lokaljournalismus

Das Buch gewährt einen humoristischen, teils bissigen Blick in den Lokaljournalismus und gibt auch den Menschen, die nicht vom Fach sind, einen herrlich überspitzten Einblick in unseren Beruf. Die eine oder andere Situation habe ich wieder erkannt, weil ich sie ähnlich schon selbst erlebe habe.
Der Lokaljournalismus ist geprägt von den jährlich wiederkehrenden Ereignissen und selbst wenn wir manchmal denken, dass dies doch bekannte Dinge sind und sie uns nicht mehr interessieren, so haben sie doch für die Verantwortlichen eine Bedeutung. Es sind die jährlichen Feste und Konzerte der ansässigen Vereine, die das Leben in den Gemeinden ausmachen und diese bereichern. Es mag immer das Gleiche sein, doch für diese Vereine gehört das zum Vereinsleben dazu und dass sie dann darüber berichtet haben wollen, ist verständlich.

Fazit

Ein wenig störend an diesem Buch finde ich die immer wiederkehrende Erwähnung von Saufgelagen, in denen die Termine enden. Dies kann ich nicht nachvollziehen. In den Jahren, wo ich draußen unterwegs bin, kann ich mich nicht erinnern, nur einmal in einem Saufgelage geendet zu haben. Manche Geschichten sind mir von der Vorrede her zu lang und wenn es endlich interessant wird, ist das Kapitel zu Ende und ein neues beginnt. Das wirkt mir manchmal unvollendet. Auf die tote Kuh habe ich lange gewartet und leider kommt sie erst im letzten Kapitel und ist dann auch ziemlich schnell abgehandelt. Da hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht, vor allem, weil viele vielleicht gerade wegen dem Titel zum Buch greifen.
Insgesamt lässt es sich aber sehr leicht und kurzweilig lesen. Wer mal wissen möchte, womit wir Lokaljournalisten zu kämpfen haben, erhält hier eine humoristische Antwort.

Erschienen im Fischer Verlag SCHERZ
329 Seiten, broschiert 14,99 €

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Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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