Rathaus Limburg – wie geht es damit weiter?

Das Neue Rathaus in Limburg ist in die Jahre gekommen. Der historische Bau in der Fußgängerzone stammt aus dem Jahr 1898. In den 60er Jahren wurde der Betonbau an der Nordseite angebaut, welcher über einen Glasgang mit dem vorhandenen Gebäude verbunden wurde. Dieser über 50 Jahre alte Anbau benötigt eine Überholung und es steht die Frage im Raum, ob das Gebäude saniert oder eventuell neugebaut werden soll.

Ende 2017 kam das Thema auf die Agenda. Der Anbau des Rathauses, in dem sich der größte Teil der Verwaltung befindet, ist in die Jahre gekommen. Es befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand, vor allem im Bereich Energieeffizienz und Elektrik. Aufgrund der Kosten, die dabei auf die Stadt zukommen, kam die Überlegung auf, was günstiger sei – eine Sanierung oder ein Neubau (Artikel in der NNP am 14. Dezember 2017). Für die nächste Stadtverordnetenversammlung stellte die FDP den Antrag, dass zuerst eine Bedarfsanalyse erstellt werden soll, bevor es zu weiteren Entscheidungen kommt.

Bedarfsanalyse vor weiteren Entscheidungen

Die FDP-Fraktion in der Limburger Stadtverordnetenversammlung fordert vom Magistrat eine Bedarfs-Analyse für die nächsten 20 Jahre, bevor es zu irgendeiner Entscheidung kommt. Es sei wenig zielführend, bauliche Entscheidungen zu treffen, wenn nicht zuvor geklärt werde, welche Aufgaben die Stadtverwaltung aktuell in welchen Räumlichkeiten erledigt und welche sie auch künftig im „digitalen Zeitalter“ erfüllen müsse, so die FDP Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer. Erst danach können sachgerechte Entscheidungen zur Zukunft des „Neuen Rathauses“ getroffen werden. „Oberstes Gebot muss dabei eine bürgerfreundliche Verwaltung sein, die sich ihres Dienstleistungsauftrags für die Bürger bewusst ist“, erklärte die FDP-Kommunalpolitikerin.

Betrachtung aller Räumlichkeiten

Dabei geht es der FDP nicht nur um den Betonanbau. Sie fordert eine Betrachtung aller Gebäude, die die Verwaltung nutzt. Dazu zählen das Historische Rathaus, der Bauhof, das Schloss mit Stadtarchiv, Büros in der WerkStadt, die Lagerräumlichkeiten in Staffel sowie die Staudengärtnerei. Die Verwaltung soll prüfen, ob eine Bündelungen von Aufgaben möglich ist.  Optional könnten darüberhinaus bei der Analyse auch Räumlichkeiten berücksichtigt werden, bei denen die Stadt eine wesentliche Finanzierung trägt oder wesentliche Aufgaben erfüllt würden. Dazu zählen beispielsweise die Dombibliothek oder die Hauptfeuerwehrwache. Auch Aufgaben, die sich aus der Übernahme weiterer Aufgaben im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit ergeben, sollten möglichst berücksichtigt werden, so Schardt-Sauer.

Die FDP-Fraktion fordert, dass die Ergebnisse der Bedarfs-Analyse in öffentlicher Sitzung im Haupt-und Finanzausschuss vorzustellen sind. Erst danach können Entscheidungen zur Zukunft des „Neuen Rathauses“ getroffen werden. „Das Rathaus geht alle Limburger Bürger an“, erklärt Schardt Sauer unmissverständlich, „deshalb lehnt die FDP eine Beratung in nicht-öffentlichen Gremien entschieden ab. Zumal es bei den anstehenden Entscheidungen um die Verwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe geht.“

Grüne und CDU äußern sich skeptisch

Der Grünen-Stadtverordnete Dr. Sebastian Schaub sieht den Antrag der FDP skeptisch. Die Fragen seien alle richtig. Aber warum stellt die FDP extra einen Antrag, wo sich doch eine Arbeitsgruppe mit dem Thema auseinandersetzt? Wenn die Arbeitsgruppe Fakten bereitstellt, dann bestünde die Möglichkeit, in die Diskussion zu gehen. Aber erstmal soll die Arbeitsgruppe ihrer Aufgabe nachgehen.
Auch der CDU Fraktionsvorsitzende Christopher Dietz findet den Antrag überflüssig. Seine Fraktion werde den Antrag ablehnen. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass eine umfangreiche Bedarfsanalyse stattfinden muss“, so Dietz. Zudem hat die Arbeitsgruppe die Aufgabe, dem Bauausschuss sowie den Stadtverordneten fachlich zuzuarbeiten. „Die Mitglieder in der Arbeitsgruppe haben sich verdient gemacht bei den Beratungen zu den Gemeindehäusern“, so Dietz weiter, „dann sollten wir ihnen sowie der Behörde und ihrer fachlichen Bewertung unser Vertrauen aussprechen.“ Er räumte aber auch an, dass im Moment noch alles sehr offen stünde.

Das Limburger Rathaus aus Sicht eines Rollstuhlfahrers

Bei der Thematik ist es wichtig, sich das Gebäude aus Sicht eines Rollstuhlfahrers anzuschauen. Frank F. König ist Stadtverordneter für die FDP. In seinen „Barrierefreien Ausblicken und Wort und Bild“ wirft er seinen Blick auf die Dinge und hat seine Meinung zum Rathaus aufgeschrieben. Nachfolgend seine Worte.

Das Thema Barrierefreiheit macht auch nicht vor dem Rathaus in Limburg halt. Bevor man die Barrierefreiheit betrachten kann, muss man wissen – es gibt ein Historisches Rathaus und ein Neubau. Dieser Neubau der im Jahre 2018 einige Jahrzehnte hinter sich hat, ist für Rollstuhlfahrer in Teilen barrierefrei. Beide Rathäuser werden über einen sogenannten Brückenbau verbunden. So das nicht jedes Stockwerk befahrbar ist – im 1. Stock aus dem Aufzug kommend muss man als Rollstuhlfahrer einen Treppenlift nutzen um auf die Ebene im Historischem Rathaus zu gelangen.

Beginnen wir aber beim Rathaus (Neubau) am barrierefreien Eingang der Pusteblume. Direkt unter dem Hinweisschild zu Rauchverbot bekommt man folgendes zu lesen bzw. begrüßt von dem Hinweisschild das nicht nur vom Text / Aussage Jahrzehnte in sich trägt.

„Wir kommen Ihnen entgegen wenn Sie behindert sind“ Bitte läuten!

Den Text lassen wir an dieser Stelle unkommentiert. Zurück zum Rathaus, ist man durch die beiden Türen am Eingang (Doppeltür) gekommen, ist es als Rollstuhlfahrer möglich, sich im Rathaus zu bewegen – dazu hilft ein vorhandener Aufzug. Nur wer auf einen Elektro- Rollstuhl angewiesen ist, wird nicht nur am Aufzug, sondern auch in den Büros scheitern. Viele Dienstzimmer sind inklusive Mobiliar einfach zu eng / klein.

Ein Fortschritt ist seit dem Jahr 2018 im Rathaus vorhanden – eine neue Behinderten Toilette im 3. OG des Rathauses (Neubau) – gerade mir als Stadtverordneter hilft dies. Ein gutes Gefühl, wenn man sich unbeschwert auf dem Weg zur Toilette machen kann. Da aktuell diskutiert wird, dass es im Rathaus Instandsetzungsarbeiten, gar Sanierungen geben wird oder sogar ein Neubau in Diskussion ist, schreckt man natürlich auf. Hier hat jede Fraktion seine Fragen, Vorstellungen und auch Möglichkeit mitzuwirken. So auch meine Fraktion – die FDP-Fraktion im Stadtparlament. einfach logisch, das dies Thema bei einer möglichen Umsetzung eine Rolle spielen muss. Wir reden ja von der Zukunft, in einer Gesellschaft die glücklicherweise immer älter wird.  Ein Muss bei der Gestaltung eines Rathauses – egal ob im Bestand oder Neubau. In Sachen Barrierefreiheit gibt es Bauvorschriften, DIN Regelungen und Beiräte wie den Behindertenbeirat, den Beirat für ältere Mitbürger und einiges mehr. Also Kräfte die man nutzen sollte. Ich bin dabei, denn es wäre ein Beitrag für die Gesellschaft – sprich für den Bürger.

Dies ist die Sicht eines Rollstuhlfahrers – Menschen mit Sehbehinderung erfahren völlig andere Barrieren. Dazu gibt es Fachleute in Limburg, die zeigen gerne ihr Umfeld auf – sind lösungsinteressiert und sehr aktiv. Das Rathaus ist aber einfach mehr. Digital, sprich das Webangebot der Stadt – auch hier besteht extremer Bedarf. Aber dies würde an dieser Stelle jetzt zu weit führen.

Stadtverordnetenversammlung

Am Montag, 5.Februar, ist die nächste Stadtverordnetenversammlung und es wird über den Antrag der FDP abgestimmt.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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