Reine Frauensache – Frauenprojektchor des Sängerkreis Limburg

Seit Januar begleite ich den Frauenprojektchor des Sängerkreises Limburg. Dies ist das erste Projekt dieser Art im Sängerkreis und stieß bei den Sängerinnen auf große Resonanz. Es werden Stücke aus dem neuen Chorbuch „Reine Frauensache“ einstudiert. Für das Dirigat gewann Andrea Brühl, die Frauenbeauftragte vom Sängerkreis, die renommierten Musiker Uwe Henkhaus und Ernie Rhein. Beide besitzen ganz unterschiedliche Stile, um mit den Sängerinnen die Lieder einzustudieren. Als dritte im Bunde macht Nadja Jamiro Stimmbildungsübungen mit den Sängerinnen.
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Umstellung der Stimmen für einen besseren Klang

Im April fand ein Wechsel einiger Stimmen statt, da der Chorklang zu Beginn zwar recht kraftvoll war, aber unausgewogen, weil zu viele im Sopran 1 sangen. In einem Vorsingen arbeitete Nadja Jamiro mit den Sängerinnen, um sie in ein neues Stimmfach einzuteilen. „Die Sängerinnen hatten sich alle vom Stimmfach her richtig eingeteilt, aber die Tatsache, dass eine gesunde  Stimme mindestens zwei Stimmfächer umfasst, erlaubte es ihnen, die gewohnte oder bevorzugte Stimmlage zu wählen, was zu einer Überflutung des Sopran 1 geführt hat“, so Jamiro. Die Neueinteilung ist gelungen und der Projektchor klingt wärmer und größer, da er Kraft im Fundament gewonnen. Sie lobte die positive und offene Haltung aller Mitwirkenden, die sich darauf eingelassen haben.  Für die Sängerinnen bietet dieses Projekt nicht nur das gemeinsame Singen. Sie erhalten die Chance, eine größere Bandbreite musikalisch, gedanklich und stimmtechnisch zu erleben und auf verschiedenen Ebenen zu entwickeln. „Ein Projektchor ist eine Plattform zum Ausprobieren mit Sicherheitsgurt“, so Jamiro.

Sängerinnen und Chorleiter müssen sich erst aneinander gewöhnen

Dirigent Ernie Rhein sieht in der kurzen Zeit eine klare Entwicklung.  Generell sei es bei Sängerinnen, die noch nicht zusammen gesungen haben, so, dass es einige Zeit braucht bis der Chor selbst „seinen Klang“ findet. Singen hat in erster Linie was mit dem Hören zu tun – der Sänger muss ja nicht nur den Ton produzieren sondern auch in den Gesamtklang einfügen, erklärt der Dirigent. Daher sehe er, dass sich die Sängerinnen an den gemeinsamen Klang gewöhnen und zu einer Einheit werden. Neben dem stimmlichen Zusammenfinden ist die Herausforderung eines Projektchores auch der neue Dirigent, an dessen Stil sich jeder erstmal gewöhnen muss. „Den Choristen eine Suggestion geben, Ihnen (auch unterschwellig) klarzumachen wie ich mir ein Stück vorstelle, das alles bedeutet Kommunikation auf mehreren Ebenen“, so Rhein, „Ich habe das Gefühl, dass die Sängerinnen langsam meine Gefühlsebene kennen lernen.“ Wie seine Mitkollegen sah er die Notwendigkeit, die Stimmen neu einzuteilen. Dies sei eine Chance für die Sängerin, ihre richtige Stimme zu finden. Für den Chor war dieser Schritt gut, da er nun einen homogeneren Klang besitzt.

Team aus drei Dozenten

Gerne möchte ich die einzelnen Dozenten des Frauenprojektchores kurz vorstellen.

Nadja Jamiro
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Nadja Jamiro (Mezzo Sopran) ist für die Stimmbildung der Sängerinnen zuständig. Sie studierte Gesangspädagogik sowie Konzertgesang (Abschluss 1991) und studiert zur Zeit Complete Vocal Technique in Kopenhagen. Durch ihre angeleitete Complete Vocal Technique erfahren die Sängerinnen die stimmlichen Möglichkeiten, verschiedene Klangfarben bewusst zu erzeugen. Sie erfahren den technischen Hintergrund und können ihre Stimme dadurch selbstständiger führen, um musikalischen Wünschen der Chorleiter leichter nachzukommen. Nadja Jamiro besitzt ein weit gefächertes Repertoire von Renaissance- über Romantik bis hin zu Popularmusik. Als Stimmbildnerin arbeitet sie in der Mädchenkantorei am hohen Dom zu Limburg, in ihrem Studio in Netzbach sowie bei zahlreichen Chören. Seit 2015 ist sie Musiklehrerin an der Waldorfschule Diez. Seit 2005 singt sie im Ensemble Amaryllis und hat etliche CD-Produktionen eingespielt.

Ernie Rhein

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Ernie Rhein begann im Alter von 4 Jahren, Klavier und Geige zu spielen. Ab dem 7. Lebensjahr erhielt er eine pianistische Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Bis 2009 absolvierte er in verschiedenen Fächern seine Ausbildung an der Frankfurter Chorleiterschule des HSB sowie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/ Main. Studienbegleitend unterrichtete Rhein bereits Dirigieren (Schlag- und Dirigiertechnik sowie Probenmethodik). Er erhielt ebenfalls Gesangsunterricht und arbeitete als Chorsänger mit namhaften Ensembles zusammen. 2007 war Rhein Preisträger des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Dirigierwettbewerbs der Stadt Frankfurt/M. Seit 2000 ist Rhein Leiter von erfolgreichen Chören sämtlicher Chorgattungen. Er gewann mehrere Erste Preise bei Chorwettbewerben. Konzertreisen führten ihn zu zahlreichen Auftritten im In- und Ausland. Von 2007 bis 2013 engagierte er sich als Kreis-Chorleiter im Sängerkreis Wiesbaden. Ernie Rhein ist Bundeschorleiter der Hessischen Chorjugend und Mitglied im Musikausschuss des Hessischen Sängerbundes. Seit 2011 ist er Studienrat für Musik sowie Politik und Wirtschaft am Gymnasium in Taunusstein.

Uwe Henkhaus

April 2016 (11)

Uwe Henkhaus studierte in Marburg Musikwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte. Er ist Dozent an der Marburger Chorleiterschule und arbeitet mit Chören aller Gattungen. Von 1981 bis 2004 war er musikalischer Leiter der Europäischen Jugendwochen auf Burg Ludwigstein. Neben zahlreichen Konzertreisen ins In- und Ausland, gewann er mit seinen Chören verschiedene Preise. Seit 1997 ist er Mitglied im Musikausschuss des Hessischen Sängerbundes, seit 2005 dessen stellvertretender Vorsitzender. Er leitet Chor-Ateliers bei internationalen Chorfestivals, Chorleiterfortbildungen und Workshops, ist Juror bei Wettbewerben und Kritiker bei Kreiswertungssingen. Darüber hinaus ist Uwe Henkhaus Musikjournalist, Buchautor und Komponist. Neben dem Valentin-Eduard-Becker-Kompositionspreis, dem Komponistenpreis der Stadt Wolfsburg und zwei Förderpreisen des Hessischen Sängerbundes erhielt er u. a. den Otto-Ubbelohde-Preis des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Premiere zum „4.Tag der Frauenstimme“

Es herrscht eine tolle Atmosphäre, was auch der einfühlsamen Organisation von Andrea Brühl geschuldet ist. Für sie war es eine Herzensangelegenheit, ein solches Projekt durchzuführen. Gerne hätte ich den Frauenprojektchor am 28. Mai nach Stuttgart begleitet, wo die Sängerinnen am Event „Reine Frauensache“ mitwirken. Runde 600 Sängerinnen werden gemeinsam singen und ich kann mir vorstellen, dass dies großartig klingen wird. Die Frauen werden einen Gottesdienst in der Pfarrkirche Obertiefenbach mitgestaltet als Danke für die Nutzung der Probenräume.
Die große Premiere wird der Chor am „4. Tag der Frauenstimme“ am 2. Oktober in Lindenholzhausen haben. Neben dem Frauenprojektchor werden auch FrauenChöre aus den SK Limburg und Oberlahn die Möglichkeit haben zur Präsentation. Schnupperworkshops mit den Themen Stimmbildung (CVT), Obertöne sowie Gestik/ Mimik im Chor und immer wieder gemeinsames Singen mit allen versprechen ein unterhaltsames Programm.

 

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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