Lokalgespräch mit Sabrina Unger – Kräuterkunde für Groß und Klein

Auf dem Markt zum 800-jährigen Bestehen des Ortsteils Dorchheim (Elbtal) traf ich Sabrina Unger mit ihren Kräutern und verfolgte später auf Facebook, wie sie über die Jahreszeiten verteilt verschiedene Kräuter vorstellt. Daher wollte ich gerne mal mit ihr sprechen, ob für alles ein Kraut gewachsen ist und ob es trotzdem auch noch Unkräuter gibt.

Was bist du von Beruf?

Sabrina Unger: Ich bin gelernte Tierarzt-Helferin, war danach 15 Jahre im Verkauf und arbeite nun seit zwei Jahren auf einem Reiterhof.

Wie kam es dazu, dass du dich der Kräuterkunde zugewandt hast?

Sabrina Unger: Ich fand die Natur schon immer faszinierend und besaß eine Leidenschaft für Kräuter. Irgendwann bin ich nur noch mit der Nase auf dem Boden durch die Gegend gelaufen. Vor vier Jahren habe ich dann eine Ausbildung an der Heilkräuterschule in Runkel gemacht und bin nun anerkannte Pädagogin für Kräuter. Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen dafür interessieren würden. Daher möchte ich mein Wissen den Erwachsenen und auch Kindern näher bringen.

Was fasziniert dich daran?

Sabrina Unger: Ich bin sehr naturverbunden. Ich finde es toll, dass Mutter Natur uns so viel gibt und wir so viel aus der Natur essen können. Wir bilden eigentlich eine Einheit mit der Natur, doch diese ist bei vielen Menschen unterbrochen. Natürliche Geschmäcker haben wir gegen industriell hergestellte Nahrung getauscht.

Es heißt immer so schön „Es gibt keine Unkräuter“. Wie ist deine Meinung dazu?

Sabrina Unger: Dem stimme ich zu. Es gibt nur Beikräuter. Es gibt so viele wunderschöne Kräuter, auch mit verschiedenen Düften. Wir sollten wieder die Natur entdecken, sie fühlen und riechen. Dies ist eine wunderschöne Einheit.

Hast Du Vorbilder für deine Arbeit?

Sabrina Unger: Herr Stohr, welcher die Kräuterkunde mit der Mythologie verbindet wie Schutzkräuter oder Reinigungskräuter. Dann noch Maria Threben und Hildegard von Bingen, welche viele Kräuter bei ihren Heilmethoden angewandt haben.
Dennoch möchte ich mich nicht an anderen messen, sondern eigene Erfahrungen sammeln.

Hast du ein Lieblingskraut, ohne dass du dir dein Leben nicht vorstellen kannst?

Sabrina Unger: Es ist schwer, ein Kraut als Liebling zu bezeichnen. Ich bin ein großer Minzefan und mag generell Kräuter, die stark duften. Es gibt so viele verschiedene Kräuter für verschiedene Wehwehchen. Ich kann mich nicht auf ein Kraut festlegen. Das ändert sich auch damit, welches Kraut ich gerade für mein Wohlbefinden benötige.

Welches Kraut sollte jeder in seinem Garten haben?

Sabrina Unger: Das ist ähnlich wie oben, es gibt kein bestimmtes Kraut für jeden. Ich habe jedoch festgestellt, dass meistens die Kräuter sehr gut im Garten wachsen, die eine Person gerade für ihr Wohlbefinden benötigt.

Hast du das Gefühl, dass sich das Bewusstsein der Menschen wieder mehr zur Natur hin wendet?

Sabrina Unger: Ja, das habe ich. Es ist noch ein geringer Teil, doch er nimmt stetig zu. Dies zeigt sich auch in einer bewussteren Ernährung.

Bist du Vegetarier?

Sabrina Unger: Ich bin Teilzeit-Vegetarier. Ich bin gegen industrielle Lebensmittel. Ich versuche tierische Produkte zu vermeiden. Wenn ich mal Fleisch esse, dann nur vom Bauernhof. Meine Kinder sollen wissen, wo das Fleisch herkommt und wie es gewonnen wird. Das hört sich jetzt rabiat an, aber ich finde es wichtig. Ich kann jedem nur Brennnesselsuppe empfehlen. Das ist kein Unkraut im Garten zum ausrupfen und wegschmeißen, sondern sehr protein- und eiweißreich.

Diverse Kräuter finden sich im Garten von Sabrina Unger

Durch mein Studium hat sich auch massiv meine Ernährung verändert. Jeden Morgen gehe ich durch den Garten und sammle mir die Kräuter für meinen Smoothie zusammen. Im Winter fehlt mir dies ein wenig. Ich bin inzwischen wesentlich seltener krank, kämpfe weniger mit Migräne und fühle mich insgesamt viel fitter.

Was machst du sonst noch aus den Kräutern außer sie zu essen?

Sabrina Unger: Ich stelle für mich Tinkturen her, indem ich die Kräuter in Alkohol einlege.

Gibt es Kräuter, die allergische Reaktionen hervorrufen?

Sabrina Unger: Ja, es gibt verschiedene Kräuter mit allergenen Inhaltsstoffen z.B. Histamin in Brennnesseln oder ätherische Öle in der Minze. Die Wirkung von Johanniskraut verstärkt sich in der Sonne und es kommt zu Sonnenbrand.

Ist gegen alles ein Kraut gewachsen?

Sabrina Unger: Von meiner Grundeinstellung her ja, aber ich bin auch froh, dass es die moderne Medizin gibt.

Besitzt jedes Kraut einen Nutzen?

Sabrina Unger: Ja, jedes Kraut besitzt einen Nutzen und wenn nicht direkt für uns, dann für die Tierwelt. Von den Blüten ernähren sich die Insekten. Alles befindet sich in einer Symbiose.

Was passiert bei deinen Kräuterführungen?

Sabrina Unger: Ich zeige den Menschen, welche Kräuter vor ihrer Haustür wachsen und gebe Informationen wie Inhaltsstoffe, Verwendungsmöglichkeiten oder Verwechslungsgefahren mit dazu. Wir haben auch schon Kräuter gesammelt und diese am Ende zu einer leckeren Kräuterbutter verarbeitet.
Bereits nach 1,5h verändert sich die Perspektive der Menschen. Es ist mein Ziel, dass die Menschen achtsamer werden.

Welche Wünsche hast du in Bezug auf die Kräuterwanderungen?

Sabrina Unger: Ich möchte gerne noch mehr Möglichkeiten bekommen, um mein Wissen weiterzugeben. Daher würde ich gerne mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten.

Wer mehr von Sabrina Unger erfahren möchte und Lust auf eine Kräuterwanderung hat, findet alle Informationen auf ihrer Facebook-Seite.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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