Tag der Arbeit: „Nur gemeinsam sind wir stark“

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Unter dem Motto „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“ rief der DGB (Deutsche Gewerkschaftsbund) Kreisverband Limburg-Weilburg zu einer Demonstration durch Limburg auf und zu einer anschließenden Kundgebung auf dem Kauflandgelände. Zahlreiche Menschen folgten diesem Aufruf.

Rund 150 Menschen zogen mit Fahnen und Trillerpfeifen durch die Limburger Innenstadt und machten auf ihre Motto „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“ aufmerksam. Nochmal so viele Menschen kamen auf dem Kauflandgelände zusammen, so dass am Ende rund 300 Menschen vor Ort waren. In den Ansprachen ging es immer wieder um den Menschen, der im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen muss. Aber auch um den gemeinsamen Kampf für eine lebenswerte Zukunft. Gewerkschaften und Politik kamen zusammen. Menschen jeglichen Alters, jeglicher Gruppierung sowie verschiedener Kulturen waren vor Ort.

Digitaler Wandel 4.0

Ein wichtiges Thema war der digitale Wandel 4.0 und wie der Mensch darin aufgestellt ist. „Wir werden den digitalen Wandel begleiten“, so DGB-Kreisverbandsvorsitzende Viktoria Spiegelberg-Kamens, „auch in einer digitalen Welt muss der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht die Maschine.“ Der digitale Wandel ist bereits allgegenwärtig und prägt unseren Alltag, so Thomas Dauenhauer, IG Bau. Jeder ist immer erreichbar, immer verfügbar. Dies führe laut Dauenhauer dazu, dass sich die Arbeitszeiten verschieben, lebenslanges Lernen neu definiert werden muss, die Arbeitsbedingungen sich ständig ändern und dadurch ein permanenter Arbeitsdruck entsteht. Dies führe zu Stress, Erschöpfung und Burnout. „Es liegt in unserer Hand, ob wir uns dem einfach ausliefern oder selbstbestimmt damit umgehen“, so Dauenhauer. Die Arbeitnehmer müssen nicht nur vor den Auswirkungen des digitalen Wandels geschützt werden. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, diesen mitzubestimmen über Tarif- und Betriebspolitik. Und erfolgreich ist dieser Prozess nur, wenn jeder weiß, was er will. „Wir müssen gute und faire Arbeit unter neuen Bedingungen gestalten“, so Dauenhauer. Dieser Prozess fordert jeden Einzelnen.

Menschenwürdige Arbeitswelt

An den Ausführungen von Dauenhauer schloss Martin Mohr, Diözesansekretär des KAB- Bezirksverbandes Limburg (Katholische Arbeiterbewegung) an. „Die Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeitswelt darf nicht zur Versklavung von Millionen Arbeitnehmern führen.“ Die Politik sei nun gefordert, Rahmenbedingungen für eine menschenwürdig gestaltetet Wirtschafts- und Arbeitswelt 4.0 zu gestalten. Daher fordere die KAB einen armutsfesten Mindestlohn von 13,44 Euro, um die Gefahr von Altersarmut zu verringern. Auch wenn ein Mindestlohn bereits existiert, muss dieser flächendeckend kontrolliert werden. Denn es gibt noch immer über zwei Millionen Arbeitnehmer, denen der zustehende Mindestlohn verwehrt wird. Daher setze er sich ein, die Mitbestimmungsrechte auszubauen und für menschengerechte Arbeitszeiten zu kämpfen. Auch eine flexible Arbeitszeit müsse hinter dem Gemeinwohl der Menschen zurückstehen. Viktoria Spiegelberg-Kamens pflichtete ihm bei. „Wir dürfen keine Angst vor dem digitalen Wandel haben, aber wir müssen ihn nutzen und ihn mitgestalten.“

Es gibt viel zu tun

Der 1. Mai hat seinen Ursprung 1886 in Amerika. Die Nordamerikanische Arbeiterbewegung rief damals zum Generalstreik auf, um für einen 8-Stunden-Tag zu kämpfen (mehr unter Wikipedia). „Sind wir heute weiter?“, fragte Bürgermeister Marius Hahn, „was können wir tun, dass Solidarität, Gerechtigkeit und Vielfalt keine leeren Worthülsen bleiben?“ Und dann rief er dazu auf, dass jeder täglich im Miteinander etwas dafür tun kann. Jeder kann in der Gesellschaft die Worte mit Leben füllen. „Wenn wir zusammenstehen, ist mir um die Zukunft nicht bange“, so Hahn. Noch etwas kämpferischer gab sich Axel Gerntke, IG Metall. Die Politiker sollen nicht mehr nur auf die Statistik schauen, sondern auf die einzelnen Menschen. Laut Statistik stehe Deutschland gut da, aber dennoch wird die Lücke zwischen arm und reich immer größer. „Die oberen 10 Prozent haben in den letzten Jahren plus gemacht“, so Gerntke, „aber die unteren Schichten haben an Kaufkraft verloren.“ Bei der Rente stehe Deutschland vor einem Absturz in die Altersarmut. „Rente mit 67 ist ein Schandgesetz und muss wieder weg“, forderte er. Das Rentenniveau müsse ansteigen und jeder müsse einzahlen. „Es ist nur recht und billig, wenn die, die über unsere Alterssicherung entscheiden, auch den gleichen Regeln unterliegen“, so seine lautstarke Forderung. Und der Applaus der Zuhörer stimmte ihm zu. Zum Ende wies er darauf hin, dass niemand den Menschen diesen Kampf abnehmen wird, sondern jeder Einzelne dafür kämpfen muss.

Recht auf Ausbildung und Ausbildungsqualität

Auch die Jugend meldete sich zu Wort. Maximillian Zacharias, Vorsitzender der Jugendauszubildendenvertretung vom St. Vincenz sowie Julia Flechtner, DGB Jugend Mittelhessen, forderten, dass mehr Qualität in die Ausbildung gesteckt wird. Bereits heute fehlen 162.000 Stellen in den pflegerischen Berufen, so Zacharias. Und anstatt den Auszubildenden zu zeigen, wie wertvoll dieser Beruf ist, werden sie ausgebeutet, sind nur eine Nummer und die Pflege wird schlecht geredet. Dies sei der falsche Weg. Flechtner fordert, dass jeder ein Recht auf eine Ausbildung hat. „Wir wollen eine Ausbildungsgarantie und eine Mindestausbildungsvergütung“, so Flechtner. Zudem forderte sie bessere Bildung, die bei Investitionen in die Schulgebäude beginnt sowie bei der Ausstattung der Schulen, die aber auch keinen Halt vor den Lehrern macht und denen mehr Wertschätzung entgegenbringt. „Wenn wir zusammen kämpfen, erreichen wir mehr für alle“; so Flechtner. Auch Viktoria Spiegelberg-Kamens sprach sich dafür aus, die Jugend zu fördern. Doch ganz auf die Alten möchte sie nicht verzichten: „Die Jugend ist wichtig, doch ohne die Weisheit der Alten sind wir nichts.“

Erwartungen übertroffen

Seit einem halben Jahr ist Viktoria Spiegelberg-Kamens die DGB-Kreisverbandsvorsitzende. „Nach einem halben Jahr Amtszeit ist es nicht einfach, eine solche Veranstaltung zu organisieren“, so Spiegelberg-Kamens. Daher bedankte sie sich bei allen, die sie unterstützt haben. Es sei ihre erste angemeldete Demo gewesen und sie habe nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet. „Alle unsere Erwartungen wurden übertroffen“, äußerte sie sich am Ende zufrieden. Und so lange der Mensch im Mittelpunkt stehe, habe sie keine Angst vor dem digitalen Wandel. Glücklich machte sie auch das Miteinander der vielen Gruppierungen. Am heutigen Tage habe sich gezeigt, dass die Gesellschaft vielfältig und bunt ist und ein Miteinander funktioniert. Und der Tag zeigte, dass sich diese Vielfalt an Menschen alle für ähnliche Themen interessieren. „Wir können der Zukunft gemeinsam begegnen.“

 

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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