theater am Bach präsentierte Profi-tab: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“

Das theater am bach präsentierte am Freitagabend Michael Quast und Philipp Mosetter, die in ihrer ganz eigenen Interpretation Goethes Faust zu ergründen versuchten.

„Eigentlich habe Goethe in den ersten 30 Zeilen schon alles gesagt“, wiederholte sich Philipp Mosetter während des ganzen Stückes. Dennoch nahmen die beiden Schauspieler Michael Quast und Philipp Mosetter Goethes Faust bis zum Ende auseinander und boten ihre ganz eigene Interpretation des Stückes dar. Philipp Mosetter, der Ruhige und Besonnene, der großen Wert auf das noch so kleinste Detail legte. Er unterbrach Quast beim Rezitieren so lange, bis er zufrieden war. „Du musst älter klingen, viel älter, versuche es doch mal ohne Zähne“ oder „Könntest Du bitte geisterartiger sprechen? Nicht so lokalisiert, sondern Deine Stimme überall gleichzeitig erklingen lassen?“ bis hin zu „ich höre, dass Du nicht siehst.“ Und dem gegenüber Quast, der sein bestes gab, denn Aufforderungen nachzukommen und dabei wahrlich aus sich herausgeht und in seiner multiplen Rollenverteilung aufgeht, dass das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Und während Quast Faust I. mit Leben erfüllte, zog Mosetter die Parallelen von Faust zu Goethes eigenem Leben und sinnierte zwischendrin über selbst gemachte Erfahrungen nach.

Michael Quast (li) und Philipp Mosetter interpretierten Goethes Faust auf ihre ganz eigene Art und Weise.
Michael Quast (li) und Philipp Mosetter interpretierten Goethes Faust auf ihre ganz eigene Art und Weise.

„Goethe: Faust I. – eine kommentierte Darstellung“ gehört seit 1999 zu einem Dauerbrenner der beiden Darsteller. Zum 20-jährigen Vereinsjubiläum konnte das theater am bach Michael Quast als Schirmherren für seine Freilicht-Aufführungen im Juli gewinnen und freute sich sehr, dass er mit seinem Kollegen zu einem Gastspiel nach Elz kam. Mit mehrfarbigen Lichteffekten versetzten die Darsteller die Zuschauer in die verschiedenen Szenen. Zumeist überließ es Mosetter seinem Kollegen Quast, die Figuren zu spielen, während der den kommentierenden Part übernahm, in die Szenerie einführte und Regieanweisungen abgab. Nur beim Gretchen fackelte er nicht lange: „Diese Rolle passte schon immer zu mir“ und übernahm den zierenden, schüchternen Part des jungen Fräuleins. Um den Text ausführlich zu interpretieren, bedienten sich die beiden bei der Psychoanalyse, der Quantentheorie und der Kunst, Papierflieger zu falten, um am Ende festzustellen, dass Goethe eigentlich nur seine Verdauungsprobleme sowie Sexualprobleme in dem Stück verarbeitet habe. Die Zuschauer ließen sich vom ersten Moment an mitreißen und quittierten die Vorstellung mit langanhaltendem Applaus. Dies animierte die beiden Darsteller zu einer Zugabe. Mit „Ihr habt es ja nicht anders gewollt“, kramten sie Faust II. hervor, nahmen sich den letzten Absatz vor und bemerkten: „Damit sei eigentlich alles gesagt“.

 

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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