Per J. Andersson „Vom Inder, der nach Schweden fuhr…“

Häufig stand ich vor diesem Buch und überlegte mir, ob ich es lesen sollte. Letztendlich siegte die Neugierde. Das Buch „Vom, Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ basiert auf einer wahren Begebenheit.

Deine zukünftige Frau wird musikalisch sein, einen Dschungel besitzen und im Zeichen des Stiers geboren sein. Sie wird  nicht aus unserem Land stammen

Inhalt: Die wahre Geschichte einer großen Liebe. Pikay lernt 1975 in New Delhi die junge Schwedin Lotta kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Als Lotta zurück nach Schweden geht, setzt sich Pikay kurz entschlossen auf ein altes Fahrrad und fährt ihr hinterher.

Lebensweg des kastenlosen Inder Pikay

Pikay heißt eigentlich Pradyumma Kumar und wurde als Unberührbarer kastenlos in Indien geboren. Das Buch beginnt bei seiner Geburt und seiner Prophezeiung, dass er mit Farben zu tun haben wird, sowie eine Frau kennenlernen wird, welche nicht aus Indien stammt. Als Unberührbarer wächst er in ärmlichen Verhältnissen auf und erfährt sehr viel Ablehnung. Dank starker Eltern beißt er sich durch, doch diese Ablehnung wird er als ewigen Selbstzweifel beibehalten. Erst als er zum Studium nach Neu Delhi geht, erfährt er, dass er seiner selbst Willen geschätzt wird und nicht aufgrund seines Status. Dennoch kämpft er immer wieder mit den Gefühlen, falsch am Platz zu sein. Muss er zu Beginn seines Studiums noch Hunger leiden, erkennt er irgendwann, dass er mit seiner Portraitmalerei Geld verdienen kann. Dies begleitet ihn einen ganzen Teil seines Weges.

Unglaubliche Liebesgeschichte

Lotta zieht es schon immer nach Indien. Als sie alt genug ist, fährt sie mit einem alten Bus los. Über den mehrere tausend Kilometer langen Landweg gelangt sie in dieses geheimnisvolle Land. In Neu Delhi begegnet sie Pikay und beide verlieben sich unsterblich ineinander. Für Lotta ist es irgendwann Zeit, wieder nach Schweden zu gehen. Dort beginnt sie auf Anraten ihrer Eltern eine Ausbildung, bleibt jedoch im ständigen brieflichen Kontakt mit Pikay. Dieser hält es irgendwann nicht mehr aus und macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg. Er schafft es, Schweden zu erreichen, mit viel Unterstützung von Freunden, die er im Laufe der Zeit kennengelernt hat. In Schweden beginnen wieder seine Selbstzweifel, denn er fühlt sich fremd vor Ort.
Doch es kann verraten werden, dass die beiden seit 35 Jahren verheiratet sind und zwei Kinder haben. Den Kontakt zu Indien hat Pikay und seine Familie nie verloren.

Während Pikay sehr tief beschrieben wird, der Leser in seine tiefsten Gedanken und Ängste mitgenommen wird, fällt mir die Charakterisierung von Lotta ein bisschen zu oberflächlich aus.  Dennoch insgesamt eine sehr schöne, ruhige Geschichte, die kleine Einblicke in das Kastensystem von Indien gibt. Aber sie zeigt auch, dass das Leben manchmal anders spielt als man für möglich hält.

Taschenbuch, 319 Seiten, 10,90€
Verlag Kiepenheuer&Witsch

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Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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