Was bedeutet der Brexit für die Region?

Der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer war zu Gast beim Lions Club Limburg-Nassau und referierte darüber, welche Chancen sich für die Region durch den Brexit auftun und was die Region tun kann, um junge Menschen zu halten. Obwohl es erstmal so scheint, als ob der Brexit die Limburger Region nicht betreffe, sei es berechtigt, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen.

Lebenswerter Wohnraum

Thomas Schäfer nahm jedoch die Illusion, dass sich die großen Firmen hier ansiedeln werden. Er gehe davon aus, dass es viele Dienstleister aus dem Finanzsektor nach Deutschland ziehen werde, aber dann direkt nach Frankfurt in die Nähe der Regulierungsbehörden. Zudem habe Deutschland durch sein duales Ausbildungssystem sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte. Die Arbeiter, die mitkommen, suchen dann lebenswerten Wohnraum. Und damit kann die Region absolut punkten. „Das vermeintlich provinzielle ist ein hoher Gewinn“, so Schäfer. Die Arbeitnehmer sind aus London lange Arbeitswege gewohnt, da sie sich die Wohnungen in Arbeitsnähe nicht leisten können. Die werden begeistert sein, innerhalb von einer Stunde Fahrtzeit so eine lebenswerte Region vorzufinden.

Auf Nachfrage wies er darauf hin, dass Kommunen keine Alleingänge machen sollen, um für sich in London zu werben. Vielmehr sollten sie sich mit Regionalbehörden auf Landesebene in Verbindung setzen und einen gemeinsamen Weg finden, wie sie auf sich aufmerksam machen können. Dies sei besser, als eigenmächtig zu handeln.

Perspektive für junge Menschen in der Region

In der ländlichen Region ist die rückläufige Bevölkerungsentwicklung eine Herausforderung. Der Wegzug aus der Provinz in die Ballungsgebiete ist ungebremst. Welche Perspektiven können den jungen Menschen geboten werden, damit sie in der Region bleiben? Eine Möglichkeit sieht Schäfer darin, dass die technischen Hochschulen sich nicht an einem Ort konzentrieren, sondern in den Regionen Zweigstellen eröffnen. Dies biete den jungen Menschen die Möglichkeit, eine hochwertige Ausbildung zu machen und sie könnten dennoch in ihrer Heimat bleiben.
Ein größeres Problem sieht der Staatsminister jedoch in dem Geburtenrückgang und wie sich dies in einigen Jahren auf das gesamte Rentensystem auswirken wird. Die wenigen Kinder werden nicht in der Lage sein, für eine Wohlstandsrente der geburtenstarken Jahrgänge aus den 60er Jahren zu sorgen. Dabei sei auch der Gedanke falsch, sich erst mit dem Problem zu beschäftigen, wenn es soweit ist. „Dann ist es zu spät“, so Schäfer. Bei dieser Diskussion sei auch nicht die Frage, wie lange wir arbeiten, der zentrale Punkt.

Private Altersvorsorge

Da die gesetzliche Rente immer weniger wird, müssen die Menschen privat vorsorgen. Als Beispiel führte Schäfer die Riester Rente an. Obwohl 32 Millionen Arbeitnehmer mit der Riester Rente privat vorsorgen könnten, haben nur 16 Millionen eine abgeschlossen und davon würde die Hälfte sich in einem ruhenden Status befinden. Zurzeit gebe es nur drei Prozent Menschen, die von Altersarmut betroffen seien. Doch diese Quote wird zunehmen. „Wir müssen mehr Anreize schaffen, damit die Menschen privat etwas für ihre Rente tun“, so Schäfer.
Er sieht die Lösung in einer Methode des „sanften Zwang“. Fangen Arbeitnehmer einen neuen Job an, werden sie nach einer privaten Rentenvorsorge gefragt. Besitzen sie eine, werden vom Gehalt direkt vier Prozent eingezahlt. Besitzen sie keine, erhalten sie eine Liste von Anbietern, um einen Abschluss zu tätigen oder der AG zahlt das Geld in einen Fonds ein. Sehr gute Erfahrungen mit diesem „sanften Zwang“ sei bereits bei den Minijobbern gemacht worden. Zu Beginn mussten diese aktiv ankreuzen, wenn sie eine Einzahlung in die Rentenkasse wollten. Inzwischen wurde dies umgestellt und sie müssen aktiv einer Einzahlung widersprechen. Seitdem seien die Einzahlungen gestiegen.

Emotionales Thema

Er wurde gefragt, warum nicht schon längst etwas getan wird, denn die Probleme seien ja schon länger bekannt. Die Rentendiskussionen bestünden immer aus zwei Komponenten, so die Antwort. Die sachliche Komponente macht keine Probleme. Die Zahlen und Fakten können klar benannt werden und sind auch verständlich. Doch die emotionale Komponente sei nicht zu unterschätzen. Und diese sei häufig negativ besetzt. „Wenn sie über die Rente sprechen, dann haben die Menschen sofort das Gefühl, ihnen soll ihre verdiente Rente weggenommen werden“, erklärte Schäfer diese. Daher sei dies auch eine ungemein schwierige Diskussion.

Insgesamt schaue Thomas Schäfer aber optimistisch in die Zukunft, auch wenn eine Menge Aufgaben warten. Er warnte am Ende vor Schnellschüssen.  Es müssen Antworten gesucht werden, die auch für mehrere Generationen gültig sind.

 

Mehr zur Person von Dr. Thomas Schäfer und seinem politischen Werdegang erfahrt Ihr auf seiner Seite.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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