Windkraft in Waldbrunn – Bürgerinformation und Ortsbegehung

Vergangene Woche fanden zwei Informationsveranstaltungen zum Thema Windkraft in Waldbrunn statt. Zum einen informierte die Gemeinde gemeinsam mit den Planern über technische Details, zum anderen lud die IG „Gegenwind in den Hausener Wald zu einer Ortsbegehung ein. Beide Veranstaltungen möchte ich hier nochmal zusammenfassen.

Bürgerinformation Windkraftanlagen: Bürger gegen Windkraft im Hausener Wald

In den letzten Wochen trugen die Bürger viele Fragen zum geplanten Windpark an die Gemeinde Waldbrunn heran. Daher lud diese zu einem Bürgerinformationsabend in die Mehrzweckhalle Hausen ein, um zu informieren und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Während der Vorstellung des geplanten Windkraftpark im Hausener Wald war es noch sehr ruhig unter den rund 120 Anwesenden. Doch sobald es in die Diskussion ging, kam große Unruhe auf und die Gemeinde wie auch die Planer wurden mit den Argumenten gegen Windenergieanlagen (WEA) in Waldbrunn überhäuft.
Es sind verschiedene Ängste und Befürchtungen, welche die Bürger äußerten. Die Grundstücke würden ihren Immobilienwert verlieren, die Windräder würden Krach erzeugen, der zu Krankheiten führe. Vereisungen an den Windrädern würden zu gefährlichen Wurfgeschossen führen. Gerät ein Windrad in Brand, brennt der ganze Wald ab. Und überhaupt, warum wird der namengebende Wald von Waldbrunn zerstört. Dabei betonten die Bürger immer wieder, dass sie nichts gegen Windkraft hätten. Bürgermeister Peter Blum sowie Dr. Klaus Müller und Jane Benavides, die Mitplaner hinter dem Projekt, versuchten auf alle Vorwürfe ruhig einzugehen und zu beantworten.

Technische Details zu den geplanten WEA

Dr. Klaus Müller gab eine Übersicht über das Projekt. Im geplanten Gebiet liegen Windstärken von 6,1 bis 6,3 m/s vor, die ausreichend sind, um den Windpark wirtschaftlich zu betreiben. Im Hausener Wald wären elf WEA möglich gewesen, doch durch einen anwesenden Uhu sowie Schwarzstörche wurden die Planungen auf sieben Windräder reduziert. Drei dieser Windräder fielen auf Waldbrunner Gemarkung, zwei auf Dornburger Gemarkung und eins auf Staatswaldgebiet. Windräder im Betrieb erzeugen einen Lärm von 36 Dezibel, was weniger sei als Vogelgezwitscher, so Müller. Jane Benavides erläuterte etwas zu den beanspruchten Flächen durch die Anlagen. Während des Aufbaus werden von den 496,6 Hektar Waldfläche rund 80.104 Quadratmeter benötigt, was 1,61 Prozent des Gebietes entspricht. Werden die Windräder in Betrieb genommen, werden 14.051 Quadratmeter wieder aufgeforstet, so dass die Anlagen nur noch eine Fläche von 1,33 Prozent beanspruchen. Nach dem Aufbau werden Nisthilfen für Fledermäuse, Haselmäuse und Vögel aufgestellt und die Gegend für weitere zwei Jahre beobachtet, wie sich die Windräder auf die Fauna auswirken. So ist bereits jetzt schon geplant, die Windräder vom 1. April bis 31. Oktober bei einer Geschwindigkeit von unter 6 m/s und gleichzeitigen Temperaturen über 10 Grad abzuschalten, damit die Fledermäuse nicht in die Rotoren gelangen. Die Fundamente werden eine Breite von 21,5 Meter haben und bis zu 80 Zentimeter in den Boden eingegraben werden. Der Rotor besitzt einen Durchmesser von 120 Meter, die Nabenhöhe befindet sich auf 139 Meter, so dass ein Windrad eine Gesamthöhe von 199 Metern besitzt. Die Erschließung erfolge über die Landstraße zwischen Hausen und Langendernbach, wobei die Zulieferung über die B54 erfolgt.

An die Zukunft denken und Rohstoffe nicht verbrennen

Die Bürger wollten wissen, wofür sie die Anlagen bräuchten. Dr. Klaus Müller sieht darin nicht nur die Realisierung eines Beschlusses der Bundesregierung, mehr auf erneuerbare Energien umzusteigen. Er sieht darin auch ein klares Zeichen für die Zukunft der Kinder und Enkelkinder: „Wir sollten Rohstoffe nicht verbrennen, sondern erhalten.“ Zudem ist er dagegen, die Erde mit radioaktivem Müll zu verseuchen. Es wird zudem kein Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen. Bürgermeister Peter Blum bringt auf diese Frage noch den Aspekt der Wirtschaftlichkeit an. Immerhin profitiere die Gemeinde von den Pachteinnahmen von 5,5 Prozent des jährlichen Ertrages, auf alle Fälle die garantierten 30.000 Euro pro Standort sowie Gewerbesteuereinnahmen. Diese fließen in den defizitären Haushalt und dies käme allen Waldbrunnern zu Gute. Es wurde auch gefragt, ob ein Windrad so viel Kohlendioxid kompensiert, dass es den weggeholzten Wald ersetzen könne. Jane Benvides legte Zahlen aus Studien vor, die besagen, dass eine Windenergieanlage 451,8 Hektar Wald ersetzen würde. Nach sieben Monaten Laufzeit sei die Energiebilanz durch den Aufbau einer Anlage wieder ausgeglichen. Jane Benavides fand es lobenswert, dass sich die Bürger ihre Gedanken machen und sich informieren. Jedoch bat sie die Anwesenden, sich nicht nur auf Seiten von Windkraftgegnern zu informieren, sondern auch auf seriösen Seiten, die sich in Studien viele Jahre mit der Thematik auseinandergesetzt haben. So seien ihr bisher keinerlei Schädigungen durch herabfallendes Eis oder in Brand geratene Windräder bekannt, da in diesen Schutzmechanismen verbaut seien, die dies verhindern würden. Bürgermeister Peter Blum kann die Bürger verstehen und auch ihre Sorgen ein Stück weit nachvollziehen. Dennoch ist er für die Windkraft und steht auch hinter der Entscheidung der politischen Gremien. Diese haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sich lange damit beschäftigt, bevor sie sich für den Windkraftpark im Hausener Wald entschieden haben.

Ortsbegehung Hausener Wald – Appell für den Erhalt des Waldes

Nach dem Bürgerinformationsabend zum Thema Windkraft lud die Interessengemeinschaft „Gegenwind“ am Samstag zu einer Ortbegehung ein. Statt technischer Daten stand diesmal das Ökosystem Wald im Vordergrund. Fast zweieinhalb Stunden ging es zu Fuß durch den Hausener Wald, um die geplanten Standorte für die drei WEA auf Waldbrunner Gemarkung abzulaufen und die Größe der Anlage zu visualisieren. Die Standorte für die geplanten Anlagen auf Dornburger Gemarkung sowie im Staatswald wurden nicht besucht. Zu der Begehung lud die Interessengemeinschaft „Gegenwind“ ein und über 100 Bürger folgten dieser Einladung.

Hausener Wald als vielschichtiges Ökosystem

Die Veranstalter konnten die Vielfältigkeit des Hausener Waldes an verschiedenen Stellen zeigen. Es ginge nicht um die Frage, wieviel Wald gerodet, sondern um die Frage, welcher Wald gerodet wird, so Holger Rittweger, einer der Mitorganisatoren und Begründer des mobilen Landschaftsmuseum. Der Hausener Wald sei ein sehr artenreiches, vielschichtiges und naturnahes Ökosystem. Zahlreiche Amphibien und unter Schutz stehende Reptilien kommen in dem Wald vor. Eichenbestände wechseln sich ab mit einem Eschen-Erlen-Quellbachwald, die Bürger durchliefen einen Waldmeister-Buchenwald sowie Buchenmischwald. Diese Biodiversität würde durch den Bau der Windkraftanlagen zerstört werden, so Rittweger. Hinzu komme die Verdichtung des Waldbodens durch die schweren Maschinen, so dass auch das Ökosystem im Boden nachhaltig gestört wird.

Wichtiges Wasserreservoir

Paul Guckelsberger, der diesen Wald seit seiner Kindheit kennt, erzählte etwas zu dem Wasserhaushalt dieses Gebietes. Der Wald liegt im Wasserschutzgebiet Kategorie drei, der geringsten Schutzzone. Der gesamte Wald sei ein gutes Wasservorkommen, welches der größte Trinkwasserproduzent in der gesamten Region ist, so Guckelsberger. Der Waldboden sei nicht nur ein guter Reiniger des Wassers, sondern würde dieses auch wie ein Schwamm aufsaugen und speichern. Dies sei wichtig mit der Klimaerwärmung und bei längeren Trockenzeiten. In dem Wald finden sich ebenfalls Habitatbäume, welche Lebensraum für viele Lebewesen bieten. Paul Guckelsberger machte darauf aufmerksam, dass auch Bäume am Rand der Baufläche entweder durch die riesigen Baumaschinen umgefahren werden oder durch die Versiegelung der Bodenfläche geschädigt werden. Gerhard Menger von Hessenforst stellte klar, dass Hessenforst als Dienstleister der Gemeinde agieren muss. Dennoch habe er beratend bei den Planungen mitgewirkt. So habe Hessenforst von einer Anlage im 140 Jahre alten Eichenbestand abgeraten und eher ein Gebiet mit Eschen vorgeschlagen. Diese seien mit einem Pilz befallen und würden sowieso in den nächsten Jahren zu Grunde gehen. In Anbetracht der Windkraftplanung wurden in den letzten Jahren Flächen mit Windschäden nicht mehr aufgeforstet. Ein Bürger hinterfragte, ob Hessenforst und auch die Gemeinde bei ihren Entscheidungen nicht in einem Interessenkonflikt seien, wo sie doch auch durch die Anlagen Einnahmen bekämen. Neben den Ausmaßen der Anlagen an sich gingen die Veranstalter ebenfalls auf die Zufahrten ein, die zu einer Verbreiterung der bestehenden Wege führen würde und zu einer Verdichtung des Bodens.

Bodenverdichtung durch die Zufahrten

An einem steilen Anstieg käme es sogar zu einem geteerten Weg. Planerin Jane Benavides, Planerin der Anlagen, stimmte zu, dass es zu geteerten Zufahrten kommen würde. Dennoch gebe es von der oberen Naturschutzbehörde Auflagen, die Teerdecke zurückzubauen und den Boden wieder aufzubereiten. Holger Rittweger hielt dagegen, dass ein seit Jahrtausender gebildeter Boden nicht aufzubereiten sei. Insgesamt werde mit dem Vorhaben in mehrere ökologisch empfindliche Bereiche eingegriffen. Die Anwesenden kritisierten sehr, dass neben dem Bürgermeister und wenigen Gemeindevertretern niemand an der Begehung teilnahm, der an der Entscheidung für den Windpark beteiligt war. Dennoch richteten sie ihren Appell an die Gemeindevertreter. Es sei keine Blamage, eine gefasste Meinung rückgängig zu machen, so Holger Rittweger. Dies sei gelebte Demokratie. Die gewählten Vertreter sollen sich überlegen, ob sie diesen Weg weitergehen wollen. Die Gemeinde besitzt die Möglichkeit als Träger öffentlicher Belange eine Stellungsnahme abzugeben. In dieser könne sie ein förmliches Verfahren verlangen, in dem die Umweltverträglichkeit geprüft und die Öffentlichkeit mit einbezogen werden würde. Damit die Gemeinde ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren würde, sollte sie diesen Weg einschlagen, so die allgemeine Meinung der Anwesenden.

Heike Lachnit

Freie Journalistin und Texterin

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